WHO Lichtblicke im Kampf gegen Malaria

Die Zahl der Malariatoten ist um 60 Prozent zurückgegangen. Trotzdem werden in diesem Jahr etwa 438.000 Menschen an der Tropenkrankheit sterben. Der weltweit erste Malaria-Impfstoff soll Ende des Jahres auf den Markt kommen.

Kind hinter Moskitonetz Quelle: dpa

Die Zahl der Malariatoten ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Kinderhilfswerks Unicef in den vergangen 15 Jahren um 60 Prozent zurückgegangen. 2000 waren noch 839.000 Menschen an der Krankheit gestorben. In diesem Jahr wird die Zahl der Todesfälle auf 438.000 geschätzt. Alles in allem seien damit 6,2 Menschenleben gerettet worden.

Die beiden UN-Organisationen werten das als großen und bisher nie dagewesenen Erfolg im Kampf gegen die von Mücken übertragene Tropenkrankheit. Es sei "eine der großen Erfolgsgeschichten in der öffentlichen Gesundheitsversorgung der vergangenen 15 Jahre", erklärte WHO-Chefin Margaret Chan. "Wir können diesen alten Mörder besiegen." Sie hob hervor, dass Kinder unter fünf Jahren immer noch die große Mehrheit der Malaria-Todesopfer ausmachten. Immerhin sank die Malaria-Todesrate bei Kindern aber in den vergangenen 15 Jahren um 65 Prozent.

Die schlimmsten Epidemien der Neuzeit
Schatten auf dem Röntgenbild der Lunge: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist die Tuberkulose (TB) trotz sinkender Todesfallraten – 1990 bis 2012 um 45 Prozent – noch die weltweit am häufigsten zum Tode führende heilbare Infektionskrankheit. Erreger sind Bakterien, die durch Tröpfchen in der Luft übertragen werden. Erkrankte leiden unter Kraftlosigkeit, Gewichtsabnahme und andauerndem Husten. Quelle: AP
Eine TB-erkrankte Patientin in einem Krankenhaus in Kampala, Uganda: In der Regel kann TB mit Antibiotika behandelt werden. Tuberkulose tritt heute vor allem in Ländern mit einer schlechten medizinischen Versorgung, Kriegs- und Krisenregionen auf – besonders in Staaten südlich der Sahara und in Südostasien. 2012 registrierte die WHO weltweit 8,8 Millionen Erkrankungen und 1,3 Millionen Todesfälle. Quelle: AP
Internationale Aids-Konferenz in Melbourne: Das Humane Immunschwächevirus (HIV) wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen. Der Erreger legt unter anderem bestimmte Immunzellen lahm. Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom) heute mit Medikamenten bekämpfen. Quelle: REUTERS
Eine Heilung von Aids ist aber nicht möglich. Nach UN-Angaben waren 2013 weltweit rund 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Nach Daten des UN-Programms zur Aids-Bekämpfung UNAIDS starben etwa 1,5 Millionen Menschen daran. Besonders stark betroffen ist Afrika. Quelle: dpa
Anopheles-Mücke: Malaria wird durch ihren Stick übertragen. Die lebensbedrohliche Infektionskrankheit kann geheilt werden, viele Erkrankte sterben aber wegen mangelnder medizinischer Versorgung. Laut WHO erreichte Malaria ihren Höhepunkt 2004 mit 232 Millionen Erkrankten und 1,2 Millionen Toten. Die meisten Fälle waren in Afrika südlich der Sahara und in Indien zu beobachten. Seitdem hat die Zahl der Malaria-Toten jedoch in vielen Ländern abgenommen. 2013 starben weltweit noch 855.000 Menschen an der Tropenkrankheit. Rund 90 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren in Afrika. Quelle: dpa
Cholera: Die Durchfallerkrankung wird durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst, das im Darm ein Gift bildet. Ursachen sind Trinkwasser, das mit Fäkalien oder Erbrochenem von Erkrankten verschmutzt ist, und verunreinigte Lebensmittel. Etwa 80 Prozent der Infektionen verlaufen milde. In schweren Fällen können aber Flüssigkeits- und Salzverlust in Stunden zu Kreislaufkollaps, Muskelkrämpfen bis zum Schock und Tod führen. Quelle: dpa
Im 19. Jahrhundert hatte sich die Cholera vom Ganges-Delta in Indien über die ganze Welt ausgebreitet. Sechs Pandemien in Folge töteten Millionen Menschen. Die siebente Pandemie brach 1961 aus. Die WHO geht von jährlich drei bis fünf Millionen Erkrankungen und 100.000 bis 120.000 Todesfällen aus, vor allem in Afrika, Südamerika, Südostasien und im Westpazifik. Quelle: dpa Quelle: REUTERS

Während Malaria in vielen Ländern nahezu ausgerottet sei, sei die Gefahr vor allem in Afrika südlich der Sahara weiter groß, warnte die WHO. „Malaria tötet vor allem junge Kinder, besonders solche, die in den ärmsten und abgelegensten Regionen leben“, sagte Unicef-Direktor Anthony Lake laut einer Pressemitteilung. Zwei Drittel aller Menschen, deren Tod mit Malaria in Verbindung gebracht werde, seien Kinder unter fünf Jahren.

Besserer Schutz vor Moskitos

Weltweit sind nach WHO-Daten in diesem Jahr geschätzt 214 Millionen Menschen neu erkrankt. Dass auch diese Zahl zurückgehe (2000: 262 Millionen Fälle), liege vor allem daran, dass sich die Menschen besser vor Moskito-Stichen schützten und etwa unter mit Insektiziden behandelten Netzen schliefen.

Seit der Jahrtausendwende seien rund eine Milliarde solcher Moskito-Netze in Afrika verteilt worden. Inzwischen schlafen laut WHO mehr als zwei Drittel aller Kinder unter fünf Jahren in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara unter einem Netz. Außerdem könnte die Krankheit heute mit besonderen Tests schneller erkannt und behandelt werden.

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Um die Zahl der Malaria-Fälle wie bei der jüngsten Weltgesundheitsversammlung beschlossen bis zum Jahr 2030 um weitere 90 Prozent zu verringern, müsste viel mehr Geld in die Bekämpfung fließen, erklärte die WHO. Die finanziellen Mitteln sollten sich auf 8,7 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) pro Jahr verdreifachen.

Ein weiterer Lichtblick könnte der weltweit erste Impfstoff sein, den der Pharmakonzern GlaxoSmithKline entwickelt hat - und der noch im Laufe des Jahres in mehren Ländern im Süden Afrikas auf den Markt kommen soll.

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