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Verwirrende Studien-Vielfalt Warum Ernährungstipps nicht zu trauen ist

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Kinder werden immer dicker

Werden wir wirklich immer fetter?

Ja, denn seit den Neunzigerjahren hat sich in Deutschland die Zahl der übergewichtigen Kinder auf inzwischen 15 Prozent verdoppelt. Auch der Anteil der fettleibigen Kinder stieg hierzulande von drei auf sechs Prozent. Bei den Erwachsenen liegt der Anteil der Dicken inzwischen sogar bei 30 Prozent. Von Kritikern der landläufigen Wahrnehmung wird allerdings gerne darauf verwiesen, dass auf der anderen Seite zehn Prozent der deutschen Kinder untergewichtig seien – und dass sich um dieses scheinbare Problem keiner Sorgen mache. Diese Darstellung beruht allerdings auf einem Denkfehler.

Foodwatch prangert Kindermarketing für Lebensmittel an
Foodwatch: Kindermarketing für Lebensmittel Quelle: Foodwatch
Mondelez Quelle: Foodwatch
ferrero Quelle: Foodwatch
Intersnack Quelle: Foodwatch
Coca-Cola Quelle: Foodwatch
Pepsico Quelle: Foodwatch
Danone Quelle: Foodwatch

Denn seit das Gewicht von Kindern systematisch erfasst wird, gelten per Definition die leichtesten zehn Prozent als untergewichtig. Dieser Wert wurde in den Neunzigerjahren ebenso festgelegt wie die Definition, dass die schwersten drei Prozent der damals vermessenen Kinder als fettleibig – im Fachjargon adipös – gelten. Auf der Grundlage dieser Definition hat sich die Verteilung des Gewichts von Kindern heute allerdings deutlich in Richtung Schwergewichte verschoben, wie eine Umfassende Erhebung des für den bundesdeutschen Seuchenschutz zuständigen Robert Koch-Instituts in Berlin dokumentiert

Welchen Einfluss hat die Werbung?

Vertreter der Lebensmittelindustrie argumentieren, ein Zusammenhang zwischen der Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel und dem steigende Anteil von dicken Kinder sei nicht bewiesen. Wo es schon schwierig ist, die Auswirkung einzelner Nahrungsmittel auf das Körpergewicht zu belegen, dürfte es tatsächlich fast unmöglich sein, den Einfluss von Werbebotschaften zu beweisen. Wer sich allerdings nur eine einzige Stunde lang zur besten Kindersendezeit vor den Fernseher setzt, der bekommt schon vom Anschauen der andauernden TV-Spots für Kinder-Süß- und Naschkram einen klebrigen Mund. Zwar verweisen Konzerne wie Unilever darauf, dass ihr Kindereis seit Jahren pro Verzehrgröße nicht mehr als 110 Kilokalorien habe. Die WHO würde die Werbung für Kindereis jedoch am liebsten ganz verbieten.

So essen die Deutschen am liebsten
FleischDie Deutschen lieben Fleisch. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesagrarministers Christian Schmidt (CSU) kommen bei vier von fünf Deutschen (83 Prozent) Fleisch und Wurst mehrmals in der Woche auf den Tisch. Quelle: AP
GeschlechtsunterschiedeBesonders Männer und Bürger aus den neuen Bundesländern bestehen auf ihr tägliches Schinkenbrötchen und ihr Schnitzel. Insgesamt ernähren sich Frauen gesünder als Männer. Schmidt sprach insgesamt von einem „eigentlich ziemlich guten Befund“. Gemeinsam mit Forsa-Chef Manfred Güllner bescheinigte der Minister den Deutschen bei ihrem Ess- und Konsumverhalten die Note 2 bis 3. Das Klassenziel sei erreicht, einige Werte müssten aber noch verbessert werden. Quelle: Fotolia
PastaLaut dem Ernährungsreport 2016 ist das Lieblingsgericht der Deutschen aber nicht Wurst oder Steak, sondern Pasta. Die dann vermutlich mit Hackfleischsauce. 35 Prozent nennen Spaghetti, Spätzle & Co als Lieblingsgericht. Quelle: AP
LieblingsessenWeitere Lieblingsgerichte nach Nudeln sind Gemüse- und Kartoffelgerichte (18 Prozent) sowie Fischgerichte (16). Salat bezeichneten 15 Prozent als ihre Leibspeise, das Schnitzel nannten nur elf Prozent. Quelle: dpa
Vegetarier und VeganerNur drei Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Fleisch und Wurst. Nur sechs Prozent der Frauen und lediglich ein Prozent der Männer geben an, nie Fleisch oder Wurst zu essen, wie aus von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegten „Ernährungsreport 2016“ hervorgeht. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Bio-LebensmittelIm Trend liegen eine artgerechte Tierhaltung sowie Regionales: Fast alle Befragten wären bereit, für Fleisch aus tiergerechter Haltung mehr zu zahlen. 86 Prozent der Verbraucher sind für ein besseres Einkommen der Landwirte. Etwas mehr als drei Viertel legen zudem Wert darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Quelle: dpa
EinkaufenTrotz steigenden Angebots nutzt laut der Umfrage bisher kaum jemand (durchschnittlich weniger als 1 Prozent) die Möglichkeit, Lebensmittel im Internet zu bestellen und sich diese nach Hause liefern zu lassen. Aber jeder Fünfte nutzt das Smartphone und „googelt“ beim Einkauf. Trotzdem fühle sich aber auch fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) weniger gut bis schlecht informiert über die Lebensmittel, die sie kaufen. Quelle: dpa

Mathilde Kersting, die Chefin des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) setzt lieber auf positive Anreize, statt auf Verbote. Zum Beispiel, indem Kinder gezielt auf gesunde Produkte gelenkt werden. Etwa indem Kindern mehr Appetit auf Gemüse oder Obst gemacht wird. Dass das geht, konnte Kersting inzwischen zeigen. Sie hat gerade eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Verpackung von Kindernahrungsmitteln beschäftigt. Das Ergebnis schildert die Professorin so: „Wir konnten nachweisen, dass – wenn man gesunde Produkte gut und attraktiv verpackt – Kinder diese auch mögen.“

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