Warnung der OECD Mehr Übergewichtige in den Zeiten der Krise

„Kummerspeck“, so sagt der Volksmund: Wirtschaftliche Krisen und soziale Not scheinen bei vielen Menschen Übergewicht nach sich zu ziehen. Auch in Deutschland nimmt Fettleibigkeit zu, warnt die OECD.

Ein Übergewichtiger sitzt in München auf einer Bank. Quelle: dpa

Übergewicht und Fettleibigkeit haben in nahezu allen europäischen Ländern in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. In Deutschland etwa stieg allein der Anteil der Fettleibigen an der Bevölkerung von 13 Prozent (2003) auf 16 Prozent (2013).

Das hält die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in dem am Mittwoch in Paris und Berlin veröffentlichten Bericht „Gesundheit auf einen Blick: Europa 2014“ fest.

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Brot macht dick und ist ungesundGerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink. Quelle: dpa
"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke LinieDie Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht. Quelle: dpa
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Fett ist ungesund Fett ist nicht gleich Fett. Deshalb ist diese Verallgemeinerung falsch. Olivenöl beispielsweise kann bei regelmäßigem Genuss die Konzentration an LDL-Cholesterin im Blut senken. Außerdem liefert lebensnotwendige Fettsäuren und sorgt dafür, dass bestimmte fettlösliche Vitamine aus der Nahrung überhaupt erst aufgenommen werden können. Sämtliche Langzeitstudien zeigen zudem, dass Menschen, die viel Milch und Milchprodukte konsumieren, überwiegend eine niedrige Herz-Kreislaufsterblichkeit aufweisen – niedriger als diejenigen, die weniger davon essen. Quelle: dpa

Inzwischen ist in Europa jeder Sechste fettleibig, während es nach den OECD-Daten im Jahr 2002 jeder Achte war. Dabei dürfte auch die Wirtschaftskrise eine Rolle spielen.

Denn die Analysen in einigen Ländern zeigten einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher oder sozialer Not und Fettleibigkeit. Davon seien Menschen mit Finanzproblemen unabhängig von ihrem Einkommen bedroht.

Zu viel Gewicht erhöht das Risiko, an Bluthochdruck, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken, betont die Studie, die von der OECD zusammen mit der Europäischen Kommission erstellt worden ist. Die erfolgreiche Behandlung solcher Krankheiten in den meisten Ländern habe zwar Fortschritte gemacht.

Fettleibigkeit führe jedoch alles in allem zu mehr chronischen Erkrankungen, was dann auf Dauer die Kosten der Gesundheitsversorgung ansteigen lasse. Sie beginnt bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 30. Dabei wird das Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Größe in Metern.

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Der Report hat jedoch auch Positives zu berichten: Die Sterblichkeitsrate nach Herzinfarkten fiel nach Einweisung in die Kliniken von 2000 bis 2011 um 40 Prozent, die bei Schlaganfällen um mehr als 20 Prozent. Niedrigere Sterblichkeitsraten seien auf bessere Notfallbetreuung sowie auf größeren Zugang von Kranken zu einer speziellen Betreuung bei Schlaganfällen in einigen Ländern zurückzuführen.

In den meisten europäischen Ländern habe sich auch die Überlebenschance bei Krebserkrankungen erhöht. Insgesamt sei die Lebenserwartung bei der Geburt in den EU-Ländern von 1990 bis 2012 im Schnitt um mehr als 5 auf 79,2 Jahre gestiegen.

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