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Tinnitus Innovationen gegen das fiese Klingeln im Ohr

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HNO-Experten skeptisch

Auf Grundlage dieser Studien entwickelte Nötzel erst seine Diplomarbeit und dann das Medizinprodukt. Schließlich gründete er dann Ende 2012 gemeinsam mit Diplom-Wirtschaftsinformatiker Matthias Lanz und Diplom-Kaufmann Jörg Land die Sonormed GmbH. Tinnitracks wurde zum ersten Produkt.

Die HNO-Experten sind allerdings sehr skeptisch: „Wenn man Musik hört, ist das grundsätzlich etwas sehr angenehmes, da sie entspannt und ein positives Erlebnis erzeugt – damit arbeitet auch die Musiktherapie“, sagt DTL-Sprecher Hesse. „Der Ansatz der Tinnitracks-App ist im Grunde gar nicht neu.“ Hesse forschte bereits in den Neunzigern selbst in dieser Richtung und machte vergleichbare Studien. „Bei meinen eigenen Erfahrungen war das Ergebnis eindeutig: Da war die Musik ohne Verfremdung im Ergebnis genauso hilfreich wie mit Verfremdung.

Deutschlands Lärmquellen in Dezibel

„Warum es mit einer andersartigen Verfremdung besser funktionieren soll – da fehlen einfach die Studien.“ Auch Mazurek sieht das kritisch – schließlich beziehe sich die Sonormed nur auf die Studien aus Münster ohne eigene Studien für ihr Produkt gemacht zu haben. „Ich würde da sehr zurückhaltend sein und auch warnen, denn durch die Stimulation in der Nähe des Ohrgeräuschs kann man dieses auch verstärken. Das muss einem klar sein“, sagt die Charité-Medizinerin. „Die Idee ist grundsätzlich in Ordnung und hörtherapeutische Ansätze zur Tinnitus-Linderung sind ein möglicher Weg, aber ob diese App das kann, dass muss erst noch belegt werden.“

Ebenfalls mit Musik aber in einer viel breiter angelegten Therapie wird in Heidelberg der Tinnitus bekämpft: Seit elf Jahren wird am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM) – dem Viktor Dulger Institut – die Behandlung von Tinnitus mittels Neuromusiktherapie erforscht.

Am größten musiktherapeutischen Forschungsinstitut Europas arbeiten Mediziner und Musiktherapeuten gemeinsam mit Psychologen und Musikwissenschaftlern an Konzepten der Musiktherapie und -medizin. Ihr Ziel: die Lebenssituation Tinnitus-kranker Menschen verbessern. Dazu gehört neben dem Forschungsinstitut die Tinnitusambulanz des DZM, in der seit 2004 rund 1000 Patienten mit chronischem Tinnitus behandelt wurden.

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