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Veganismus im Profisport Worauf vegane Sportler achten müssen

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Vor allem gewichtsbewusste Sportler ernähren sich vegan

Viele Sportler erzählen, dass sie sich durch ihre vegane Lebensweise besser fühlen. Ob der Verzicht auf tierische Produkte zu positiven Gesundheitseffekten führt – dazu stehen die Ergebnisse verschiedener Studien noch aus, weiß Ingo Froböse, Professor an der Kölner Sporthochschule. „Grundsätzlich ist es möglich, Leistungssport zu machen und Veganer zu sein.“ Der Experte rät allen, die mit dem Gedanken spielen, auf tierische Produkte zu verzichten, sich insbesondere in der Anfangsphase in regelmäßigem Abstand von drei Monaten ärztlich untersuchen zu lassen. Er begrüßt den Trend der veganen Ernährung, "solange er auch außerhalb des Tellers stattfindet" – und die Veganer etwa konsequenterweise auch auf Lederwaren verzichten.

Er beobachtet, dass im Marathon- und Triathlon-Bereich der Veganismus deutlich zugenommen hat. „Vor allem die Leistungssportler, die extrem auf ihr Gewicht achten, zeigen eine hohe Affinität für den Verzicht tierischer Produkte.“ Froböse sieht diese Entwicklung allerdings kritisch. Viele Sportler streichen einfach Lebensmittel von ihrem Ernährungsplan und verlieren dadurch an Gewicht, um schneller und damit leistungsfähiger zu sein. „Das ist eine unschöne Entwicklung“, meint Froböse.

Begünstigt werde die Gewichtsabnahme noch dadurch, dass es in der Winterzeit sehr mühsam ist, die Nährstoffe über Alternativen aufzunehmen – da es schwierig ist, frisches und qualitativ hochwertiges Gemüse in den Supermärkten zu bekommen. „Tomaten sind beispielsweise im Winter oft sehr wässrig, weil sie importiert werden.“ Vegane Sportler müssen sich noch intensiver mit ihrer Ernährung auseinandersetzen – die Ernährung dominiert dann schnell den gesamten Alltag. Deshalb kennt Froböse auch viele Sportler, die nach einem halben Jahr die vegane Ernährung wieder aufgegeben haben.

Pflanzliche Nährstoffquellen

Auch der österreichische Ultramarathonläufer Demeter Dick kehrte nach acht Monaten Verzicht auf tierische Produkte dem Veganismus den Rücken. Die Erfolge des Marathonläufers Scott Jureck hatten ihn beeindruckt und zur veganen Ernährung bewogen. In seiner Autobiografie „Eat and Run“ beschreibt Jureck seine Wandlung hin zum erfolgreichen Ultraläufer und Veganer und hat damit einen Trend gesetzt. Demeter Dick war immerhin schon Vegetarier, aber gleichzeitig auch ein „brutaler Milchtrinker“, erzählt er. In Trainingsspitzenzeiten trank er bis zu vier Liter am Tag – der vegane Lebensstil war für ihn also eine Herausforderung. Eine Alternative zur Milch musste her.

Aus Mandeln, Sojabohnen und Reis stellte Dick seinen eigenen Milchersatz her. Ein kostspieliges und zeitaufwendiges Unterfangen, wie er schnell feststellen musste. „Die Getränke sind teurer als die Flüssigkeit in Druckerpatronen“, meint er.

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Weil er aber Soja-Produkte nicht verträgt, gab Dick seine vegane Lebensweise nach acht Monaten wieder auf – traurig ist er darüber nicht: „Es kostet einiges an Zeit, Geld und Bereitschaft, sich täglich und abwechslungsreich vegan zu ernähren. Mir hat diesbezüglich auch die Leidenschaft, meine Zeit in die Küche zu investieren, gefehlt.“

Das Einzige, was ihm von seiner Ernährungsumstellung geblieben ist, ist die Vorliebe für Quinoa - und die Erkenntnis, dass er sich besser fühlt, wenn er mehr Zeit in seine Ernährung investiert. „Das geht aber auch als Mischköstler oder Vegetarier“, ist der Marathonläufer überzeugt.

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