WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Wach-Operationen Wenn Patienten mit dem Skalpell im Kopf sprechen

Seite 2/2

Zahl der Wach-OPs steigt

Kommen die Operateure an einen sehr heiklen Bereich im Gehirn, schalten sie meist mit winzigen Stromstößen ein Areal kurzfristig aus, um zu sehen, ob der Patient plötzlich stottert, lallt oder „Blumsel statt Blume sagt“. Dann müssen die Operateure aufhören, noch mehr Gewebe abzutragen.

Das falle Ärzten gar nicht so leicht, weiß der Logopäde Holger Schmidt, der am Universitätsklinikum Göttingen Wach-OP-Patienten betreut: „Die Chirurgen schneiden ja lieber mit etwas Abstand drum herum, damit sie den Tumor auch ganz sicher erwischen.“

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Das geht im Gehirn nicht immer. Manchmal muss ein Teil des bösartigen Gewebes zurückbleiben. So war es auch bei Dacher: Ein walnussgroßes Stück konnten die Mediziner nicht entfernen, sonst hätte sie nie mehr sprechen können. Diesen Tumorrest brachten die Ärzte mit einer Chemotherapie zum Schrumpfen. Die Krebswucherung hat sich seither nicht mehr vergrößert. Heute hat die mittlerweile 33-Jährige keine sprachlichen Ausfälle, obwohl nun ein riesiger Hohlraum in ihrem Gehirn klafft.

Meist bieten nur universitäre Kliniken wie in Heidelberg und Göttingen solche Wach-OPs an, aber „die Zahl nimmt zu“, beobachtet Unterberg. Dabei sei die Technik schon in den Neunzigerjahren entwickelt worden. „Doch erst jetzt wagen sich mehr und mehr junge Chirurgen daran“, sagt Unterberg. Der Grund: Sie haben mehr Routine mit hochpräzisen Eingriffen auch tief im Hirn.

Das bestätigt auch Veit Rohde, Direktor der Göttinger Universitäts-Klinik für Neurochirurgie, wo pro Jahr fünf bis zehn Patienten per Wach-OP von Tumoren befreit werden. Er schätzt die Technik sehr. Sein Argument: Wenn die Chirurgen testen wollen, ob ein Patient nach der Hirnoperation noch Arme und Beine bewegen kann, reizen sie die Hirnareale mit Strom, und die Gliedmaßen zucken.

Doch komplexe Denkprozesse oder Sprache ließen sich nicht in Narkose testen, so Rohde: „Dazu brauchen wir die Mithilfe der Patienten – und dazu müssen sie wach sein.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%