Stress durch Unsicherheit Finanzielle Belastung kann zu Schmerzen führen

Wer jeden Euro zwei Mal umdrehen muss, steht unter großem Druck - das kann auch körperliche Auswirkungen haben, zeigt eine aktuelle Studie.

Finanzieller Stress kann zu körperlichen Schmerzen führen. Quelle: dpa

Mit den Kollegen Mittagessen gehen, oder doch lieber eine Stulle von zu Hause mitnehmen? In den Urlaub fahren oder das Geld doch lieber auf die hohe Kante legen - wer weiß, was morgen kommt? Ökonomische Entscheidungen treffen wir jeden Tag. Wer dabei unter finanziellem Druck steht, bekommt das auch körperlich zu spüren.

Ein Forschungsbeitrag im Fachjournal "Psychological Science" zeigt: Menschen, die ihre finanzielle Zukunft mit Sorge betrachten, leiden häufiger unter körperlichen Schmerzen. Dies könne zumindest zum Teil durch einen gefühlten Kontrollverlust über das eigene Leben hervorgerufen werden, schlussfolgern die Forscher Eileen Chou, Bidhan Parmar und Adam Galinsky. Dieser Kontrollverlust führt zu innerer Unruhe, Angst und Stress. Im Nervensystem sind diese Vorgänge eng verbunden mit dem Schmerzempfinden.

Für die Untersuchung wurde eine große Datenmenge herangezogen: Die Analyse von sechs Studien habe gezeigt, dass es "körperliche Schmerzen bereite, sich finanziell unsicher zu fühlen", erklärt Hauptautorin Eileen Chou von der Universität Virginia. In den vergangenen zehn Jahren sei ein Anstieg von wirtschaftlicher Unsicherheit und der Häufigkeit von körperlichen Schmerzen zu beobachten gewesen. Daher habe man nach einer Verbindung dieser beiden Entwicklungen gesucht.

Armutsgefährdung in Deutschland

In fünf Studien fanden die Forscher Hinweise darauf, dass eine angespannte Finanzlage zu Schmerz und einer verminderten Schmertoleranz führt. Eine sechste Studie, die Daten von mehr als 33.000 Haushalten in den USA heranzog, zeigte schließlich, dass finanzielle Unsicherheit ein Indikator für den Konsum von freiverkäuflichen Schmerzmitteln darstellt: Haushalte, in denen beide erwachsenen Haushaltsmitglieder arbeitslos waren, hatten um 20 Prozent höhere Ausgaben für freiverkäufliche Schmerz-Medikamente im Vergleich zu Haushalten mit nur einem arbeitslosen Mitglied.

In Online-Befragungen zeigte sich zudem, dass die Probanden deutlich häufiger über Schmerzen berichteten, wenn sie arbeitslos waren oder sich in einer als finanziell unsicher empfundenen Situation wiederfanden. Schon Erinnerungen an Engpässe in der Vergangenheit führten zu einer Verdopplung der empfundenen Schmerzen.

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Dass auch die Schmerztoleranz durch finanziellen Druck herabgesetzt ist, zeigte eine Laborstudie: Die Probanden mussten ihre Hand in einen Eimer mit Eiswasser halten. Dann beschworen die Studienleiter Zukunftsängste herauf: Die Teilnehmer sollten sich vorstellen, dass ihnen ein instabiler Jobmarkt mit drohender Arbeitslosigkeit bevorsteht. Es zeigte sich, dass sie die Hand deutlich schneller aus dem Eiswasser heraus zogen, als die Probanden der Kontrollgruppe.

Wie Menschen ihre individuelle Finanzlage erleben, hat also entscheidende Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Gesundheit. Die Verbindung zwischen sozialen Phänomenen wie Arbeitslosigkeit, deren psychischer Verarbeitung und körperlichem Erleben sei für Forscher wie Politik gleichermaßen wichtig, argumentieren die Wissenschaftler um Chou: "Indem wir zeigen, dass körperlicher Schmerz in ökonomischer Unsicherheit und einem Gefühl des Kontrollverlusts wurzelt, hoffen wir, diese Abwärtsspirale durchbrechen zu können."

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