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Weltall Das Geschäft mit dem Weltraum

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Sehen, ob in China ein Öltank leer ist

Viele Teile dafür lassen sich bequem im Internet bestellen. Möglich machten das Bob Twiggs, Professor an der Stanford University, und Jordi Puig-Suari, Ingenieur an der California Polytechnic State University. 1999 entwickelten die beiden eine Art Baukasten für Satelliten: den Cubesat, einen Zehn-Zentimeter-Würfel. In ihn lassen sich Bordcomputer, Sensoren und Co. leicht einklinken. Alles Teile, die dank des Smartphone-Booms inzwischen Billigware sind.

Kostete der Bau eines Satelliten bisher schnell 100 Millionen Euro und der Flug noch einmal genauso viel, lässt sich ein Cubesat für 100 000 Euro basteln und für 50 000 Euro transportieren. Denn die Minisatelliten wiegen ein paar Kilogramm statt Tonnen. Zugleich entwickelt mehr als ein Dutzend Unternehmen Billigraketen, etwa SpaceX, Firefly Space Systems und Virgin Galactic in den USA. Oder Rocket Lab in Neuseeland, das seine Raketenantriebe per 3D-Drucker fertigt.

Erst im November setzte eine Raumfähre vier Spire-Satelliten aus. Die Mitarbeiter in Glasgow fieberten mit, als sich in der Schwerelosigkeit die Solarpaneele und Antennen entfalteten und ein Kreisel den Satelliten im richtigen Winkel zur Erde positionierte. Und als im Spire-Hauptquartier erste Daten eingingen – über eine der 21 Bodenstationen, die das Unternehmen weltweit platziert hat –, gab es, wie nach jedem geglückten Start, Whisky-Zimt-Likör fürs Team.

Während Fernsehsatelliten in rund 36.000 Kilometer Höhe kreisen, besiedeln Start-ups wie Spire den sogenannten Low Earth Orbit bis 2000 Kilometer Höhe. Von dort haben die Geräte das Geschehen auf der Erde gut im Blick. Sie erkennen per Kamera selbst Kanaldeckel. Via Radar erfassen sie gar Höhenunterschiede von Millimetern – so erkannten etwa Esa-Forscher, dass der Millennium Tower in San Francisco jährlich mehrere Zentimeter im Boden versinkt.

Nachteil der geringen Flughöhe: Bei 28 000 Kilometern pro Stunde überqueren die Satelliten Länder binnen Minuten. Es braucht Dutzende Trabanten, um zeitgleich den gesamten Planeten zu beobachten. Spire-Chef Platzer etwa will darum bis Ende des Jahres 100 Satelliten im All haben, um Standort, Fahrroute und Tempo jedes Schiffs zu ermitteln. So wissen Reeder, wann ihre Frachter den Hafen erreichen oder wo sie bei einem Piratenüberfall sind. Auch Ölhändler wollen die Routen von Tankern verfolgen, um Handelspreise zu berechnen.

Befeuert wird der Boom im All auch vom Fortschritt der künstlichen Intelligenz. Computer sind so schlau geworden, dass sie in Satellitenbildern viele Objekte weit schneller erkennen, als dies Menschen jemals möglich wäre. Das Start-up Orbital Insight etwa überwacht per Satellit 2100 Öltanks in China. Die Dächer der Tanks steigen mit dem Ölpegel. Anhand ihrer Schatten auf Satellitenfotos bestimmt Orbital Insight die Füllstände. Hedgefonds wissen dadurch, wie viel Öl China gerade bunkert.

Curiosity kommt in die Jahre
März 2017Curiosity hat inzwischen deutliche Abnutzungsspuren. Ein Routine-Check der Reifen im März zeigt, dass es am linken mittleren Reifen zwei Brüche der sogenannten Stege im Profil gibt. Der Rover hat während seiner Reise über den Roten Planeten inzwischen etwa 16 Kilometer zurückgelegt. Curiosity-Projektmanager Jim Erickson sagte, alle sechs Reifen hätten trotz der sichtbaren Schäden noch genug Lebenszeit, um den Rover zu allen geplanten Orten zu bringen. Die regelmäßige Überwachung der Reifen wurde eingeführt, nachdem die Forscher im Jahr 2013 deutlich mehr Dellen und Löcher in den Rädern entdeckt hatten, als erwartet worden war. Tests auf der Erde hatten gezeigt, dass der Bruch von drei Stegen zeigt, dass etwa 60 Prozent der Lebenserwartung des Reifens erreicht sind. Curiosity hat aber bereits deutlich mehr als diesen Anteil an der geplanten Strecke zurückgelegt. Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
US-Präsident Barack Obama verlässt das Weiße Haus - und auch Curiosity verabschiedet sich. Quelle: Screenshot
Mars: Curiosity untersucht Meteoriten Quelle: NASA, JPL-Caltech, LANL, CNES, IRAP, LPGNantes, CNRS, IAS, MSSS
September 2016Die Kuppen und herausstehenden Felsen aus Schichtgestein am Mount Sharp entstanden wohl aus von Wind abgelagertem Sand. Sie erinnern stark an Wüstenlandschaften auf der Erde, etwa im Grand Canyon oder dem Monument Valley. Quelle: NASA
September 2016Der Rover sendet neue Fotos vom Mars: Im Hintergrund der Aufnahme ist der Rand des Gale-Kraters zu sehen, in dem Curiosity seit 2012 aktiv ist. Geologisch ist die Region besonders interessant, da sie die Untersuchung zahlreicher Gesteinsschichten ermöglicht. Der etwa fünf Kilometer hohe Mount Sharp liegt in der Mitte des Gale-Kraters. Quelle: NASA
Juli 2016Curiosity kann jetzt seine eigenen Ziele für die Laser-Analyse auswählen. Bisher wurden diese von der Erde aus anhand von Fotos ausgewählt. Die Wissenschaftler auf der Erde werden dadurch aber nicht ersetzt: Die neue Funktion soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn die Nasa-Forscher anderweitig beschäftigt sind. Curiosity sendet auch nicht ständig Bilder, sondern am Ende seiner Wegstrecken. Bisher könnten wichtige Objekte auf Fahrten daher übersehen worden sein. Quelle: NASA
Curiosity: Mars hatte wahrscheinlich einst eine sauerstoffreiche Atmosphäre Quelle: dpa

Dank kluger Algorithmen lassen sich aus dem All ganze Volkswirtschaften beobachten. Nachts etwa misst das Start-up Spaceknow die künstliche Beleuchtung in Afrika – und berechnet daraus die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Regionen. Und in China beobachtet die Software zwei Mal pro Woche 6000 Orte und vermisst, wie viel Beton und Asphalt dort verbaut werden. Daraus berechnet Gründer Machalek einen Index der Bautätigkeit, den China Satellite Manufacturing Index, der auf Bloomberg-Terminals einsehbar ist. Finanzmanager wollen damit Wirtschaftsflauten in China früher erkennen. Ähnlich verrät die Zahl der Autos auf Supermarktparkplätzen oder der Container im Hafen, wie gut die Geschäfte von Unternehmen oder Regionen laufen.

Auch deutsche Konzerne mischen mit beim Geschäft mit Big Data aus dem All: Der Rückversicherer Munich Re etwa nutzt ein neues Angebot von SAP. Der Walldorfer Softwarehersteller analysiert Satellitenbilder der Esa, um die Verbreitung von Waldbränden zu studieren – und Brände vorherzusagen. Die Analysen aus dem All helfen dem Versicherer, aktuelle Schäden und künftige Risiken zu kalkulieren.

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