Tödliche Seuche MERS Vom Kamelschnupfen zum Menschen-Killer

Fakten zu MERS, dem Atemwegskeim, der sich vom Nahen Osten über die ganze Welt ausbreitet und aktuell in Südkorea schon zehn Todesopfer gefordert hat.

Mers Virus Kamel Quelle: dpa

Was ist MERS?

Der Atemwegskeim MERS ist ein Cornonavirus, das bei seinem eigentlichen Zielorganismus, dem Kamel, milde Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen und Fieber verursacht. Weil es vor allem junge Tiere befällt, nennt der Bonner Virologe und Coronaviren-Spezialist Christian Drosten es „Kindergartenschupfen der Kamele“.

Seit 2012 befällt das Virus vor allem im Nahen Osten aber auch immer wieder Menschen und löst das so genannte Middle East Respiratory Syndrome aus. Diese Erkrankung beginnt ebenfalls wie eine harmlose Erkältung, steigert sich aber rasch zu einer schweren Lungenentzündung, die für knapp 40 Prozent der Patienten tödlich endet.

MERS ist sehr nah verwandt mit dem SARS-Virus. Dieses Ende 2002 erstmals in China beobachtete Coronavirus verursacht beim Menschen das sogenannte schwere akute respiratorische Syndrom – ebenfalls eine schwere Lungenentzündung. Der bisher einzige große SARS-Ausbruch forderte 2002 und 2003 insgesamt knapp 1000 Todesopfer.

Die wichtigsten Fakten zum Mers-Virus

Wo kommt MERS vor?

Bisher machte MERS vor allem im Nahen Osten Probleme, denn der Erreger wird vor allem von jungen Kamelen als Tröpfcheninfektion über die Luft immer wieder auch auf den Menschen übertragen. Anschließend kommt es meist innerhalb der Familie oder in den Kliniken, wo die MERS-Patienten behandelt werden, zu Ansteckungen von Mensch zu Mensch.

Auf seiner Reise durch mehrere Golfstaaten muss sich auch ein 68-jähriger Mann mit MERS im April infiziert haben, bevor er am 4. Mai nach Südkorea zurück flog. Dort löste er eine regelrechte Epidemie aus: Mindestens 122 Menschen infizierten sich nach offiziellen Angaben dort inzwischen mit dem MERS-Erreger, zehn von ihnen starben.

Dass sich so viele Menschen an diesem einen Patienten ansteckten, könne vor nach Drostens Einschätzung vor allem daran liegen, dass es in südkoreanischen Krankenhäusern üblich ist, die Kranken durch ihre Verwandten betreuen zu lassen. Sie bleiben Tag und Nacht bei Ihnen. Tatsächlich haben sich alle MERS-Infizierten in Südkorea bisher in Krankenhäusern angesteckt.

Krankheits- und Todesfälle MERS zwischen März 2012 und Juni 2015

Was tut Südkorea und die Region?

Das Land verfolgt akribisch alle Kontaktpersonen der Infizierten und testet, ob sie das Virus in sich tragen. Falls ja, werden sie 14 Tage lang unter Quarantäne gestellt. Bisher sind das fast 3500 Menschen. Zudem hat Südkorea etwa 2500 Schulen geschlossen. Und die Zentralbank hat den Leitzins gesenkt, um wirtschaftliche Folgen abzufedern

In China ist die Sorge groß, dass MERS eingeschleppt werden könnte. Hongkong sprach bereits eine Reisewarnung für Südkorea aus.

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Droht eine weltweite Ausbreitung des Virus?

Der Erreger hat sich inzwischen bereits über die ganze Welt ausgebreitet: Die WHO hat seit 2012 1134 MERS-Fälle registriert, 427 Patienten starben. Auch in Deutschland trat MERS bereits dreimal auf, ein Patient überlebte die Seuche nicht. Die Gefahr eines weltweiten Seuchenzugs, einer sogenannten Pandemie, sieht der Bonner Coronaviren-Spezialist Drosten trotzdem nicht, Denn anders als damals bei SARS bricht die Infektionskette von Mensch zu Mensch meist nach sehr kurzer Zeit und zwei bis drei Infektionen wieder ab, wie er betont: „Der Sars-Erreger ist in China nur ein einziges Mal von einem Tier auf den Menschen übergesprungen, danach konnte er sich von Mensch zu Mensch verbreiten. Das sieht bei MERS ganz anders aus.“

Gibt es Medikamente gegen MERS?

Wie gegen die meisten Virus-Erkrankungen gibt es auch gegen MERS keine wirksamen Medikamente. Wenn die Patienten keine schweren Vorerkrankungen haben und rechtzeitig eine Klinik aufsuchen, können sie aber auf einer Intensivstation so lange beatmet werden, bis ihr Immunsystem mit den Erreger von alleine fertig wird und die Lungenentzündung wieder abklingt.

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