Valley Talk

Bedrohter Wohlstand: Die westliche Welt fällt zurück

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Der Westen fällt bei den Forschungsausgaben zurück. Und China weiß diese Schwäche geschickt zu nutzen.

Welche Unternehmen in Europa am meisten forschen
Platz 10 - EADS - 3,63 Milliarden Euro Forschungsausgaben im Jahr 2012Der europäische Rüstungsriese soll bald den Namen seiner zivilen Luftfahrttochter Airbus annehmen. In Sachen Forschung und Entwicklung ist das Unternehmen vorne mit dabei. Die treibstoffsparende Airbus A350 XWB Ende 2014 auf den Markt kommen und zum Verkaufsschlager werden. Quelle: EU-Kommission Quelle: dpa
Platz 9 - Ericsson - 3,86 Milliarden Euro ForschungsausgabenDie Handyproduktion liegt mittlerweile komplett in der Hand von Sony, doch als Netzwerkausrüster ist der schwedische Konzern noch aktiv. Ericsson-Chef Hans Vestberg investiert dafür massiv in die Zukunft. Quelle: dpa
Platz 8 - BMW - 3,95 Milliarden Euro ForschungsausgabenDer deutsche Premiumautohersteller hat massiv in die Entwicklung des Elektroautos i3 investiert und will die Submarke um weitere Modelle erweitern. Die Forschungsausgaben sind damit europaweit in der Spitzengruppe. Quelle: REUTERS
Platz 7 - Nokia - 4,17 Milliarden Euro ForschungsausgabenDen Trend zum Smartphone haben die Finnen verschlafen. Mit massiven Investitionen in der Entwicklungsabteilung will Nokia-Chef Stephen Elop die Nutzer zurückgewinnen. Quelle: REUTERS
Platz 6 - GlaxoSmithKline - 4,23 Milliarden Euro ForschungsausgabenIn der Londoner Zentrale des Pharmariesen, zu dem auch Corega und Odol gehört wird kräftig geforscht. Nur ein Pharmakonzern in Europa gibt mehr Geld für die Entwicklung aus. Quelle: REUTERS
Platz 5 - Siemens - 4,57 Milliarden Euro ForschungsausgabenDer neue Chef Joe Kaeser will den Industrieriesen aus München wieder zurück auf die Erfolgsspur führen - und verfügt dafür über einen der größten Forschungsetats Europas. Quelle: dpa
Platz 4 - Sanofi - 4,91 Milliarden Euro ForschungsausgabenDer forschungsstärkste Pharmakonzern Europas kommt aus Frankreich und ist seinen Beinamen Aventis mittlerweile wieder los. Weltweit beschäftigt das Unternehmen über 100.000 Mitarbeiter. Quelle: dpa
Platz 3 - Robert Bosch - 4,92 Milliarden Euro ForschungsausgabenBronze geht nach Gerlingen. Das Unternehmen, das den Namen eines der größten deutschen Industriellen trägt, gehört bis heute zu den fleißigsten Forschern des Kontinents. Quelle: dapd
Platz 2 - Daimler - 5,64 Milliarden Euro ForschungsausgabenDieses Jahr feierte die neue Mercedes S-Klasse ihre Premiere. Intern forscht das Unternehmen weiter nach alternativen Antrieben und Sicherheitssystemen. Nur ein Konzern investiert mehr in Innovationen. Quelle: dpa
Platz 1 - Volkswagen - 9,52 Milliarden Euro ForschungsausgabenDie Wolfsburger sind die Europameister der Entwicklung. Kein Konzern gibt europaweit mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus. Insbesondere in der Hybridtechnologie plant der Konzern in den nächsten Jahren eine Offensive. Quelle: dpa

Der Reichtum der westlichen Nationen basiert heute zu großen Teilen auf massiven Investitionen in Forschung und Entwicklung aus der Vergangenheit. Das Silicon Valley ist das beste Beispiel, wie Ideen sich in Produkte umsetzen lassen – die dann zur Grundlage erfolgreicher Unternehmen werden.

Das trifft auf Hewlett-Packard, Intel, Apple ebenso zu wie auf Sun Microsystems, Netscape oder Google. Sie alle schufen neue Branchen oder wälzten alte um – und legten dabei die Grundlage für den Aufstieg von Schwellenländern wie etwa China, das heute fast alle Computerprodukte herstellt.

Doch die westliche Welt fällt zurück. Laut einer Studie des Battelle Memorial Institute, einer gemeinnützigen amerikanischen Organisation für Auftragsforschung, hat Asien Nordamerika und Europa bei den Forschungsausgaben überholt. 2013 investierten Staat und Unternehmen in Nordamerika 479 Milliarden Dollar. In Asien waren es 555 Milliarden Dollar. Europa hinkte mit 364 Milliarden Dollar hinterher. Den größten Anteil steuerte Deutschland mit 92 Milliarden Dollar bei, das damit weltweit auf dem vierten Rang liegt.

Die gute Nachricht lautet zwar: Die Forschungsausgaben in Summe steigen weltweit. Doch während die Investitionen in Forschung und Entwicklung in Asien weiter stark wachsen, steigen sie in Nordamerika nur noch bescheiden und stagnieren in Europa sogar. Vergangenes Jahr lagen die USA mit 450 Milliarden Dollar auf Platz eins. Doch China, die Nummer zwei, rückt mit 258 Milliarden Dollar näher. Und in der Realität ist der Abstand noch viel geringer, als es diese Zahlen glauben machen.

Denn China setzt seinen Staatskapitalismus strategisch ein und profitiert so zusätzlich von den Forschungsausgaben des Westen. Etwa wenn es hoch innovative (teils von Steuergeldern gepäppelte) Technologieführer, deren westlichen Geldgebern Kapital oder Mut zum Weitermachen fehlen, von chinesischen Konzernen aufkaufen lässt. So kam der chinesische Energiekonzern Hanergy Holding billig an den kalifornischen Solarzellenpionier Miasolé. Der Autozulieferer Wanxiang sicherte sich nicht nur aus der Konkursmasse des US-Batteriespezialisten A123 Systems wertvolles Know-how, sondern erwarb auch dessen ebenfalls insolventen Ex-Kunden Fisker, einen Hersteller von E-Autos.

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