Studie Alkohol schützt das Herz - aber nicht bei jedem

Eine schwedische Studie zeigt, dass moderater Alkoholkonsum manche Menschen vor Herzkrankheiten schützen kann. Eine pauschale Empfehlung zum Trinken ist es aber nicht.

Ein gewisses Maß an Alkohol kann das Herz schützen - aber nur bei wenigen Menschen Quelle: dpa

Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren - und manch Einem tut es sogar gut. Eine Studie schwedischer Forscher hat den seit Langem herrschenden Mythos untersucht, das ein Glas Wein, Bier oder ähnliches am Tag sogar gesundheitsfördernde Wirkung haben kann. Dabei zeigte sich: Ja, es gibt Menschen, die von moderatem Alkoholkonsum profitieren - das sind aber nur sehr wenige.

Die Forscher untersuchten 618 Schweden, die bereits an koronaren Herzkrankheiten litten, sowie eine Kontrollgruppe von 3000 gesunden Menschen. Aufgrund der Höhe ihres Alkoholkonsums wurden die Probanden in verschiedene Gruppen eingeteilt.

Außerdem wurde untersucht, ob sie zu einem speziellen Genotyp zählen: Vorangegangene Studien hatten gezeigt, dass eine besondere Ausprägung des Erbgutes, die als Genotyp "CETP TaqIB" bezeichnet wird, eine Rolle beim gesundheitlichen Nutzen von Alkoholkonsum spielt.

Der komplizierte Code steht für einen Stoff, der das "gute" HDL-Cholesterin beeinflusst, welches überschüssige Fette aus den Blutgefäßen abtransportieren und sie so vor Verkalkung schützen kann.

USA verbieten ungesunde Transfette in Lebensmitteln
Was sind Trans-Fettsäuren?Auf der Zutatenliste verstecken sie sich in gehärteten Fetten und Ölen. Der Name klingt kompliziert und erklärt sich aus der Biochemie: Ungesättigte Fettsäuren liegen in der sogenannten Cis-Konfiguration vor. Das beschreibt die Position der Wasserstoffatome an Kohlenstoffatomen in einer Doppelbindung. Unter anderem durch industrielle Verarbeitungsprozesse oder durch starkes Erhitzen von Fetten kann es zu einer Veränderung dieser chemischen Bindungen kommen. So entstehen die Transfettsäuren - mit unerwünschten Effekten: Sie erhöhen das (schlechte) LDL-Cholesterin im Blut und senken zugleich das (gute) HDL-Cholesterin (dazu später mehr). Das wiederum stellt einen Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall dar, wie Studien gezeigt haben. Besonders viele Transfettsäuren finden sich in Chips, Margarine, Pommes, Fertiggerichten, Süßigkeiten und Tütensuppen. Die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA will innerhalb der nächsten drei Jahre Transfette aus Lebensmitteln verbannen und so tausende tödliche Herzinfarkte in der US-Bevölkerung verhindern. Bereits 2013 hatte die FDA erklärt, Transfette könnten nicht als
UnterscheidungGrundsätzlich werden Fette nach ihrer Herkunft unterschieden: Es gibt pflanzliche und tierische Fette. Pflanzliche Fette sind etwa Sonnenblumenöl oder Kokosfett; auch Nüsse und Saaten sind fettreich. Tierische Fette sind Schmalz, Sahne oder Butterfett - auch Fleisch- und Wurstwaren enthalten reichlich Fett. Fette, die bei Zimmertemperatur in flüssiger Form vorliegen, bezeichnet man als Öle. Quelle: DGE, BfR, eigene Recherche. Quelle: dpa
EnergieFette sind ein wichtiger Energielieferant und -speicher für den Körper. Die meisten Körperzellen bevorzugen Zucker zur Energiegewinnung. Doch Fett ist der zweitwichtigste Brennstoff für die Zellen. Dabei bringt Fett dem Organismus reichlich Energie: Ein Gramm Fett liefert 9 Kilokalorien. Zum Vergleich: Zucker liefert etwa 4 Kilokalorien. Essen wir mehr als wir brauchen, kann der Körper die überschüssige Energie in Form von Fett speichern - auch, wenn zu viel Zucker oder Eiweiß aufgenommen wurde. Diese Stoffe werden in Fett umgewandelt und im Fettgewebe eingelagert. Quelle: REUTERS
Triglyceride, gesättigte und ungesättigte FettsäurenDas Wort Triglyceride kennen viele von der Blutuntersuchung beim Arzt. Es bezeichnet die größte Gruppe der natürlich vorkommenden Fette. Man nennt sie auch Neutralfette. In dieser Form speichert der Körper Fett in seinen Zellen. Dabei hängen drei (tri) Fettsäuren an einem Glycerin-Rest. Fettsäuren sind lange Ketten von Kohlenstoff und Wasserstoff. Je nachdem, ob das Kohlenstoffgerüst der Fettsäuren Doppelbindungen enthält, unterscheidet man gesättigte Fettsäuren (nur Einfachbindungen), einfach ungesättigte Fettsäuren (eine Doppelbindung) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (zwei oder mehr Doppelbindungen). Der menschliche Körper kann Fettsäuren selbst herstellen - dabei kann aber höchstens eine Doppelbindung eingefügt werden. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren zählen also zu den essentiellen Nährstoffen, die über die Ernährung zugeführt werden müssen. Der Körper braucht sie als Baustein für zahlreiche Stoffe. Quelle: Fotolia
CholesterinEier gelten als ungesund, weil sie viel Cholesterin enthalten. Dabei handelt es sich um einen fettähnlichen Stoff, der nicht per se schlecht ist: Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Membranen, die unsere Zellen umgeben, ein Vorläufer vieler Hormone und der Gallensäuren, die wichtig für die Fettverdauung sind. Der Körper kann Cholesterin selbst bilden und nimmt es zusätzlich über tierische Nahrungsmittel auf. Im Idealfall herrscht hier ein Gleichgewicht. Bei manchen Menschen funktioniert diese Regulation aber nicht; dann kann es zu erhöhten Cholesterinwerten im Blut kommen. Dies geht mit einem erhöhten Risiko für Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) einher. Es gibt zudem
PflanzensterineImmer wieder in den Schlagzeilen: Die Margarine Becel pro.activ, die damit beworben wird, den Cholesterinspiegel zu senken. Zuletzt verpflichtete die EU den Hersteller Unilever dazu, einen Warnhinweis anzubringen. Seit Februar 2014 muss auf der Packung stehen:
Raffiniert, kaltgepresst,

In der Auswertung zeigte sich, dass Menschen mit dieser speziellen genetischen Ausstattung tatsächlich von einem gemäßigten Alkoholkonsum profitieren: Der Alkohol schützt sie vor Herzkrankheiten. Der Alkoholkonsum allein habe aber keinen ausgeprägten schützenden Effekt auf das Herz - ebenso wenig wie der Genotyp. Erst in der Kombination beider Faktoren zeige sich eine signifikante Reduzierung des Risikos für koronare Herzkrankheiten.

Wie genau der Mechanismus funktioniert, ist noch nicht erforscht. Die Wissenschaftler vermuten zwei mögliche Wirkungsweisen: Einerseits könne es sein, dass der Alkohol das CETP-Protein in einer Art und Weise beeinflusst, dass es das HDL-Cholesterin noch besser unterstützt. Ein anderer Mechanismus könne in den schützenden Antioxidantien der alkoholischen Getränke liegen.

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Die Studie ist aber kein Freifahrtschein zum Trinken: Denn nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung trägt die entsprechende genetische Ausstattung. Der emeritierte Professor Dag Thelle von der Universität Göteborg fasst zusammen: "Moderates Trinken hat nur für 15 Prozent der Menschen einen positiven Effekt." Die Forscher betonen daher, dass die immer wieder gern gemachte generelle Empfehlung zum besagten "Gläschen in Ehren" viel zu pauschal sei.

Die Studie mache einen ersten wichtigen Schritt, es sei aber noch viel weitere Forschung nötig, sagte Thelle. Einerseits könnten künftig vielleicht einfache und schnelle Gentests Patienten Auskunft darüber geben, ob sie zu den glücklichen 15 Prozent gehören. Nur so könne man sinnvolle ärztliche Anweisungen zu gesundem Alkoholkonsum geben. Am wichtigsten sei es aber, neue Wege zu finden, wie man die natürlichen Veranlagungen unseres Körpers nutzen kann, um Herzkrankheiten zu vermeiden.

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