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Tinnitus Innovationen gegen das fiese Klingeln im Ohr

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Neuromusiktherapie als Rund-um-Angebot

„Musik und Tinnitus haben sehr viele Gemeinsamkeiten“, sagt Dr. Heike Argstatter, Vorstandsvorsitzende des DZM. „Vor allem bei der Verarbeitung im Gehirn. Wir gehen davon aus, dass der Tinnitus durch eine Veränderung bestimmter Hirnstrukturen ausgelöst wird und diese Veränderungen versuchen wir durch gezielten Einsatz von musikalischen Reizen rückgängig zu machen.“ Das heißt, Patienten sollen den Ton nach der Therapie nicht mehr wahrnehmen oder – wenn sie ihn noch immer hören – den Ton viel besser in ihre normale Hörumgebung integrieren können.

Im Gegensatz zu Tinnitracks, geht die DZM-Therapie über das reine Musikhören hinaus: „Wir gehen davon aus, dass die Veränderungen nicht alleine auf der hörbaren Seite sind, die den Tinnitus ausmachen, sondern dass eine psychologische Komponente eine gravierende Rolle spielt“, so Argstatter. „Wenn das nicht berücksichtigt wird, gehen wir davon aus, dass es durchaus Patienten gibt, denen eine reine Hörtherapie hilft, aber die Mehrzahl der Patienten – zumindest bei uns – haben nicht nur Hörprobleme, sondern auch andere Dinge die bearbeitet werden müssen.“

Beim Therapieansatz in Heidelberg werden zum einen aktive musikalische Übungen eingesetzt, um den Tinnitus bewusster kontrollieren zu können. So gehören Resonanzübungen zum Therapieprogramm. „Üblicherweise wird zur Behandlung von Tinnitus die Durchblutung angeregt. Das macht man häufig durch Medikamente, kann man aber viel besser über diese Resonanzübung erreichen“, so Argstatter. Dadurch würden Vibrationen im Kopf erzeugt, die ebenfalls die Durchblutung anregen.

Ein weiterer Aspekt dieser Therapie ist Entspannungsmusik, in die immer wieder der Tinnitus-Ton eingeblendet wird. „Die Patienten lernen quasi nur auf die angenehme Musik zu achten und eben diesen Störgeräuschen keine Aufmerksamkeit zu schenken – sie also aktiv herauszufiltern“, so Argstatter.

Entspannungsübungen und Techniken zur Stressbewältigung sowie Hörtrainings zur „Normalisierung“ der betroffenen Netzwerke im Gehirn gehören ebenso dazu. „Nach der Therapie hören die Patienten anders – das berichten sie ganz subjektiv in den Fragebögen“, sagt Argstatter. Demnach verspüren rund 80 Prozent eine deutliche Minderung der Tinnitus-Belastung und bei jedem zehnten sei der Tinnitus sogar komplett verschwunden. „Diese Veränderungen lassen sich auch direkt im Gehirn nachweisen“, so Argstatter. „Die Verbesserungen sind also nicht nur Einbildung oder subjektives Empfinden, sondern eine nachweisbare Tatsache.“

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