Stress im Büro Leiser Lärm kann krank machen

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Die Lösung heißt Abstand

Welchen Krach Mieter ertragen müssen
Fernsehen und StereoanlageWer gerne Filme schaut oder ein neues Album in Dauerschleife hört, kann dies auch weiterhin tun - solange Zimmerlautstärke eingehalten wird. Im Treppenhaus und anliegenden Wohnung darf von dem Vergnügen nichts oder kaum etwas gehört werden. In der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr gilt ein absolutes Lärmverbot: hört man weiterhin was der Nachbar hört, darf geklagt werden. Mit Material von nachbarstreit.com Quelle: dpa
Nicht das Talent ist entscheidendWie bei Fernseher und Stereoanlage gilt auch für das häusliche Musizieren: solange niemand gestört wird - sprich Zimmerlautstärke eingehalten wird - darf den ganzen Tag gespielt werden. Ist der Probelärm erkennbar außerhalb der Wohnung zu hören, gibt es Einschränkungen: generell darf bis zu zwei Stunden gespielt werden. Im Einzelfall hängt das jedoch von den jeweiligen Bedingungen ab. So sind Aspekte wie die Art des Instruments, Schallschutz des Hauses und Alter der Nachbarn zu beachten. Das jeweilige Talent des Nachbarn spielt jedoch keine Rolle. Zusätzliche Einschränkungen können vertragliche Regelungen darstellen. Diese umfassen beispielsweise feste Übungszeiten. Quelle: REUTERS
Spielende Kinder und schreiende SäuglingeWenn Kinder Verstecken spielen, weinen oder von Zeit zu Zeit durch den Flur laufen, braucht niemand die Polizei rufen - verboten ist Kinderlärm nämlich nicht. Anders sieht es aus, wenn die Kleinen nicht bloß fangen spielen, sondern in der Wohnung Fahrrad oder Rollschuh fahren. In diesem Fall riskieren Eltern eine Anzeige wegen Ruhestörung. Quelle: dpa
Waschmaschine, Trockner und CoGenerell gelten auch bei Haushaltsgeräten wie Waschmaschine oder Geschirrspüler die normalen Ruhezeiten. Es gibt jedoch im Sinne der Berufstätigen auch Ausnahmen: die Waschmaschine darf in seltenen Fällen auch mal nach 22 Uhr laufen. Quelle: dpa
Boiler, Heizung und AufzugDer Betrieb der festverbauten Anlagen darf nachts nicht mehr als 30 Dezibel in den angrenzenden Räumen verursachen. Wobei hier die Spitzenwerte zählen - wenn sich die Heizung morgens einschaltet oder der Aufzug bremst. Werden die Grenzwerte überschritten, muss der Eigentümer nachrüsten. Quelle: dpa
HaustiereEine halbe Stunde insgesamt und maximal zehn Minuten am Stück - so lautet eine gerichtliche Vorgabe für Hundegebell. Wie man das einem Hund beibringen soll, wird das Gericht überforderten Tierbesitzern wohl aber nicht erläutern. Jedoch kann unzumutbares Gebell, Gepfeife oder Miauen Grund für Mietminderungen und Ordnungsgelder sein. Zu beachten ist hier, dass keine einheitlichen Vorgaben für alle Tiere gelten. Am besten sucht man erstmal nach vergleichbaren Fällen, bevor man Vermieter oder Ordnungshüter einschaltet. Quelle: dpa
GartenlärmNach Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung darf werk-, sonn- und feiertags nur zwischen 07:00 bis 20:00 Uhr mit Geräten im Garten gearbeitet werden. Eine Ausnahme bilden Laubsammler, Laubbläser, Grastrimmer, Graskantenschneider und Freischneider, diese dürfen nur zwischen 09:00 und 12:00 Uhr sowie 14:00 bis 17:00 eingesetzt werden. Quelle: dpa

Zugegeben, ein Großraumbüro mag Vorteile haben. Doch ein Nachteil ist unbestritten: Mitarbeiter können unter dem akustischen Einfluss der Kollegen niemals echte Höchstleistungen bringen. Nicht ohne Grund galten in Büros einst Grenzen von 55 Dezibel. Dieser Grenzwert wurde aus der Verordnung jedoch gestrichen. Auch der rechtliche Anspruch auf die Größe eines Arbeitsplatzes ist in den vergangenen Jahren von zwölf auf acht Quadratmeter geschrumpft.

Dabei könnte gerade mehr Platz zwischen den Arbeitsplätzen helfen. „Eine Verdopplung des Abstandes bedeutet eine Halbierung des Schalls“, sagt Wolfgang Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Die Entfernung reduziert nicht nur die Lautstärke. Auch hohe und grelle Töne klingen auf Abstand dumpfer.

Das Phänomen kennt jeder: Der Donner eines Gewitters schallt aus der Ferne dumpf und grollend. Direkt über dem eigenen Kopf erscheint er jedoch grell und bedrohlich. Stresshormone werden ausgeschüttet, die meisten ziehen instinktiv den Kopf ein.

Viele Arbeitgeber haben bislang allerdings kaum ein Bewusstsein für die Bedeutung der Akustik im Job. Im Schnitt geben sie heute nur maximal zehn Prozent ihres Budgets für Gebäudekosten aus, sagt Georg Brockt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus Dortmund. Dem stünden 80 Prozent Lohnkosten gegenüber. Dabei würde nicht bedacht, dass gerade enge Räume die Leistung mindern und den Krankheitsstand erhöhen. Und das kostet wiederum Geld.

Häufig erkennen Arbeitgeber das zu spät. Oder sie versuchen – im Idealfall – nachträglich aufzurüsten.

Eine andere Strategie verfolgen viele Unternehmen im angloamerikanischen Raum. Hier wird Lärm mit Lärm bekämpft. „Gerade im Bürobereich kann ein monotones Rauschen helfen, andere störende Hintergrundgeräusche zu übertünchen“, sagt Jürgen Hellbrück. „Daher werden zum Teil ganz bewusst künstliche Geräusche in Büros eingesetzt.“ Und die legen sich wie ein sanfter Schleier über die anderen Geräusche. Allerdings sind derartige Ansätze hierzulande umstritten.

In Arbeit
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In Deutschland wird eher mit so genannten Absorbern gearbeitet. Dabei handelt es sich um Decken, Bodenbeläge oder Stellwände aus porösem Material, die Geräusche von außen aufsaugen. Studien der RWTH Aachen haben gezeigt, dass durch entsprechend präparierte Stellwände Frequenzen zwischen 1000 und 4000 Hertz nicht mehr durchdringen. Dadurch werden Konsonanten gar nicht mehr oder nur noch schlecht gehört. Die Vokale verschmelzen zu einem unverständlichen Sprachbrei, der nicht mehr ablenkt.

Wer nicht in den Luxus eines Umbaus kommt, muss sich also selbst gegen den Großraum-Lärm schützen. Viele Angestellte greifen deshalb gerne zu Musik. Von einer Stakkato-Spielweise aus barocken Bläserkonzerten rät Lärm-Experte Jürgen Hellbrück allerdings ab. Hilfreich seien vielmehr ruhige, klassische Legato-Stücke. Darin gleiten die Übergänge sanft dahin - und schaden weder dem Merkvermögen noch der Konzentration.

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