Wegen Ebola Sierra Leone droht Absturz auf Nothilfeniveau

Exklusiv

Der Leiter der Welthungerhilfe in Sierra Leone befürchtet den wirtschaftlichen Ruin des Landes, das vor Ebola im Aufschwung war.

Bewohner in Freetown, Sierra Leone Quelle: REUTERS

Der westafrikanischen Republik Sierra Leone droht durch Ebola der wirtschaftliche Ruin. "Ebola bringt das Land wieder auf das Nothilfeniveau", sagte Jochen Moninger, Leiter der Welthungerhilfe in Sierra Leone im Interview mit der WirtschaftsWoche. "Die Lage ist dramatisch", so Moninger. "Es gibt jeden Tag 40 bis 50 neue Ebola-Fälle. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Zahl der Neuinfizierten bis Ende des Jahres auf 200 bis 300 pro Tag ansteigt."

Das ist das Ebola-Virus

Darüber hinaus warnt Moninger vor "sozialen Spannungen enormen Ausmaßes". Wegen Ebola seien die Schulen geschlossen. "1,6 Millionen Kinder und Jugendliche verlieren ein ganzes Schuljahr." Fünf von 13 Distrikten befinden sich laut Moninger in Quarantäne. Außerdem habe die Regierung an jeder Distriktgrenze einen Checkpoint eingerichtet, der nur zwischen 9 Uhr morgens und 17 Uhr abends passiert werden darf. "Normalerweise fahren Bauern aus dem Nordosten des Landes ihre Ernte nachts in die 200 Kilometer entfernte Hauptstadt Freetown. Diese Transportwege sind nun abgeschnitten. Sie müssen ihre Ware tagsüber transportieren. Aber in Sierra Leone gibt es keine Kühlketten. Die Ernte vergammelt, noch bevor sie in Freetown ankommt. Der Handel bricht ein", so Moninger.

Sierra Leone habe sich vor Ebola im Aufschwung befunden: "Die Wirtschaft in Sierra Leone wuchs im vergangenen Jahr zweistellig, beispielsweise durch den Abbau von Eisenerz. Internationale Konzerne investierten in Zuckerplantagen und Palmölproduktion. Auch Hotels und der Bausektor konnten sich entwickeln", sagte Moninger der WirtschaftsWoche.

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