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Studie Warum Prostatakrebs im Süden häufiger ist

Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken an Krebs. Je nach Region schwankt die Häufigkeit der Diagnosen – was an unterschiedlichen Untersuchungs-, aber auch Lebensgewohnheiten liegt.

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Ein Aufnahme des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt eine Brustkrebszelle. Quelle: dpa

Die Zahl der Krebspatienten in Deutschland steigt. 470.000 Menschen erkrankten im Jahr 2008 an Krebs, für 2012 rechnet das Robert-Koch-Institut mit 490.000 Neuerkrankungen. Ein interaktiver Krebsatlas der Gesellschaft der epidemologischen Krebsregister (GEKID) zeigt bundesweit vor allem bei Brust- und Hautkrebsneuerkrankungen eine starke Zunahme. Der Atlas offenbart auch große regionale Unterschiede.

Den bundesweiten Anstieg von Brustkrebserkrankungen führen Fachleute auf neue Untersuchungsmethoden zurück. „Seit 2008 wird bundesweit mit Mammographie-Screenings nach bösartigen Brustkrebstumoren gefahndet“, sagt Ron Pritzkuleit, Geograph beim Krebsregister Schleswig-Holstein und Mitersteller des GEKID-Krebsatlas. „Darauf führen wir den sprunghaften Anstieg von 114 Krebsdiagnosen pro 100.000 Frauen im Jahr 2007 auf 124 Neuerkrankungen im Jahr 2008 zurück.“ Ähnliches gelte für Hautkrebserkrankungen. Auch hier hätten neue Screening-Methoden die Fallzahlen erhöht.

Diagnose Brustkrebs im Osten seltener

Allerdings fällt die Zahl der Brustkrebserkrankungen in den neuen Bundesländern niedriger aus als in den alten. Pritzkuleit führt das sowohl auf unterschiedliche Lebensstile als auch auf verschiedene Behandlungsgewohnheiten zurück: „In der ehemaligen DDR bekamen die Frauen in der Regel deutlich früher Kinder als im Westen. Das senkt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.“ In den alten Bundesländern kämen im Kampf gegen Wechseljahrsbeschwerden außerdem häufiger Hormonersatzpräparate zum Einsatz. „Verschiedene Studien belegen: Hormontherapien steigern das Brustkrebsrisiko“, so Pritzkuleit.

Rückgang bei Prostatakrebs

Der Atlas zeigt bundesweit einen Rückgang von Prostatakrebs-Diagnosen. Das liege daran, dass der Bluttest zur Früherkennung – der so genannte PSA-Test – heute nicht mehr so häufig durchgeführt werde, wie noch vor einigen Jahren: „Mittlerweile verzichten Ärzte häufiger auf den Test“, sagt Pritzkuleit. Das könne zum Beispiel der Fall sein, wenn sie vermuten, dass ein Patient besser mit einem langsam wachsenden Tumor leben würde, als mit Impotenz und Inkontinenz als Folgen einer Prostata-Entfernung.

Das deutliche Nord-Süd-Gefälle bei Prostatakrebs führt Pritzkuleit auf die unterschiedliche Nutzung des PSA-Tests zurück. Er vermutet, dass die Früherkennungsmethode in Norddeutschland häufiger eingesetzt wird als in Süddeutschland und so die Krebsrate in  Ländern wie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern höher liege als in Thüringen oder Bayern.

Lungenkrebs: Auffällig viele Frauen in Städten erkrankt

Auch bei Lungenkrebserkrankungen offenbart der Krebsatlas deutliche regionale Unterschiede. Am auffälligsten sind sie bei Frauen: Während in ländlicheren Regionen wie Brandenburg oder Bayern im Schnitt bei zwanzig beziehungsweise 21 Frauen je 100.000 Lungenkrebs diagnostiziert wird, sind es in Bremen 34 und in Hamburg und Berlin jeweils 35.

Als mögliche Erklärung für die hohen Lungenkrebs-Raten in den Großstädten führt Pritzkuleit das Rauchen an, das er eher als Teil eines urbanen Lebensstils sieht, als dem Landleben zuordnet: „Wir vermuten, dass Städterinnen häufiger zur Zigarette greifen und deshalb vermehrt an Brustkrebs erkranken“, so der Wissenschaftler.

Während die Zahl der Krebserkrankungen in Deutschland seit Jahren steigt, erhöhen sich übrigens auch die Chancen auf Heilung: 1980 starben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zwei Drittel aller Erkrankten. Inzwischen überleben mehr als die Hälfte.  

Zum interaktiven Krebsatlas geht es hier.

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