WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Weltall Das Geschäft mit dem Weltraum

Seite 3/3

Weltraumdetektive decken Verbrechen auf

Der Chemieriese Bayer wiederum hat sich mit dem US-Start-up Planetary Resources verbündet, das weltweit Felder mit Spezialkameras observieren will. „Wir erkennen, wie gesund die Pflanzen sind, ob sie Nährstoffe oder Wasser brauchen“, sagt Chris Lewicki, CEO von Planetary Resources. „Bis auf Traktorbreite können wir Landwirte Woche für Woche über den Zustand ihrer Felder informieren. Und helfen, Wasser, Dünger und Pestizide zu sparen.“ Lewicki will gar einen weltweiten Getreidezensus erstellen: „Wir wissen dann jederzeit, wie viel Mais oder Sojabohnen auf dem Planeten angebaut werden.“ Das Start-up Descartes Labs sondiert eine Million Gigabyte an Satellitenbildern, um die Weizenernte in den USA vorherzusagen. Zahlen, die für Rohstoffhändler an den Börsen relevant sind.

Keine Frage, der neue Vermessungsboom bringt auch immense Herausforderungen an den Datenschutz mit sich. Wer stellt sicher, dass einzelne Start-ups nicht demnächst jeden von uns jederzeit ausspionieren? Das Start-up Blacksky etwa will den gesamten Planeten ab 2019 mit 60 Satelliten ablichten. Es bietet dann Satellitenbilder von jedem Punkt der Erde an, nicht älter als 90 Minuten – für 90 Dollar pro Bild. Kombiniert mit Daten aus sozialen Netzwerken, meldet eine Software Behörden oder Konzernen, wenn etwas Wichtiges passiert – etwa ein Erdbeben in der Nähe einer Autofabrik –, und liefert die Satellitenbilder dazu.

Derlei Software könnte genauso gut die Autos von Dissidenten aufspüren, Industrieanlagen ausspähen oder Ehepartnern verraten, dass da zu merkwürdiger Uhrzeit noch eine zweite Person auf der Terrasse stand. „Aus Gründen des Datenschutzes wäre es nicht wünschenswert, wenn etwa erkennbar wäre, zu welchen Zeiten ein Mensch mit dem Auto nach Hause kommt und welchen Weg er oder sie zuvor genommen hat“, sagt Andrea Voßhoff, Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. „Eine solche permanente Überwachung schüchtert ein.“

Zwar gibt es in Deutschland ein Satellitendatensicherheitsgesetz: Ihm zufolge kann die Vermarktung von Satellitendaten verboten werden, wenn sie die Sicherheit des Landes gefährden. Das greift aber nur bei deutschen Satelliten. Andere Staaten oder ausländische Unternehmen dürfen deutsche Grundstücke aus dem All ablichten und die Bilder auswerten. Nur strengere internationale Abkommen könnten das beschränken.

Die schönsten Bilder aus dem Weltall
Das Magnetfeld der Sonne Quelle: NASA, SDO, AIA, LMSAL
Der Zwergplanet Ceres Quelle: dpa
Ceres ist ein gescheiterter Planet, der bei der Entstehung des Sonnensystems übriggeblieben ist. Quelle: dpa
EarthArt von Nasa-Astronaut Scott Kelly Quelle: Nasa
Der Mond von hinten Quelle: REUTERS
Nasa hat im Juli 2015 einen erdähnlichen Planeten entdeckt Quelle: AP
Die Erde voll im Blick Quelle: Nasa

Noch haben die kosmischen Kameras zum Glück technische Grenzen, sie erkennen weder Gesichter noch Nummernschilder. Und noch helfen sie, vor allem Kriminalität zu bekämpfen. Ray Purdy etwa, Gründer des britischen Start-ups Air & Space Evidence, geht Tag für Tag via Satellit auf Verbrechersuche: Auf Satellitenbildern spürt der Weltraum-Detektiv im EU-Auftrag illegale Müllkippen auf oder weist nach, ob jemand Zäune versetzt und sich fremdes Land angeeignet hat. „In fünf bis zehn Jahren haben wir so viele Bilder und Videos aus dem All“, sagt er, „dass wir sogar Autounfälle aufklären.“

Auch wo die Polizei heute nur schwer hinkommt, helfen ihr neuerdings Satellitendaten: Indiens Behörden decken damit illegale Minen auf, Brasiliens Regierung Waldrodungen, die Menschenrechtsorganisation Satellite Sentinel Project die Zerstörung von Dörfern im Sudan.

Die Reporterin Martha Mendoza von der US-Nachrichtenagentur AP spürte auf Bildern des Anbieters DigitalGlobe 2015 gar Fischerboote in Papua-Neuguinea auf, auf denen Sklaven arbeiten mussten. Die Argusaugen im All brachten Mendoza den Pulitzer-Preis – und 2000 Gefangenen die Freiheit.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%