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Stevia Der fast perfekte Süßstoff

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Stevia-Jogurt von der Andechser-Molkerei: Zulassung vor Gericht erstritten.

„Haushalssüßungsmittel könnten auch in Deutschland schon im Dezember in die Regale kommen“, sagt Kienle. Auch bislang war Stevia hierzulande schon erhältlich, in Bioläden oder Reformhäusern stand es wegen der fehlenden Zulassung jedoch als Badezusatz oder ähnlich deklariert in der Kosmetikabteilung. Als „Hinterhofgemische“ bezeichnet der Wissenschaftler von der Universität Hohenheim die Tabletten, Pulver oder Tropfen abschätzig.

Doch nun steigen große Konzerne in das Geschäft ein. Auch die Süßstoffhersteller bereiten sich auf einen möglichen Stevia-Boom vor. Nordzucker hat im Frühjahr ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Steviahersteller Pure Circle gegründet und experimentiert seither in einem Labor in Kopenhagen mit dem Stoff. 

Andere Unternehmen sind da schon weiter. Die bayerische Molkerei Andechser wollte nicht mehr auf die schon lange anstehende EU-Entscheidung warten und verkauft schon seit einiger Zeit Jogurt in den Geschmacksrichtungen Orange-Sanddorn und Maracuja-Banane, das mit Stevia gesüßt ist. Im Frühjahr musste Firmenchefin Barbara Scheitz die Jogurts noch aus den Regalen nehmen, doch sie wehrte sich dagegen. Im September erlaubte das Münchener Verwaltungsgericht dann den Verkauf der Jogurts, da sie nicht mit Stevia-Extrakt sondern mit Stevia-Tee gesüßt seien, der schon länger in Europa verwendet wurde.

Durchwachsene Verkaufserfolge 

Auch der Lebensmittelriese Danone experimentiert mit der Natursüße. In Frankreich, wo Stevia 2009 befristet für zwei Jahre zugelassen wurde, verkauft das Unternehmen ein Stevia-Joghurt. Der Verkaufserfolg ist nach Angaben von Branchenkennern jedoch durchwachsen.

Ähnliche Beobachtungen kann man in der Schweiz machen, wo es ebenfalls seit einiger Zeit eine Sonderzulassung gibt. „Man findet dort fast keine Stevia-Produkte auf dem Markt“, sagt Kienle. Der größte Schweizer Einzelhändler Migros, nahm verschiedene Limonaden, die als „Getränke-Revolution“ beworben waren, sogar wieder aus den Regalen.

Die Lebensmittelriesen sondieren nun erst einmal die Lage. Kein großes Unternehmen will sich derzeit dazu äußern, ob und wann Stevia-Produkte in Deutschland verkauft werden sollen. Ein Problem sind die Rezepturen: da Stevia viel süßer ist als Zucker, ändert sich beispielsweise die Konsistenz von Marmeladen oder Kuchen. Zudem ist da noch der leichte Nebengeschmack, der nicht jedermanns Sache ist. „Wir versuchen noch dem Nachgeschmack beizukommen“, heißt es daher bei einem großen Nahrungsmittelunternehmen, das sich offiziell nicht zu seinen Plänen äußern möchte. Neue Produkteinführungen sind teuer und so beäugt sich die Konkurrenz argwöhnisch. „Alles wartet derzeit ab, doch wenn die Großen auf den Markt gehen, werden andere nachziehen“, sagt Kienle.

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