Ungewöhnlicher Unterricht in China Astronautin fasziniert Millionen Kinder mit Experimenten im All

China feiert seine Astronauten als Helden. Per Liveschalte gab nun eine Astronautin eine Physiklektion aus dem Weltall und faszinierte Millionen Schüler im Land mit schwebenden Wassertropfen.

Chinesin gibt Unterricht aus dem All
Mehr als 60 Millionen Schüler und Lehrer in China haben am Donnerstag Physikunterricht aus dem All erhalten. Astronautin Wang Yaping führte an Bord des Raummoduls "Tiangong 1" kleine Experimente durch. Quelle: AP
So ließ sie etwa einen Wassertropfen schweben. Die glänzende, perfekte Kugel spiegelt ihr Gesicht auf dem Kopf wider. Quelle: AP
„Hallo zusammen, ich bin Wang Yaping und halte heute den Unterricht“ - mit diesen Worten begrüßte die Astronautin die Kinder, die ihr auch Fragen stellen durften. Aus etwa 340 Kilometern Höhe wurden ihre Experimente per Video in die Klassenzimmer auf der Erde übertragen. Quelle: AP
Hier lässt sie einen Kreisel in der Schwerelosigkeit treiben. Quelle: AP
Konzentriert betrachten Kinder die Übertragung auf kleinen Bildschirmen. Mit seinem Augenzwinkern sagt die Kosmonautin: „Ich sage euch noch ein besonderes Phänomen: Wir können hier 16 Mal am Tag den Sonnenaufgang sehen, weil wir die Erde alle 90 Minuten umkreisen.“ Quelle: REUTERS
In blauen Raumanzügen mit der großen chinesischen Flagge auf der Brust winkt Besatzung in die Kamera. Die 33-jährige Wang kam 1997 als Rekrutin zur Volksbefreiungsarmee. Dabei gelangte sie schnell zum Fliegen: Als Pilotin steuerte sie Transportflugzeuge. Heute hat sie den Rang einer Majorin und ist Mitglied in der Kommunistischen Partei. Vor drei Jahren begann ihre Karriere in Chinas Raumfahrtprogramm. Im April dieses Jahres wurde Wang für die Mission ausgesucht. Vor ihr gab es erst eine chinesische Astronautin, Liu Yang. Sie flog mit dem Raumschiff „Shenzhou 9“ im Juni 2012. Quelle: AP

Mit kleinen Experimenten hat die chinesische Astronautin Wang Yaping am Donnerstag Millionen Schüler in China vor den Fernsehern gefesselt. Ihre Lektionen wurden per Video aus dem Raummodul „Tiangong 1“ zur Erde übertragen. In der Mini-Raumstation ließ die 33-Jährige kleine Wassertropfen durch den schwerelosen Raum schweben, zeigte, wie ein Pendel bewegungslos in der Luft stehen blieb, und bewegte ihre männlichen Kollegen ohne Anstrengung durch die Schwerelosigkeit.

Mehr als 60 Millionen Schüler und Lehrer verfolgten die Schulstunde aus dem All vor den Fernsehern, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. An etwa 80.000 Schulen im Land wurden die Lektionen von Wang Yaping übertragen. Einige Schüler durften der Astronautin direkt Fragen stellen. „Können sie denn aus dem Fenster auch Müll im Weltall sehen?“, wollte eine Schülerin wissen. „Noch haben wir keinen gesehen, aber Müll ist im All ein großes Problem“, erklärte Wang Yaping.

Schrottplatz Weltraum
Die Computersimulation der Europäischen Weltraumorganisation ESA zeigt auffindbare Objekte in der Erdumlaufbahn. Rund 6000 Tonnen Weltraummüll kreisen schon heute auf erdnahen Bahnen um unseren Planeten - und jedes Jahr kommen einige Dutzend Tonnen dazu. Quelle: dpa
Spektakuläre Trümmerteile wie dieser Tank einer amerikanischen Delta 2-Rakete, der 1987 in Texas niederging ... Quelle: NASA
... oder dieses Bruchstück eines Raketenstufe, das 2001 in Saudi Arabien einschlug, verdeutlichen einen Aspekt des Problems: Pro Jahr stürzen mehrere zehn Tonnen Weltraumschrott zur Erde zurück. Zwar verglüht das meiste davon in der Atmosphäre, besonders große Trümmerstücke können jedoch bis zur Erdoberfläche durchkommen. Quelle: NASA
Die US-Amerikanerin Lottie Williams ist der bislang einzige Mensch, der von einem Stück Weltraumschrott getroffen wurde. Bei dem Zwischenfall im Jahr 1997 hatte sie großes Glück: Das Bruchstück einer Delta 2-Rakete der US Air Force traf ihre Schulter, verletzte sie aber nicht. Quelle: NASA
Ungleich größer sind die Gefahren, die von Weltraumschrott für Objekte im erdnahen Orbit ausgehen. Dieses bei Reparaturarbeiten ausgetauschte Teil des Hubble-Weltraumteleskops weist zahlreiche Einschlagspuren auf. Quelle: NASA
Auch die Antennenschüssel des Weltraumteleskops wurde durch Weltraumschrott in Mitleidenschaft gezogen. Quelle: NASA
Solche Trümmerteile aus Aluminiumoxid entstehen beim Einsatz von Feststoffraketen, wie sie etwa beim Start eines Spaceshuttles zum Einsatz kamen. Im All entwickeln sie sich zu Geschossen mit enormer Durchschlagskraft. Quelle: NASA
Welche Wucht auch solch kleine Trümmerteile entfalten können, zeigt dieser glatte Durchschuss am Solarflügel eines Nasa-Satelliten. Quelle: NASA
Einschlagspuren an der Scheibe eines US-Spaceshuttles. Solche Schäden sind keine Seltenheit: In den 30 Jahren, in denen die Shuttle-Flotte aktiv war (1981-2011) ... Quelle: NASA
... mussten Nasa-Techniker mehrere Dutzend Scheiben ersetzen. Experten warnen davor, dass in naher Zukunft keine sichere Raumfahrt mehr möglich sein wird, wenn das Problem Weltraumschrott nicht umfassend gelöst wird. Einen Hintergrundbericht zum Thema finden Sie hier. Quelle: NASA

Mit ruhiger Stimme beantwortete Wang nacheinander alle Frage. Immer wieder schaute sie etwas schüchtern zu ihren beiden männlichen Kollegen. „Aus dem Frontfenster können wir die Erde und die Sterne sehen. Aber wir haben keine Ufos gesehen“, sagte sie mit einem breiten Grinsen in die Kamera.

Mit Wang ist zum zweiten Mal eine chinesische Astronautin an Bord eines Raumschiffes. Sie und ihre beiden Kollegen Zhang Xiaoguang und Nie Haisheng sollen 15 Tage unterwegs sein, der längste Flug der jungen Raumfahrernation China. Das Raummodul „Tiangong 1“ kreist seit 2011 um die Erde. Die Astronauten werden etwa zwölf Tage in dem „Himmelspalast“ wohnen. Die Experimente auf dem fünften bemannten Raumflug Chinas sind wichtige Voraussetzungen für den Bau einer eigenen chinesischen Raumstation, der bis 2020 geplant ist.

Die Schüler waren begeistert von dem Programm. Er habe schon so viel über den Weltraum gehört, sagte Luo Jiangyuan der Agentur Xinhua. „Aber im Unterricht konnte ich heute sehen, was wirklich alles passiert. Das war total aufregend.“ Die Experimente seien faszinierend gewesen, meinte auch der zehn Jahre alte Qian Jianghao. „Die sind auf der Erde unmöglich. Das war wunderbar.“

Die schönsten Bilder unserer Erde
Dieses Bild des NASA-Zentrums für Klimaforschung zeigt die Bewegung globaler Aerosole, also von Gas- und Schwebeteilchen, die eine wichtige Rolle für das Wetter spielen. Sie regen beispielsweise die Wolkenbildung an oder bilden Eiskristalle. Die roten Schwaden auf dem Bild stellen hierbei Nebel dar, blaue Schwaden sind Meersalz, Rauch ist grün dargestellt und Schwefel, beispielsweise aus Vulkanen, weiß. Quelle: Screenshot
Die Erde bei Nacht - ein traumhafter Anblick.
Die Dünen der Wüste wirken auf dem Nasa-Bild wie sanfte Wellen. Quelle: Screenshot
Diese rundum-Aufnahme der Erde zeigt den Salzgehalt der Meere und die Veränderungen dieses Gehalts durch Süßwasserströme. Quelle: Screenshot
Die Strömungen und Wirbel vor der amerikanischen Küste, zeigt diese Aufnahme. Quelle: Screenshot
Auf dieser Aufnahme sind Luftströmungen schematisch dargestellt. Quelle: Screenshot
Auf dieser Aufnahme ist zu sehen, wo und in welchem Ausmaß die Pole abschmelzen. Quelle: Screenshot
Eine geschlossene Eisdecke gibt es nur noch an wenigen Orten. Quelle: Screenshot
Auch in Detailaufnahmen lässt sich die Gletscherschmelze beobachten. Quelle: Screenshot
Das Bild zeigt die Wolkenbildung über dem Meer. Weitere atemberaubende Aufnahmen der Nasa finden Sie hier. Quelle: Screenshot

China betreibt ein ambitioniertes Raumprogramm. In diesem Jahr will das Land eine Sonde auf dem Mond landen. Zudem baut China derzeit ein eigenes Satellitennetz für ein unabhängiges, weltumspannendes Navigationssystem auf.

Eigentlich sollte die US-Amerikanerin Christa McAuliffe 1986 die erste Unterrichtsstunde aus dem All geben. Aber nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre „Challenger“ am 28. Januar 1986 und stürzt in den Atlantik. Lehrerin McAuliffe und die anderen sechs Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Unglücksursache war eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

Zuletzt hatte der kanadische Astronaut Chris Hadfield für Aufsehen gesorgt, als er von der Internationalen Raumstation ISS aus einen Song zur Erde schickte. Mit seiner Interpretation des David-Bowie-Hits „Space Oddity“ sorgte er für Begeisterung - auch bei Bowie selbst: "Das ist die ergreifendste Version", sagte der 66-jährige Engländer.

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