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Studie Ebola wird sich wahrscheinlich nach Europa ausbreiten

Laut einer Studie besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Ebola auch Frankreich erreicht. Denn es gibt zahlreiche Flugverbindungen aus Westafrika nach Paris. Dennoch lehnen Experten ein Reise-Embargo ab.

Ein Pärchen kommt aus dem Internationalen Flughafen von Abidjan (Elfenbeinküste). Links ist eine Gesundheitsarbeiterin mit Schutzmaske zu sehen. Quelle: REUTERS

Die Ebola-Seuche dürfte sich wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge voraussichtlich auch nach Frankreich und Großbritannien ausbreiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Frankreich in den nächsten drei Wochen einen Fall gebe, liege bei 75 Prozent, teilte die britische Universität Lancaster mit. Für Großbritannien bestehe eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent.

Die Daten beruhen auf Mustern, wie sich die Krankheit bislang ausgebreitet hat und wie der Flugverkehr organisiert ist. In den von Ebola am stärksten getroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia werde viel französisch gesprochen und es gebe zahlreiche Reiseverbindungen nach Paris, hieß es in der Studie, die im Journal "PLoS Current Outbreaks" veröffentlicht wurde.

Das ist das Ebola-Virus

Die Wahrscheinlichkeiten beruhen auf der Annahme, dass der Flugverkehr unverändert in voller Kapazität weitergeht. In den USA wird derzeit ein Embargo für die Ebola-betroffenen Gebiete diskutiert. Die Berechnungen berufen sich auf Daten zu Ebola von Anfang Juli bis Anfang August dieses Jahres.

"Wer hat Glück - und wer nicht"

Mit jedem Tag, den die Seuche nicht in den Griff bekommen wird, stiegen die Risiken weiter an, sagte Alessandro Vespignani von der Uni Boston, der an der Studie beteiligt war. "Die Wahrscheinlichkeiten steigen für Jeden. Das Ganze ist nur ein Fall von "Wer hat Glück - und wer nicht"", erklärte Vespignani.

Großbritannien sei gefährdet, weil London-Heathrow zu den weltgrößten Flughäfen zähle. Beide Länder haben jeweils einen erkrankten Bürger aus den Krisengebieten heimgeflogen und erfolgreich behandelt. Die Studienautoren gehen davon aus, dass weitere Menschen Ebola nach Europa bringen werden, nicht wissend, dass sie das Virus in sich tragen. "Das ganze ist ein reines Glücksspiel", sagte Derek Gatherer, Virus-Experte an der Uni Lancaster.

Chronologie der aktuellen Ebola-Epidemie

Der Auswertung zufolge liegt das Risiko für eine Ankunft der Seuche in Belgien bei 40 Prozent. Spanien und die Schweiz sind in geringerem Maße ebenfalls gefährdet: Hier liegt die Wahrscheinlichkeit den Autoren zufolge bei jeweils 14 Prozent.

In Sierra Leone gerät die Epidemie derzeit immer stärker außer Kontrolle. Den Gesundheitsbehörden zufolge starben dort allein im Laufe des Samstags 121 Menschen - so viele wie nie zuvor seit Beginn des Ausbruchs. Zugleich seien 81 neue Fälle bekanntgeworden, berichtete die Behörde. Damit stieg die Zahl der Ebola-Toten in dem westafrikanischen Land auf 678. Helfer gehen noch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Im gesamten Westafrika geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile von rund 3500 Toten aus. Insgesamt waren bis Freitag 7492 Krankheitsfälle gemeldet. Betroffen sind neben Sierra Leone vor allem Liberia und Guinea. Es ist der schwerste Ebola-Ausbruch in der Geschichte.

Die Furcht vor einer Ausbreitung befeuert in den USA die Debatte über ein Reiseverbot für die betroffenen Länder in Westafrika. Die WHO hat bislang keine Restriktionen erlassen. Nur einzelne Fluglinien, etwa Emirates oder British Airways, haben wenige Flüge gestrichen.

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