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Vordenker Die teuren Technik-Hobbys der Superreichen

Was machen Menschen, die schon alles haben? Sie entwickeln Marskolonien, schwimmende Städte und High-Tech-Toiletten. Zehn innovative Ideen, die Milliarden kosten.

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Richard Branson wird jetzt Banker
Nothern RockDie britische Regierung hat einen Käufer für die einstige Skandalbank Northern Rock gefunden. Das in der Finanzkrise 2008 verstaatlichte Bankhaus wird an das Unternehmen Virgin Money des milliardenschweren britischen Unternehmers Richard Branson verkauft. Der Verkaufspreis soll 747 Millionen britische Pfund (873 Mio Euro) betragen. Branson erklärte, der Bankensektor brauche frische Ideen und neuen Wettbewerb - wobei er allerdings keine konkreten Details nannte. Quelle: REUTERS
Den Beginn des Erfolgs verdankt Branson dem Musikgeschäft Quelle: AP
Richard Branson Quelle: dapd
GetränkeherstellerUnter anderem nennt der Unternehmer die Firma "Virgin Drinks" sein Eigen. Diese stellt "Virgin Cola" und auch "Virgin Vodka" her. Auch Buchverlage, Kosmetikhandel, Eventmarketing und ein Internetdienstanbieter gehören zum Portfolio. Quelle: REUTERS
Firmen kommen und gehenAuch im Mobilfunk war der Brite unterwegs: "Virgin mobile" war ein weiteres Standbein im Milliardenkonzern, das allerdings 2006 veräußert wurde. Quelle: Reuters
UnterwassertourismusIm kalifornischen Newport Beach stellte Richard Branson zusammen mit dem Investor Chris Welsh (rechts) im April 2011 ein Ein-Mann-Unterwasserfahrzeug vor, das zu den tiefsten Stellen der Weltmeere vordringen soll. Noch in diesem Jahr sei eine Expedition zum Marianengraben im westlichen Pazifik geplant, rund 11 000 Meter unter der Meeresoberfläche. Quelle: rtr
Formel-1In der Formel-1-Saison 2009 war Bransons Virgin Group Sponsor des Formel-1-Teams Brawn GP. Mittlerweile existiert ein eigenes Team "Virgin Racing". Der Sitz des Rennstalls befindet sich in Dinnington in der englischen Grafschaft South Yorkshire. Aktuelle Fahrer: Timo Glock, Jérome D'Ambrosio und Robert Wickens. Quelle: dpa

Richard Branson liebt die Extreme. Vergangenes Jahr überquerte er den Ärmelkanal mit einem Lenkdrachen – im Alter von 61 Jahren. Ende der Neunzigerjahre fuhr der Unternehmer aus London als erster Mensch im Ballon über den Pazifik. Als Nächstes will Branson, der sich mit seinem Mischkonzern Virgin ein Vermögen von mehr als vier Milliarden Dollar aufgebaut hat, den Weltraum erobern. Sein Unternehmen Virgin Galactic, in das Branson rund 100 Millionen Dollar investieren will, soll schon in naher Zukunft Touristen für 200 000 Dollar in den Weltraum fliegen.

Sir Richard Branson Quelle: dapd

Ein Raumgleiter, der aussieht wie ein Flugzeug mit drei Rümpfen, soll vom privaten Weltraumbahnhof Spaceport America in New Mexico aus mit dreifacher Schallgeschwindigkeit über die 100-Kilometer-Marke steigen, ab der offiziell das Weltall beginnt. Nach vier Minuten in der Schwerelosigkeit sinkt der Spaceliner dann wieder zur Erde zurück. 500 Flugtickets sind bereits verkauft – unter anderem an den Physiker Stephen Hawking und die US-Schauspieler Ashton Kutcher, Brad Pitt und Angelina Jolie. Mit dabei ist auch Sonja Rohde aus Hagen, die Gründungsmitglied von Virgin Galactic ist und als erste deutsche Frau ins All fliegen will.

Segelboot auf Speed

Oracle-Chef Larry Ellison Quelle: Reuters

Wer das Segelboot USA 17 steuern will, muss ein versierter Seemann sein – und auch ein wenig lebensmüde. Denn der High-Tech-Trimaran ist aus Karbon gebaut und dadurch enorm leicht, schnell und wackelig. Mit einem Tempo von 74 Kilometern pro Stunde jagt das 58 Meter hohe Riesenboot übers Wasser. 2010 gewann das Team BMW Oracle Racing damit den legendären America’s Cup – sehr zur Freude des Crewmitglieds Larry Ellison: Der 67-jährige Gründer des US-Softwareherstellers Oracle, dessen Vermögen auf 36 Milliarden Dollar geschätzt wird, hatte den Trimaran eigens für das Rennen entwickeln lassen. 150 Bootsbauer haben in zwei Jahren das technisch aufwendigste Segelboot aller Zeiten gebaut. Es hat ein starres Segel, das größer ist als der Flügel des weltgrößten Passagierflugzeugs, des Airbus A380. Die Kosten: 300 Millionen Dollar.

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Standort erkennen

    Kolonie auf dem Mars

    SpaceX-Chef Elon Musk bei der Eröffnungsveranstaltung des SXSW Interactive Festival 2013 in Austin, Texas. Quelle: AP/dpa

    Rund 80 000 Menschen sollen bald in einer Kolonie auf dem Mars leben. Es klingt verrückt: Aber wenn Elon Musk so etwas sagt, lohnt es sich, hinzuhören. Denn bisher war der US-Unternehmer immer für eine Revolution gut: Mit Paypal hat er ein Bezahlsystem für das Internet kreiert, sein Startup Tesla hat das Elektroauto salonfähig gemacht. Gerade ist Musk dabei, mit dem Startup SpaceX die Raumfahrt zu privatisieren. Nun träumt der Unternehmer also von Kolonien auf dem Mars: Schon in 15 Jahren könnten die ersten Menschen zum Nachbarplaneten fliegen. Dazu will er Raumflüge spottbillig machen – indem er Raketen entwickelt, die sich wiederverwenden lassen. Sein Prototyp namens Grasshopper hat erste Testflüge absolviert.

    Schwimmende Städte

    Die Hobbys der Superreichen
    Jeff Bezos Quelle: AP
    James Cameron Quelle: dapd
    Dennis Tito Quelle: AP
    Francis Ford Coppola Quelle: dpa
    Roman Abramowitsch Quelle: dpa/dpaweb
    Richard Branson Quelle: dpa
    Paul Allen Quelle: dapd

    Ob Peter Thiel als Kind Pirat werden wollte, ist nicht bekannt. Heute jedenfalls zieht es den 45-jährigen Investor, der mit Facebook-Aktien mehr als eine Milliarde Dollar verdiente, in rechtsfreie Gewässer: Mit 500 000 Dollar unterstützt Thiel das Seasteading-Institut – eine Initiative, die Städte auf schwimmenden Plattformen bauen will. Als erstes Projekt soll Ende des Jahres ein umgebautes Schiff mit Büros, Wohnungen und schwimmenden Gärten namens Blueseed vor der Küste Kaliforniens ankern, nah genug, um mit einer Fähre vom Festland aus hinzufahren. An Bord sollen Fachkräfte wohnen und arbeiten.

    Meere ergründen

    Der kanadische Regisseur James Cameron Quelle: REUTERS

    Als der Hollywood-Regisseur James Cameron die Titanic spektakulär im Meer versenkte, waren jede Menge Spezialeffekte im Spiel. Aber auch im wahren Leben taucht Cameron ab – mit seinem selbst entwickelten U-Boot Deepsea Challenger. Mehr als 70 Tauchgänge hat der 58–jährige Kanadier bereits absolviert, viele davon zum Wrack der Titanic. Vor einem Jahr erreichte Cameron als dritter Mensch den vermutlich tiefsten Punkt der Weltmeere: das Challengertief im pazifischen Marianengraben – 10 994 Meter unter dem Meeresspiegel. Sein High-Tech-U-Boot, das sieben Meter lang und nur einen Meter breit ist, widerstand dabei einem Druck von elf Tonnen pro Quadratzentimeter. Mit einem Roboter-Greifarm nahm Cameron Sedimentproben. Mit 3-D-Kameras filmte Cameron seinen spektakulären Tauchgang. Auch wenn er seinen Rekord nicht mehr übertreffen kann – der studierte Physiker will weiter die Tiefsee ergründen.

    Asteroiden ausbeuten

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      Peter Diamandis sucht im Weltall nach Rohstoffen. Quelle: dapd

      Die Zeiten des Überflusses stehen uns noch bevor – davon ist Peter Diamandis überzeugt. Der US-Unternehmer will mit seinem Startup Planetary Resources neue Rohstoffquellen im Weltall erschließen: Asteroiden, die in der Nähe der Erdbahn um die Sonne kreisen und die mitunter zu einem Drittel aus Metallen wie Gold, Platin und Seltenen Erden bestehen. Ein einziger 500 Meter großer Brocken enthält Platin im Wert von 60 Billionen Dollar – und andere Schätze mehr. Planetary Resources baut derzeit Sonden, die im All nach geeigneten Asteroiden spähen sollen. Der studierte Luftfahrtingenieur Diamandis hat Erfahrung mit der Raumfahrt: Sein Startup Space Adventures hat acht Weltraumtouristen zur Internationalen Raumstation geflogen. Mit der X-Prize-Stiftung, die Innovationen fördert, machte Diamandis 2004 den ersten Weltraumflug eines privaten Raumschiffs möglich. Jetzt also Asteroiden- Abbau. Im nächsten Jahrzehnt könnte der erste kosmische Bergbautrupp ausrücken.

      Gehirn speichern

      Praktisch wäre es, könnte jeder sein Gehirn auf einer Festplatte speichern: Alle Gedanken blieben erhalten, der Mensch würde unsterblich. Das jedenfalls schwebt dem russischen Medienunternehmer und Milliardär Dmitry Itskov vor. Sein Projekt 2045 Avatar soll erforschen, wie sich Gehirne im Computer nachbauen lassen. Im nächsten Schritt will Itskov Gedanken auf Festplatten auslagern. In 20 Jahren sollen sich komplette Gehirne kopieren lassen – und im Jahr 2045 leben wir nach unserem Tod als intelligentes Hologramm weiter.

      Uhr für die Ewigkeit

      Die Raumfahrtträume eines Milliardärs
      Microsoft-Mitgründer Paul Allen will die Raumfahrt revolutionieren. Er plant den Bau des bisher größten Flugzeuges auf der Welt, von dem aus Satelliten oder auch Raumfahrzeuge gestartet werden sollen. Quelle: dapd
      Die Raumfahrzeuge sollen von dem Flugzeug-Giganten in 10.000 Meter Höhe gebracht werden. Dort erfolgt dann der Start ins All. Quelle: dapd
      In den Flugzeugriesen sollen sechs Boeing-747-Triebwerke eingebaut werden. Das Gewicht wird bei 544 Tonnen liegen, die Flügelspannbreite bei 116 Metern. Quelle: dapd
      Zum Start und zur Landung benötigt das Flugzeug eine 3,65 Kilometer lange Bahn.
      Allens Unternehmen Stratolaunch arbeitet bei der Konstruktion der Maschine mit dem legendären Flugzeugdesigner Burt Rutan (l.) zusammen. Quelle: dapd
      Beide hatten bereits bei der Entwicklung des SpaceShipOne kooperiert, das es 2004 als erstes privat gebautes bemanntes Fahrzeug in den Erdorbit schaffte. Quelle: ap
      Der erste Flug der Maschine sei innerhalb der nächsten fünf Jahre geplant, so Allen.

      Jedes Jahr schickt Jeff Bezos, Gründer und Chef des Online-Händlers Amazon, seinen Aktionären einen Essay. Es ist immer der gleiche, er hat ihn vor 15 Jahren geschrieben. Und er enthält den Kern seiner Unternehmensphilosophie: Denke und plane auf lange Sicht. Der Gedanke ist Bezos so wichtig, dass er ihn in einem eigentümlichen Kunstprojekt verewigen will. In einem Stollen in den texanischen Sierra-Diabolo-Bergen lässt Bezos eine mechanische Uhr bauen, die 10 000 Jahre lang die exakte Zeit anzeigen soll. 42 Millionen Dollar investiert Bezos in sein Hobby. Ist die „Uhr des langen Jetzt“ fertig, dann soll sie jeden Tag nur einen Ton spielen. Über 3 650 000 Tage hinweg entsteht eine Melodie, die der Musiker Brian Eno eigens komponiert hat. Wenn der letzte Ton erklingt, wird die Erde von einer völlig anderen Zivilisation beherrscht sein, erwartet Bezos. Dann soll seine Uhr die Menschen dazu bringen, so zu denken wie er: auf lange Sicht.

      Titanic nachbauen

      Titanic II Quelle: REUTERS

      Clive Palmer liebt Oldtimer. Knapp 100 historische Autos sollen im Fuhrpark des australischen Bergbau-Unternehmers stehen. Jetzt will der Milliardär sich aber einen ganz besonderen Klassiker zulegen: eine detailgetreue Kopie der Titanic. Palmer hat eine chinesische Werft mit dem Nachbau beauftragt, der 2016 als Kreuzfahrtschiff vom Stapel laufen soll – diesmal mit genügend Rettungsbooten und moderner Elektronik. Sogar Kleidung im Stil des Jahres 1912 sollen die Passagiere in ihren Kabinen vorfinden. 40 000 Tickets hat Palmer schon verkauft.

      High-Tech-Häusl

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        Bill Gates setzt auf Solar-Klos
        Die prämierte Toilette wurde von kalifornischen Forschern entwickelt. Gates betonte in einem Blogeintrag, es gehe um ein extrem dringliches Problem. Foto: dapd Quelle: dapd
        Der erste Preis ging an eine mit Solarzellen betriebene Toilette, die auch Wasserstoff und Strom produzieren kann. Sie wurde von kalifornischen Forschern entwickelt. Foto: dpa Quelle: dpa
        Michael Hoffman vom California Institute of Technology erklärt, welche Technik dafür notwendig ist. Foto: dpa Quelle: dpa
        Die Lösung ist inspiriert von einem elektrochemischen Verfahren für die Nasa: über der Erde eine Toilettenschüssel, darunter ein Tank mit solargetriebenem Kleinreaktor, der Brauchwasser reinigt. Mit dem dabei entstehenden Biogas kann nach dem Modell gekocht werden. Foto: Reuters Quelle: REUTERS
        Günstig ist die Lösung allerdings nicht. Rund 1000 Dollar würde eine Toilette dieser Art kosten. Dennoch ein notwendiges Forschungsfeld, findet Bill Gates. Denn laut des Microsoft-Gründers löst mit Fäkalien verschmutztes Wasser Durchfall-Erkrankungen aus, denen jedes Jahr 1,5 Millionen Kinder zum Opfer fielen. Weltweit hätten 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Der Microsoft-Gründer hatte einen großen Teil seines Milliardenvermögens in die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung eingebracht. Foto: dpa Quelle: dpa
        Die englische Universität von Loughborough belegte den zweiten Platz mit ihrem Recycling-Klo, das Abwasser in Kohle, Minerale und sauberes Trinkwasser zerlegt. Foto: Reuters Quelle: REUTERS
        Der Unternehmer ist davon überzeugt, dass auch wohlhabendere Länder von der Erfindung neuer Klos profitieren könnten, indem sie "ihr sauberes Wasser für eine andere Verwendung als die Toilettenspülung" sparten. Foto: dpa Quelle: dpa

        Milliarden Menschen nutzen sein Betriebssystem Windows – nun will Microsoft-Gründer Bill Gates ein Drittel der Weltbevölkerung mit einem Produkt der ganz anderen Art ausstatten: einer Toilette. Weltweit haben 2,5 Milliarden Menschen immer noch keinen Zugang zu einem sauberen stillen Örtchen. 1,5 Millionen Kinder sterben, weil sie sich mit Durchfallerkrankungen anstecken.

        Forschung



        Das will Gates ändern – mit einer 370 Millionen Dollar starken Hygiene-Initiative. Seine Bill & Melinda Gates Foundation hat einen Forschungswettbewerb ausgeschrieben, um das Klo neu zu erfinden. Es soll ohne Wasser auskommen – und sogar Rohstoffe und Energie gewinnen.

        Im August 2012 ließ sich Gates eine Auswahl an Pissoirs vorführen. Sieger wurde ein mit Solarenergie betriebener Lokus des Caltech Institute of Technology, der Wasserstoff und Strom erzeugt. Andere High-Tech-Austritte, die zum Wettbewerb angetreten sind, erzeugen Dünger für Nutzpflanzen, Kohle zum Heizen und keimfreies Wasser zur Bewässerung.

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