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Telemedizin Digitaler Austausch unter Ärzten kann Leben retten

Viele Ärzte und Kliniken kommunizieren nur analog. Ein Firmenverbund aus dem Ruhrgebiet will nun die Medizinbranche digitalisieren, damit Gesundheitsdaten in Notfällen schneller verfügbar sind.

Quelle: Fotolia

Klingt unglaublich, ist in Deutschland aber immer noch traurige Realität: Kommt ein Patient etwa mit Verdacht auf einen Schlaganfall in eine Klinik, fragen die Ärzte ihn routinemäßig, ob Kollegen in letzter Zeit eine Aufnahme seines Kopfes mit einem Computertomografen (CT) gemacht haben – und schicken dann ein Taxi los, um eine CD mit den so entstandenen Bildern zu holen.

Nur dann können sie den Zustand des womöglich geschädigten Gehirns mit dem des noch gesunden vergleichen und die richtige Therapie einleiten.

Viel schneller, als ein Taxi über Land zu schicken, ginge es natürlich, CT-Bilder, EKGs und andere Gesundheitsdaten, die heute fast überall digital vorliegen, in Sekundenschnelle über das Internet auszutauschen.

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen
Eine junge Frau putzt sich mit einem Papiertaschentuch die Nase Quelle: dpa
Mann mit Rückenschmerzen sitzt im Büro Quelle: obs
In einer Zahnarztpraxis werden die Zähne eines Jungen untersucht Quelle: dpa
Ein Fieberthermometer liegt auf verschiedenen Arten und Formen von Tabletten Quelle: dpa
Ein Mann zieht an seinem Finger und erzeugt ein Knackgeräusch. Quelle: dpa
Angela Merkel hält ein Schnapsglas in der hand Quelle: AP
Ein Junge steht unter einer Dusche Quelle: dpa

Bisher scheitert das meist an der schieren Größe der Bilddateien, die jede E-Mail sprengen würde, und auch an den vielen unterschiedlichen Formaten, in denen jede Praxis und jede Klinik ihre Daten abspeichert, je nach Gerätehersteller oder Software. Schnittstellenproblematik nennen Fachleute das.

Das 3,7 Millionen Euro schwere Projekt FalkoNRW soll das nun ändern. Gerade erhielt die MedEcon Telemedizin GmbH aus Bochum den Förderbescheid für das Drei-Jahres-Vorhaben: Die Hälfte finanzieren das Land Nordrhein-Westfalen und die EU, den Rest die 16 Konsortialpartner.

Telemedizin hat gute Chancen - auch international

MedEcon Ruhr – ein Verein aus 140 Unternehmen der regionalen Gesundheitswirtschaft – und seine Telemedizintochter fangen nicht bei null an. Sie setzen auf dem Westdeutschen Teleradiologieverbund auf, den sie in der Region mit 230 Partnern etabliert haben.

In diesem Pilotprojekt haben sie die Schnittstellenprobleme bereits gelöst: Sie haben ein Verfahren entwickelt, das die Bilder in kleine, transportable Datenpakete zerlegt, sie signiert und per sicherer Datenleitung verschickt. Dann reicht ein Mausklick, schon setzen sich die Pakete wieder zusammen, und die Notärzte können die Bilder ihres Patienten sehen.

Erstaunliche Prognosen für die nächsten zehn Jahre
Virtual Reality wird die Realität verdrängenNoch sind Datenbrillen, die uns in eine 3-D-Welt transportieren, nicht perfekt, ihre Bilder pixelig. Doch bald schon sei die Technik gut genug, um sie täglich zu benutzen, sagt David Roberts von der Singularity University. Und dann mache sie Dinge möglich, die die Realität nicht bieten könne: Sich an beliebige Orte teleportieren, fliegen wie ein Vogel, sein Aussehen verändern. "Die Zukunft wird viel seltsamer", sagt Roberts, "als wie heute noch denken." Quelle: SingularityU Germany Summit/Sebastian Gabsch
Mobilität wird kostenlosIns selbstfahrende Auto steigen - und nichts für den Trip bezahlen: Das könne eines Tage vielleicht wahr werden, sagte Martin Hofmann, CIO bei Volkswagen. Der Grund: Solarstrom werde immer preiswerter, Tanken eines Tages spottbillig. Vielleicht verdienen Taxianbieter dann beispielsweise Geld mit Werbung, die auf Bildschirmen im Auto läuft. Quelle: SingularityU Germany Summit/Sebastian Gabsch
Fleisch kommt aus dem LaborFleisch herzustellen, sei heute eine unglaublich ineffiziente Angelegenheit, sagt der US-Ökonom Nicholas Haan. Die Tierhaltung verbrauche Unmengen an Wasser, Energie und produziere erhebliche Mengen an Klimagasen. Die Lösung komme aus dem Labor: Fleisch aus der Petrischale, im Labor gezüchtet. Ein Hamburger aus dem Kunstfleisch koste inzwischen nur noch 12 Dollar. Bald könne die Methode helfen, die weltweite Ressourcenverschwendung zu stoppen und den Hunger zu besiegen. Quelle: SingularityU Germany Summit/Sebastian Gabsch
10 Prozent aller Waren kommen aus dem 3-D-Drucker3-D-Druck werde die Art, wie wir Güter produzieren, schon bald massiv verändern, sagt Andre Wegner, CEO des US-Unternehmens Authentise. Zehn Prozent aller Waren würden im Jahr 2027 nicht in Fabriken  hergestellt, sondern vor Ort gedruckt - etwa Autoteile oder Werkzeuge. In fünf Jahren können man sich sogar Schuhe daheim drucken, so eine Vorhersage des Sportartikelherstellers Nike. Quelle: SingularityU Germany Summit/Sebastian Gabsch
Niemand kann mehr LügenIn fünf Jahren wird es unmöglich werden, jemanden anzulügen, prophezeit Salim Ismail, Exekutive Direktor der Singularity University. Denn dank künstlicher Intelligenz würden Computer immer besser darin, unsere Emotionen zu entschlüsseln. Apps könnten bald anhand unserer Sprache erkennen, wenn wir etwas vortäuschen. Quelle: SingularityU Germany Summit/Sebastian Gabsch
Wir wissen alles, was in der Welt passiertBald wissen wir über nahezu alles Bescheid, was in der Welt passiert, glaubt Singularity-University-Redner Salim Ismail. 500 Milliarden Geräte werden 2020 ans Internet angebunden sein und Daten über alles Erdenkliche zugänglich machen. Nebenbei vernetzen Ballons, Drohnen und Satelliten den gesamten Planeten und bringen mehrere Milliarden Menschen ins Netz, die heute noch offline sind. Quelle: SingularityU Germany Summit/Sebastian Gabsch
Gentests kosten so viel wie eine ToilettenspülungEin menschliches Genom zu entziffern, kostete im Jahr 2001 rund 100 Millionen Dollar. Inzwischen sind es nur noch 1000 Dollar. Und im Jahr 2022, sagt Singularity-University-Gründer Peter Diamandis (der Mann im Roboter), werde die Analyse des Erbguts eines Menschen nur noch ein paar Cents kosten - so viel wie eine Toilettenspülung, sagt Diamandis. Dann lassen sich Infektionen oder Krebs blitzschnell diagnostizieren - und maßgeschneiderte Therapien entwickeln. Quelle: SingularityU Germany Summit/Sebastian Gabsch

Nun will Marcus Kremers, Geschäftsführer der MedEcon Telemedizin, das Konzept über die Radiologie und das Ruhrgebiet hinaus ausdehnen: „Wir werden Herz-Kreislauf-Werte und möglichst alle behandlungsrelevanten Daten und Dokumente aufnehmen.“ Auch Reha-Zentren und Pflegereinrichtungen sollen angeschlossen werden – und all das bundesweit. Erste Brückenköpfe in Köln und auch in München existieren bereits, wo das Unternehmen gerade einige Kliniken untereinander vernetzt.

Für Heiner Vogelsang, den Telemedizinspezialisten der nicht am Projekt beteiligten Techniker Krankenkasse NRW, hat Falko das Zeug dazu, die medizinische Vernetzung sogar weltweit voranzubringen: „Obwohl das neue E-Health-Gesetz der Bundesregierung es nicht vorschreibt, will Falko alle internationalen Standards erfüllen.“ Damit könnten die beteiligten Unternehmen ihre Lösungen international viel besser vermarkten.

Schneller zur Zweitmeinung

Als Kassenvertreter sieht er Einsparpotenziale, vor allem aber große Vorteile für die Patienten. Die könnten mithilfe der übers Web verfügbaren Röntgenbilder und EKGs viel leichter und schneller Zweitmeinungen von Experten einholen: „Wenn Ärzte in einem kleinen Landkrankenhaus einen Schwerverletzen versorgen müssen, können sie bald unsere Weltklasseteams aus den Großkliniken zu Hilfe rufen.“

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