Umweltproblem Ölfeld-Abwasser Schlimmer als eine Ölpest

Wenn irgendwo Öl ausläuft, hat jeder Bilder von toten Tieren und verschmierten Küsten vor Augen. Aber es gibt ein weiteres Problem bei der Öl- und Gasförderung: Die Verseuchung durch stark salzhaltiges Abwasser.

Neben austretendem Öl belasten auch die stark salzhaltigen Abwässer vieler Öl- und Gasfelder die Umwelt. Quelle: dpa

Carl Johnson und sein Sohn Justin züchten Vieh auf den Hochebenen von New Mexico in den USA. Zusammen gehen sie an diesem Tag langsam über einen rund 6000 Quadratmeter großen Flecken sandiger Erde, der zu ihrer Ranch gehört. Öde sieht es hier aus, leblos, nur etwas Unkraut hier und da.

Vor fünf Jahren flossen nach einem Rohrbruch bis zu 420.000 Gallonen (etwa 1,6 Millionen Liter) an Abwässern auf das Land, ein Nebenprodukt der Öl- und Gasförderung. Gras und Gebüsch wurden vernichtet.

Und es war nur einer von Dutzenden Salzwasser-Unfällen, die das Weideland der Johnsons beschädigt haben – und sie um ihr Grundwasser bangen lässt. „Wenn wir unser Wasser verlieren“, so Justin Johnson, „ist unsere Ranch ruiniert.“

Ihr Problem führt eine Nebenwirkung der Öl- und Gasproduktion vor Augen, die im Zuge des Bohrbooms der vergangenen Jahre immer gravierender geworden ist: Der Austritt von Abwässern, die Land verseuchen, Tiere töten und die Frischwasser-Versorgung bedrohen.

Diese Tiere sind vom Aussterben bedroht
Forscher der dänischen Universität Syddansk haben herausgefunden, dass derzeit weltweit 841 Spezies vom Aussterben bedroht sind. Die Studie, die in " Current Biology" veröffentlicht wurde, zeigt, dass ein Großteil dieser Arten geretttet werden könnte. Die Kosten dafür lägen bei 1,3 Milliarden Dollar pro Jahr, um den Lebensraum der Arten zu schützen beziehungsweise wieder aufzubauen. 15 der gelisteten 841 Arten haben jedoch auch dann keine großen Überlebenschancen, wenn man sofort damit aufhören würde, ihren Lebensraum zu zerstören. Dazu gehört unter anderem der Amsterdam Albatross (Diomedea amsterdamensis), der nur auf der Amsterdam-Insel im südlichen Indischen Ozean brütet. Bei einer Zählung im Jahr 2001 gab es nur noch 130 Tiere dieser Art. Foto: Vincent Legendere
Auch der Wilkinsammerfink (Nesospiza wilkinsi) kommt nur auf einer Inselgruppe vor, nämlich der Tristan da Cunha im südlichen Atlantischen Ozean. Dort findet man den Finken auf der Nightingale Island. Foto: Peter Ryan
Vom Tahiti Monarch (Pomarea nigra), der in französisch Polynesien beheimatet ist, leben noch gut 50 Exemplare. Der rund 15 Zentimeter große, schwarze Vogel lebt im Schirm des Marabaumes. Verschwinden die Bäume in seiner Heimat, verschwindet auch der Vogel. Weitere Vögel, die laut den Forschern schon sehr bald ausgestorben sein werden, sind die Ashlerche (Mirafra ashi) aus Somalia, der Madeira-Sturmvogel (Pterodroma madeira) aus Madeira und der Maskarenensturmvogel (Pseudobulweria aterrima) von der Insel La Réunion. Foto: Ron Hoff
Der Physalaemus soaresi oder Santa Cruz Zwergfrosch gehört wie auch der Campo Grande Baumfrosch (Hypsiboas dulcimer) zu den stark bedrohten Arten Brasiliens. Auch der Zorro Blasennestfrosch (Pseudophilautus zorro) aus Sri Lanka gehört zu den Fröschen, die es schon bald nicht mehr geben wird, weil ihr Lebsnraum verschwindet. Foto: Ivan Sazima
Mit ihnen verschwinden der brasilianische Frosch Perereca Bokermannohyla izecksohni (im Bild), eine türkische Salamandergattung namens Lyciasalamandra billae und den kolumbischen Frosch Allobates juanii. Doch auch Säugetiere stehen auf der Liste der 15 Arten, die es bald nicht mehr geben wird. Darunter ist eine Maus ( Lophuromys eisentrauti) aus Kamerun, eine mexikanische Rattengattung ( Tylomys bullaris) sowie nordamerikanische Flachland-Taschenratten ( Geomys tropicalis). Gerade Vögel, Amphibien und kleine Nager fallen der Urbanisierung zum Opfer. Kommen die Städte, müssen sie weichen. So manches große Tier steht dagegen auch wegen seinem Fell oder seiner Zähne auf der Liste der bedrohten Arten... Foto: Ivan Sazima
Für die vom Aussterben bedrohten Tiger in Indien gibt es eine neue tödliche Gefahr: Mehrere der Großkatzen wurden positiv auf das Staupevirus getestet. Das Virus tritt häufig bei Hunden auf, für andere Fleischfresser ist es nach Expertenangaben tödlich. Im vergangenen Jahr erlagen dem Virus im Norden und Osten Indiens mindestens vier Tiger und mehrere andere Tiere, wie Rajesh Gopal von der nationalen Tigerschutzbehörde sagt. Jeder tote Tiger werde nun auf das Virus getestet, sagt Gopal. Außerdem werde eine groß angelegte Impfkampagne für Hunde erwogen. „Wir können natürlich nicht jeden Hund impfen“, erklärt Gopal. „Aber schon 50 Prozent der Hunde in den Zonen um die Schutzgebiete würden helfen.“ Für Großkatzen gibt es keinen Impfstoff. In Indien lebt mehr als die Hälfte der weltweit schätzungsweise 3200 Tiger. Trotz Dutzender Schutzgebiete schwand ihre Zahl von etwa 5000 bis 7000 in den 90er Jahren, als ihr Lebensraum noch mehr als doppelt so groß war. Die Wilderei, getrieben von der Nachfrage nach Tigerteilen in der traditionellen chinesischen Medizin, stellt eine große Gefahr dar, ebenso wie die Abholzung von Wäldern und das Wachstum von Städten. Dadurch kommen die Großkatzen menschlichen Siedlungen immer näher und geraten in Konflikt mit Dorfbewohnern, die Angriffe auf sich selbst oder ihr Vieh fürchten. Einige Experten halten den Versuch, die Krankheit einzudämmen, angesichts des hohen Bevölkerungsdrucks für sinnlos. Stattdessen sollte sich das Land ihrer Ansicht nach auf bewiesene Gefahren für die Tiger wie die Wilderei konzentrieren. Quelle: dpa
Der World Wildlife Fond (WWF) hat seine Schätzungen, wie viele Tiger heute noch leben, dramatisch nach unten korrigieren müssen. Im Jahr 2000 ging der WWF noch von 5000 bis 6000 Raubkatzen in ganz Asien aus, mittlerweile leben nur noch etwa 3.200 der Großkatzen in freier Wildbahn. 70 Prozent aller Tiger leben in Zoos und Wildparks. Unterarten wie der der Java- oder der Bali-Tiger sind bereits ganz ausgestorben, weiße Tiger gibt es nur noch in Zoos. Gründe für das Verschwinden des Tigers sind neben Trophäenjagd und organisierte Wilderei der Raubbau am Lebensraum der Tiere: Ihr einstiges Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom Kaukasus über Indien und China bis nach Sibirien. Um 1900 gab es schätzungsweise noch 100.000 Tiger in ganz Asien. Mittlerweile haben die freilebenden Tiger noch rund 100.000 Quadratkilometer Lebensraum, wenn man alle Gebiete zusammenrechnet. Das entspricht der Fläche der Insel Neufundland vor der kanadischen Nordküste. Quelle: REUTERS
Der Weiße Hai ist in den Weltmeeren nach Ansicht von Meeresbiologen in Südafrika deutlich stärker bedroht als bisher gedacht. „Wir haben mit 532 weißen Haien vor der Küste Gansbaais nur halb so viel Haie entdeckt wie vermutet“, berichtete der US-Meeresbiologe Oliver Jewell. Dabei gelte dieser Küstenabschnitt nach Kapstadt als das Gewässer mit der dichtesten Population Weißer Haie in der Welt. Die Überfischung der Haie werde vor allem wegen der Bedeutung ihrer Flossen für die asiatische Küche verursacht, betonte der Wissenschaftler. Er ist einer der Autoren der jetzt vorgestellten Hai-Studie des „Dyer Island Conservation Trust“ (DICT) in Gansbaai. Die Wissenschaftler kommen aufgrund ihrer fünf Jahre währenden Studien zu dem Ergebnis, dass auch die Gesamtzahl der Weißen Haie weltweit nur halb so groß sein könnte wie vermutet. Bisher lagen die Schätzungen zwischen 3000 und 5000 Tieren. Weltweit werden der „Sharklife Conservation Group“ zufolge zwischen 23 und 73 Millionen Haie aller Arten getötet. Falls die Vermutungen stimmen, wäre der Weiße Haie einer der am meisten bedrohten Tierarten in der Welt, meinte Jewell. Quelle: dpa
Gerade in Asien gelten Haie als Delikatesse, was den Bestand der Meeresräuber stark gefährdet: Jedes Jahr werden bis zu 100 Millionen Haie gefangen, die als Haifischflossen-Suppe & Co enden. Ein beliebter Snack auf Costa Rica sind Chips aus Hai-Knorpel. Allein dafür werden monatlich mehr als 200.000 Haie getötet. Darüber hinaus enden auch Haie, besonders kleinere Arten, oft als Beifang in Fischernetzen. Quelle: dpa
Im September 2012 veröffentlichte der WWF eine Liste der 100 meistbedrohten Arten der Welt. Nashörner gibt es seit dem Tertiär, als 65 Millionen bis 2,6 Millionen Jahre vor Christus. Mittlerweile existieren nur noch sehr wenige Tiere, die wegen ihrer Hörner immer noch auf der Abschussliste von Wilderen stehen. Die übrig gebliebenen Gattungen sind das Breitmaul- und Spitzmaul-Nashorn, sowie die in Asien beheimateten Java-, Panzer- und Sumatra-Nashörner. Besonders die asiatischen Gattungen sind vom Aussterben bedroht. Quelle: dpa
Der rote Panda, Katzenbär oder Feuerfuchs ist in Asien beheimatet. Nur noch rund 6000 Tiere leben in freier Wildbahn. Die rund einen Meter großen Tiere sind wegen ihres Fells eine beliebte Beute von Jägern und Wilderern. Auch die Rodung von Wäldern in Indien, Nepal, Bhutan und Burma bedrohen den Fortbestand der Tiere. Quelle: dpa
Der große Panda ist noch seltener geworden. Nach Schätzungen des WWF gibt es nur noch rund 1600 Pandabären in freier Wildbahn. Quelle: AP
Auch den Großbären geht es nicht viel besser: Auf dem vergangenen Weltnaturschutzkongress listeten Experten Umweltverschmutzung, kleiner werdende Lebensräume und Klimawandel als Hauptgründe für die stetig geringer werdenden Eisbären-Bestände auf. Zwar gibt es derzeit weltweit noch 20.000 bis 25.000 Eisbären, die Weltnaturschutzunion IUCN befürchtet aber, dass sich dieser Bestand in den nächsten Jahren um mindestens 30 Prozent verringern wird. Quelle: dpa
Braunbären zählen neben Eisbären zu den größten Landraubtieren. Im Mittelalter waren Braunbären noch in ganz Europa verbreitet, in Deutschland galten sie bis 2006 als ausgestorben. Der erste Braunbär, der 2006 nach Deutschland zurückkehrte, fiel bayerischen Jägern zum Opfer. Quelle: dpa/dpaweb
Die Zahl der Meeresschildkröten ist schwer zu schätzen. Nur wenn die Weibchen zur Eiablage an Land kommen, können die Bestände annähernd erfasst werden. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich mehr als 250.000 Tiere ungewollt in Fischernetzen als sogenannter Beifang landen und sterben. Auch die zunehmende Meeresverschmutzung gefährdet das Überleben der Tiere. Eine verwandte Art, die Galapagos-Riesenschildkröte, ist 2012 von der Erdoberfläche verschwunden, als ihr letzter Vertreter, die Riesenschildkröte Lonesome George, gestorben ist. Quelle: dpa
Auch Wale und Delfine sind bedroht. Weltweit gibt es 86 Walarten, die trotz der seit 1986 bestehenden Fangverbote weiter bejagt werden. Von 1986 bis 2009 wurden etwa 33.500 der großen Meeressäuger getötet. Die Verschmutzung der Meere und der Klimawandel bedrohen die Tiere zusätzlich. Kleine Walarten bis zum Delfin erleiden außerdem oft das gleiche Schicksal wie die Meeresschildkröten: Sie geraten in Fangnetze und sterben dort. Quelle: AP
Auch gegen die Jagd auf Robben gibt es Gesetze, die jedoch nicht zwangsläufig eingehalten werden. Hierzulande verbietet ein EU-Gesetz von 2009 den Handel mit Robbenfellen und -fleisch. Erst im April 2013 wiesen europäische Richter eine Klage der kanadischen Volksgruppe Inuit sowie mehrerer Händler von Robbenprodukten ab. Dennoch verschwinden die Tiere von der Erdoberfläche: Jagd, Umweltverschmutzung und Klimawandel reduzierten beispielsweise den Bestand der Mittelmeer-Mönchsrobbe auf 250 bis 500 Exemplare weltweit. Sie gehört zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Robbenarten. Quelle: dpa
Weltweit gibt es weniger als 200.000 Wölfe in freier Wildbahn. In Deutschland stehen die Tiere auf der roten Liste - sie gelten hierzulande als vom Aussterben bedroht. Seit 1850 existieren in Deutschland keine Wölfe mehr, erst im Jahr 2000 siedelte sich wieder ein kleines Rudel in Ostdeutschland an. Mittlerweile wird der Bestand der Tiere in Deutschland auf rund 100 Tiere geschätzt, die hauptsächlich in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt vorkommen. Quelle: dpa
Die größte Bedrohung für Elefanten - sowohl in Afrika als auch in Asien - sind immer noch Wilderer. Wegen der hohen Nachfrage nach Elfenbein fallen in Afrika immer wieder Elefanten Wilderern zum Opfer. Selbst in Nationalparks werden die Riesen bejagt. So sind erst vor ein paar Tagen zwei Angestellte einer Organisation zum Schutz von Elefanten in Kenia des Elfenbeinschmuggels beschuldigt worden. Die Amboseli-Stiftung für Elefanten bestätigte die Vorwürfe gegen ihre beiden Mitarbeiter, die mit sechs Elefantenstoßzähnen festgenommen worden waren. Trotzdem gelten die asiatischen Elefanten als wesentlich stärker gefährdet als ihre afrikanischen Cousins. Während es in Afrika noch 470.000 bis 690.000 freilebende Elefanten gibt, leben in Asien nur noch zwischen 25.600 und 32.750 Tiere. Quelle: dpa
Auch die Menschenaffen - Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans - stehen auf der Liste der bedrohten Arten. Weltweit gibt es noch rund 6000 Gorillas. Neben Wilderern bedrohen Infrastrukturprojekte und damit einhergehende Rodungen den Bestand der Tiere. Nach Schätzungen des WWF werden bis zum Jahr 2030 über 90 Prozent des heute noch vorhandenen Gorilla-Lebensraums zerstört sein. Quelle: AP

Eine Analyse von Daten aus bei der Öl- und Gasproduktion führenden US-Bundesstaaten durch die Nachrichtenagentur Associated Press hat ergeben, dass zwischen 2009 und 2014 mehr als 175 Millionen Gallonen an Abwässern ausgeflossen sind. Dahinter steckten zumeist Vorfälle wie Rohrbrüche oder überlaufende Lagertanks, aber manchmal wurde die Lake auch absichtlich abgelassen.

Öl wird irgendwann von Mikroben zersetzt, Salzlake nicht

Die AP wertete Daten aus Texas, North Dakota, Kalifornien, Alaska, Colorado, New Mexiko, Oklahoma, Wyoming, Kansas, Utah und Montana aus – Staaten, deren Ölproduktion 90 Prozent der gesamten Förderung auf dem US-Festland ausmacht. Den Unterlagen zufolge gab es in dem genannten Zeitraum insgesamt etwa 21.650 solcher Vorfälle, wobei die Tendenz im Laufe der Jahre steigend war. Die Zahl ist aber unvollständig, weil viele solcher Vorfälle nicht gemeldet werden.

Normalerweise erregt eine Ölpest in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit, doch das Ausfließen von Ölfeld-Abwässern kann erheblich größere Schäden anrichten. Ausgetretenes Öl wird irgendwann von Mikroben zersetzt, Salzlake nicht.

Wird nicht gründlich gereinigt, trocknet mit Salz durchsetzter Boden aus. Bäume sterben, Pflanzen können keine Wurzeln schlagen. „Ölspills mögen schlimm aussehen“, sagt Kerry Sublette von der Universität Tulsa. „Aber wir wissen, wie wir danach reinigen können. Salzwasser-Spills sind viel schwieriger.“

Neben dem hohen Salzgehalt gibt es in den Flüssigkeiten oft Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen. Manche Rancher haben nach eigenen Angaben Vieh verloren, das verseuchtes Gras gefressen oder das Wasser aufgeleckt hat. „Sie verlieren stark an Gewicht. Manchmal bleibt nichts anderes übrig, als sie zu erschießen“, sagt Melvin Reed aus Shidler in Oklahoma.

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