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Tinnitus Innovationen gegen das fiese Klingeln im Ohr

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Der Schalter gegen den Tinnitus

Ein interessanter Punkt: Eine Studie, in der die einzelnen Aspekte der Therapie getestet wurden, um herauszufinden, welcher am wirkungsvollsten ist, wurde frühzeitig abgebrochen. Der Grund: Die Effekte, die bei der ganzheitlichen Therapie zum Erfolg führten, waren bei der Anwendungen einzelner Therapieschritte einfach nicht da. „Die Patienten hatten nur bei allen Komponenten gemeinsam einen dauerhaften Verbesserungseffekt“, so Argstatter.

„Es wirkt als Gesamtpaket und so ist es sicherlich ein guter Ansatz“ sagt Hesse. Allerdings verspreche die Therapie zu viel und sei relativ teuer, gibt der Professor zu bedenken. Auch Mazurek weist darauf hin: „Es fehlen breit angelegte multizentrische Auswertungen, sodass einzelne Studien nicht in den Leitlinien als Therapieempfehlung berücksichtigt wurden.“

Im Bereich der Medizinprodukte gibt es viele derartige Angebote, die keine Empfehlung in den offiziellen Leitlinien der HNO-Experten bekommen. Die gehen noch in ganz andere Richtungen – so forschen Mediziner in Antwerpen an einem Gel und ein schwedisches Unternehmen hat ein Pflaster auf den Markt geworfen, dass durch Licht Heilung verspricht – wie es funktioniert versteht der Laie aber nicht. Scharlatanerie, nennt Hesse diese Entwicklungen, die vor allem dadurch hervorgerufen werden, dass es zum einen nicht die ultimativ richtige Behandlung gibt, zum anderen die Krankenkassen die meisten Leistungen über Cortison hinaus sowieso nicht zahlen und der Markt so große finanzielle Anreize bietet.

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Der Rat der Deutschen Tinnitus-Liga: „Wenn ein Produkt verspricht den Tinnitus vollständig wegzubekommen, ist Vorsicht geboten“, so Hesse. Ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem HNO-Arzt, Selbsthilfegruppen und Entspannungstherapie seien gute Ausgangspunkte.

Perspektivisch kann Tinnitus-Betroffenen abschließend nur durch eine Heilung im Innenohr geholfen werden – die Verwirklichung dieses Ziels liegt aber noch in weiter Ferne. „Das ist eine Frage, die man nur gentherapeutisch lösen kann, indem man die geschädigten Zellen über Gene wieder reaktiviert und davon ist die Forschung leider noch sehr, sehr weit entfernt“, so Hesse. „Diesen einen Schalter zu identifizieren, den man dann umlegen kann – das ist noch Zukunftsmusik“, sagt auch Mazurek.

Bis die Forschung wirkliche Innovationen zur Tinnitus-Heilung findet, dürften also noch viele Jahre ins Land gehen. Eines haben heutige Betroffene älteren Generationen aber voraus: Die Wissenschaft ist dem Ursprung des Tinnitus‘ näher als jemals zuvor und aktuelle Therapieansätze helfen zumindest sehr gut, den Leidensdruck der Betroffenen zu reduzieren, um das Leben auch mit Piepen im Ohr – leise oder laut – zumindest wieder lebenswerter zu machen.

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