Ukraine-Krise Zivile russische Flieger bleiben an der Grenze zur Ukraine

Russische Fluglinien überfliegen weiter Grenzregion zur Ukraine. Quelle: Flightradar24

Transponder- und Satellitendaten zeigen: Russlands Fluglotsen haben die Verkehrsströme bislang nicht in sichere Entfernung von der möglichen Kriegsregion verlegt. Ein Hoffnungszeichen?

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Die Regierungen Deutschlands und der USA warnen davor, dass ein Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine unmittelbar bevorstehen könnte und fordern ihre Staatsbürger auf, das Land unverzüglich zu verlassen. Zumindest der zivile russische Luftverkehr an der Grenze zur Ukraine deutet momentan allerdings nicht darauf hin, dass ein kriegerischer Konflikt direkt zu erwarten ist. Das zeigen Aufzeichnungen des Flugpfadinformationsdienstes Flightradar24.

Die Daten wecken die Hoffnung, dass es sich bei dem massiven russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine doch nur um Drohgebärden des russischen Präsidenten Wladimir Putin handeln könnte. Russland soll in der Region inzwischen mehr als 100.000 Soldaten in Stellung gebracht haben.

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Aktuellen Satelliten- und Transponderdaten zufolge werden russische und internationale Maschinen zwischen Moskau und der Türkei sowie dem Nahen Osten weiterhin unmittelbar an der Grenzlinie vorbeigeleitet. Dass russische Fluglotsen die stark beflogene Strecke von der möglichen Konfliktlinie weg verlegen, ist also nicht zu erkennen. Das zeigt auch ein Vergleich mit Daten aus den vergangenen zwölf Monaten.

Am Dienstagvormittag führen russische Fluglotsen den Verkehr unverändert nah an der Grenze zur Ukraine entlang.

Der Verkehr zwischen Moskau und dem Nahen Osten wird schon seit längerem nicht mehr direkt durch die Ukraine geleitet. Am 17. Juli 2014 wurde bei Donezk in der Ostukraine der Malaysia-Airlines-Flug 17 vom Amsterdam nach Kuala Lumpur durch eine aus Russland stammende Flugabwehrrakete abgeschossen. Damals starben 298 Insassen, darunter 80 Kinder. Die meisten waren niederländische Staatsbürger. Nach dem Einmarsch Russlands auf die Halbinsel Krim war es auch in der Ostukraine zu Kämpfen gekommen.

Luftraum seit 2015 für russische Flieger gesperrt

Die Ukraine hat schon 2015 ihren Luftraum für russische Flugzeuge dauerhaft gesperrt. Seitdem fliegen nur noch ausländische Linien wie Turkish Airways beispielsweise auf direktem Weg von Istanbul nach Moskau. Ukrainische Maschinen dürfen im Gegenzug auch nicht mehr durch russischen Luftraum fliegen.

Nach den neuen Warnungen westlicher Regierungen vor einem möglichen Krieg ist allerdings in den Flugdaten eine Art Flucht aus der Ukraine erkennbar. So starteten am Montag mehr als ein Dutzend Privatjets vom Flughafen in Kiew zu ausländischen Zielen wie Nizza, Florenz, Hamburg, Istanbul und Wien. Am Sonntag waren es Flightradar24 zufolge sogar um die 20 Privatjets. Beide Zahlen sind mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren Tagen im Januar.

Am Sonntag hatte zudem die niederländische Linie KLM verkündet, bis auf weiteres Ziele in der Ukraine nicht mehr anzufliegen. Die Lufthansa will die Lage beobachten.

Eine amerikanische Global-Hawk-Drohne zieht über der Ukraine ihre Kreise.

Zu erkennen ist auf den Luftraumdaten auch, dass am Montag eine Global-Hawk-Drohne der US Air Force in der Ukraine großräumige Aufklärungseinsätze fliegt. Sie war von einem Stützpunkt in Sizilien gestartet.

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