Weltraum-Sonde Rosetta Die Reise zum Kometen beginnt

Heikler Moment für die spannendste Weltraum-Mission des Jahres: Seit fast zehn Jahren fliegt die Sonde Rosetta im Ruhemodus auf einen Kometen zu. Heute soll ihr Bordcomputer aufwachen – und den Landeanflug starten.

Raumfahrt-Bilder, die Geschichte schrieben
Das Weltraumteleskop „Hubble“ hat das bislang farbenprächtigste Porträt des Universums geliefert. Ein neues Panorama der US-Weltraumbehörde NASA schließt erstmals ultraviolettes Licht ein, das normalerweise für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Auf dem Panorama, das aus mehr als 800 Fotos von „Hubble“ erstellt wurde, ist es als helles blau mit drehenden Galaxien zu sehen, die fünf bis zehn Milliarden Jahre alt sind. Insgesamt zeigt das Panorama an die 10.000 mehrfarbige Galaxien. „Hubble“-Astronom Zolt Levay sagte, durch die Hinzufügung von Ultraviolett und Infrarot könne man jetzt das breite Farbenspektrum des Universums „und noch einiges mehr“ sehen. Quelle: Reuters
Im Oktober 2913 schaute die Welt gebannt auf den Österreicher Felix Baumgartner. Der Extremsportler sprang aus 39 Kilometern höhe aus der Stratosphäre zurück auf die Erde. Weitere Bilder und Informationen zum Rekord-Sprung. Quelle: dapd
Zweimal hatte das Raumschiff den Mond schon umkreist, da änderte Kommandant Frank Borman ein klein wenig dessen Ausrichtung - und traute seinen Augen nicht. „Oh Gott! Seht euch dieses Bild da an“, rief er den beiden anderen Astronauten der „Apollo 8“-Mission zu. „Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schön!“ Kollege William Anders griff nach einer Kamera, schraubte das längste Objektiv drauf, was er finden konnte, legte einen Farbfilm ein und knipste los. „Ich habe einfach klick-klick-klick-klick-klick gemacht“, erinnerte sich Anders, der am 17. Oktober 80 Jahre alt wird, später. Heraus kam eines der wohl bekanntesten Fotos der Welt: „Earthrise“ (Erdaufgang). Quelle: dpa
Die Crew der Apollo 8 (l-r): James A. Lovell, William A. Anders und Frank Borman in Kap Kennedy (Florida) im November 1968. Es war die zweite bemannte Raumfahrt des amerikanischen Apolloprogramms und der erste bemannte Mond zum Mond. Quelle: dpa
Apollo 11 trat im Jahr 1969 die Reise zum Mond an. Es war die erste Mission die auf dem Erdtrabanten landete und von dort auch wieder zurück zur Erde flog. Neil Armstrong war der erste Mensch auf dem Mond. Quelle: AP
Die Mission hielt die Öffentlichkeit in Atem. Nach dem Abflug besuchte der damalige US-Präsident Richard Nixon die Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin (von links). Die Astronauten befanden sich nach ihrer Rückkehr vom Mond für einige Tage in Quarantäne. Quelle: dpa
Bruce McCanndless war der erste Astronaut, der sich ohne Sicherheitsleine durch das Weltall bewegt hat. Dafür trug er bereits 1984 einen Raketentornister, mit dem er sich selbständig von der Raumstation wegbewegen konnte. Quelle: NASA
1986 mussten Millionen Fernsehzuschauer mit ansehen, wie die Raumfähre Challenger explodierte. Die siebenköpfige Mannschaft kam bei dem Unglück ums Leben. Grund für die Explosion waren defekte Dichtungsringe in einer der seitlichen Wasserstoffraketen. Im Anschluss musste das Space Shuttle Programm der USA vorübergehend eingestellt werden. Quelle: dapd
Im Jahr 2003 erlebt die Amerikanische Raumfahrt die nächste Katastrophe. Die US-Raumfähre "Columbia" zerfällt beim Eintritt in die Atmosphäre in großer Höhe über Nordtexas in mehrere Teile. Alle sieben Astronauten kamen bei dem Unglück ums Leben. Quelle: dpa
Damit stand für den 2005 geplanten Start der Raumfähre "Discovery" nicht nur das Prestige der US-Raumfahrtbehörde NASA auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms der USA. Mehr als zweieinhalb Jahre nach der "Columbia"-Tragödie startet am 13. Juli um 21.51 Uhr (MESZ) erstmals wieder vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ein Spaceshuttle mit sieben Astronauten an Bord. Quelle: REUTERS
Einmal Winken beim Weltraumspaziergang: Der Japaner Soichi Noguchi war einer der ersten Astronauten, der zwischen 2009 und 2010 von der International Space Station regelmäßig Bilder über Twitter verbreitete. Heute machen es ihm etliche Astronauten nach. Zu den atemberaubenden Twitterbildern der ISS-Astronauten. Quelle: dpa/dpaweb
Der Mars-Rover Curiosity der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa schickt als erstmals hochaufgelöste Farbbilder vom Roten Planeten. Was der Rover auf seiner Forschungstour auf dem Mars bereits entdeckt hat. Quelle: dpa

Rosetta schlummert. Seit fast zehn Jahren fliegt die Raumsonde der Europäischen Weltraumagentur Esa durchs All – die meiste Zeit im Ruhemodus, ein Dornröschen aus Metall und Mikrochips. Der Bordcomputer: Auf Standby. Nur die Heizung läuft. Und ein Wecker. Aber der wird, wenn alles nach Plan läuft, am Montag um punkt elf Uhr anspringen. Es ist ein bisschen später geworden, aber das Kontrollzentrum der europäischen Raumfahrtagentur Esa hat am frühen Abend in Darmstadt das entscheidende Signal erhalten. Die Sonde ist wieder wach. Wie von einer unsichtbaren Hand gesteuert, hat die drei Tonnen schwere Sonde von der Größe eines Autos eine Antenne ausgefahren und sie gen Erde gerichtet, um ihren Ingenieuren ein Funksignal zu senden. Stunden später, gegen halb sieben am Abend, erreicht das Signal Empfangsstationen in den USA und Australien, die es zum Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt weiterleiten.

Es ist einer der heikelsten Momente für die spannendste Weltraum-Mission des Jahres. Im Jahr 2004 gestartet, hat Rosetta eine weite Reise hinter sich. Derzeit ist sie 807 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, mehr als fünf mal so weit wie die Sonne. Sie am Mars vorbeigeflogen, an den Asteroiden Šteins und Lutetia und fast auch am Jupiter. Ihr wichtigstes Rendezvous im Weltall hat Rosetta aber noch vor sich: Die Begegnung mit 67P/Churyumov-Gerasimenko – einem Kometen. Der drei mal fünf Kilometer große Brocken aus Staub und Eis steuert derzeit auf das innere Sonnensystem zu – und Rosetta soll ihn ab dem Sommer begleiten, als erster Roboter in der Geschichte der Menschheit.


Mehr noch: Im November soll Rosetta ein kleines Landegerät namens Philae auf dem Kometen aussetzen, das ihn mit einer Reihe von Messinstrumenten examinieren wird. Es wäre die erste Landung einer menschlichen Sonde auf einem Kometen. Wissenschaftler warten mit Spannung auf diesen Augenblick. Denn alles, was wir bisher über die Vagabunden im Weltall wissen, verdanken wir unscharfen Bildern, die Teleskope aus der Ferne geschossen haben. Mit Gesteinsproben und Messungen vor Ort könnte die Mission nun viel genauer zeigen, woraus Kometen eigentlich bestehen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Damit gewänne die Wissenschaft auch Hinweise darauf, wie unser Universum kurz nach seiner Geburt beschaffen war. Denn anders als unsere Erde, deren Oberfläche durch Vulkane, Wind und Wellen stetig neu geformt wird, haben sich Kometen seit Milliarden Jahren nicht verändert. Es sind fliegende Kühltruhen, die in ihrem Innern die Geheimnisse des Kosmos hüten. Empfangen die Esa-Forscher heute Rosettas Morgengruß, dann werden sie zunächst ihre Instrumente testen – und sie Sonde schließlich auf Kometen-Kurs bringen. Neun Millionen Kilometer muss Rosetta noch bis zu ihrem Ziel zurücklegen. Es ist die letzte Etappe einer 7,1 Milliarden Kilometer weiten Reise – und für die Forscher die spannendste.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%