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Weniger Fehldiagnosen Mediziner arbeiten besser im Team

Leidende Patienten, Hektik in der Notaufnahme, unerfahrene Mediziner - da kann schnell etwas schief gehen. Junge Ärzte profitieren deutlich von Teamarbeit: Fehldiagnosen können so vermieden werden, zeigt eine Studie.

Im St. Vincent's Hospital in New York warten Patienten in der Notaufnahme auf Behandlung. Eine Studie zeigt, wie sehr Medizinischer Nachwuchs von der Teamarbeit profitiert. Quelle: AP

Die Patienten in der Notaufnahme jammern und klagen, die Beschreibung der Symptome ist uneindeutig - was hat der Kranke bloß? Und welche Tests sind sinnvoll, um möglichst schnell eine Diagnose stellen zu können?

Eine stressige Situation, vor allem für den medizinischen Nachwuchs. Um den Einstieg in die praktische Arbeit nach dem Studium zu meistern, kann den angehenden Ärzten die Arbeit in Zweierteams helfen. Das legt eine Studie im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) nahe.

Die Untersuchung wurde von Wissenschaftlern der Charité Berlin, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Konstanz um die Hauptautoren Juliane Kämmer und Wolf Hautz durchgeführt. "Überblickstudien zeigen, dass Fehldiagnosen einen großen Anteil an medizinischen Fehlern ausmachen", erklärt Juliane Kämmer. Mit rund zehn bis fünfzehn Prozent stellen sie ein großes Problem dar - neben technischen Fehlern oder dass ein Patient nicht mitarbeitet. Wie kann diese Fehlerquelle minimiert werden? Dieser Frage ging die deutsche Forschergruppe nach.

Diagnosen mit den meisten Behandlungsfehlern 2013

88 Studenten, die im letzten klinischen Semester an der Charité Berlin Medizin studieren, wurden dafür eingeteilt: 28 Probanden arbeiteten alleine, 60 in Zweierteams. Durch einen Test vor dem Versuch wurde sichergestellt, dass alle Nachwuchs-Mediziner im Durchschnitt über den gleichen theoretischen Wissensstand verfügten. Die Studenten sollten dann aufwändig simulierte Patienten-Notfälle am Computer lösen.

Entscheidungsfindung unter Hochdruck

Dafür wurden ihnen nacheinander Videos von sechs Patienten mit Atemnot gezeigt. "Das ist nicht nur eine besonders stressige Situation, die Fallauswahl hängt auch damit zusammen, dass es hier so viele verschiedene Diagnosemöglichkeiten und damit auch Möglichkeiten einer Fehldiagnose gibt", führt Kämmer aus. "Mit Knieschmerzen zum Beispiel hätte man das nicht konstruieren können, dafür gibt es viel weniger mögliche Gründe."

Die angehenden Ärzte sollten aus einer Reihe von 30 möglichen Tests - zum Beispiel eine Blutdruck-Messung, eine Computertomographie oder ein Röntgenbild - auswählen, die Ergebnisse bewerten und anschließend eine Diagnose stellen. Zugleich sollten sie angeben, wie sicher sie sich der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerung sind.

In der Auswertung zeigte sich, dass die Neulinge deutlich von der Arbeit im Team profitieren: Ihre Diagnosen waren häufiger richtig als bei den Berufsanfängern, die alleine arbeiten mussten. Bei den auf sich allein gestellten Probanden war nur jede zweite Diagnose richtig (drei von sechs), bei den Teams konnten vier von sechs Fällen korrekt diagnostiziert werden.

Diese hohe Zahl an Fehldiagnosen mag den Laien erstmal erschrecken - jedoch war der Test absichtlich so konstruiert, dass gute Studenten die Hälfte der Fälle lösen können, erklärt Kämmer. "Das Ergebnis war also erwartbar."

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