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Foursquare, Qype & Co. Das Milliardengeschäft mit dem lokalen Internet

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So weit will auch der Bilderdienst Cooliris mit seiner App Liveshare kommen. Dabei können Nutzer ihre Fotos Freunden zeigen – oder auf öffentliche Seiten überspielen. So meldeten sich etwa Fans der Rocker von Kiss via Liveshare auf der Facebook-Seite der Band. Und Dutzende Fans des 1. FC Köln lassen Freunde so regelmäßig am Stadionbesuch teilhaben. Die Menschen hätten Spaß daran, ihr Leben mit anderen zu teilen – "mit Fotos als aussagekräftigstem Medium", meint Sebastian Blum, der die Geschäftsentwicklung bei Cooliris verantwortet.

Auch Color Labs, das 41-Millionen-Dollar-Investment von Sequoia Capital, widmet sich dem Foto-Teilen. Dabei wirkt die Software Color zunächst todlangweilig: Nutzer laden Fotos hoch, und jeder, der am gleichen Ort ist, kann die Bilder und ein Profilfoto des Fotografen sehen.

Allein: Das mit dem Ort nimmt Color sehr genau. Nur Menschen im gleichen Raum sollen die Fotos sehen können. Dafür reicht die GPS-Navigation nicht aus. Die Software analysiert dafür die Lichtverhältnisse der Fotos und erstellt über das Mikro ohne Wissen des Nutzers ein Soundprofil der Umgebung – von Geräuschen wie Musik bis zu Gesprächen. Dass Color heimlich mithört, hat dem Unternehmen Ärger eingehandelt: Nach Informationen des "Wall Street Journal" ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.

Vor den US-Senat zitiert

Stärker denn je stellen uns die neuen Dienste vor die Frage: Wie viel Privatsphäre mag ich einsetzen, um Menschen kennenzulernen, Sonderangebote, Unterhaltung oder Informationen zu erhalten? Zumal wir längst nicht mehr allzeit Herr unserer Daten sind, wie die aktuellen Datenskandale von Apple und Google belegen.

Beide Konzerne müssen in dieser Woche bei einer Anhörung im US-Senat erläutern, warum iPhones und Handys mit Googles Android-Software ohne Zutun des Nutzers Positionsdaten protokollieren. Die wurden auf dem Rechner des Benutzers gespeichert beziehungsweise an Google übermittelt. Apple – ansonsten für Perfektionismus bekannt – beruft sich auf einen Programmfehler.

Wie sich die Debatte auswirkt, ist offen. Bisher allerdings – das zeigt die ungebremste Nutzerbegeisterung für Datensauger wie Google oder Facebook – hat sich der gefühlte Vorteil von Anwendungen aber immer gegen Datenschutzbedenken durchgesetzt. Und so werden die aktuellen Skandale die Verbreitung ortsbasierter Dienste vielleicht verlangsamen – aufhalten werden sie sie nicht.

Dennis Crowley, der Bürgermeister der SXSW, jedenfalls gibt sich ungerührt. „Wir treten jetzt gegen Google und Facebook an, größere Unternehmen, die Check-ins nun auch cool finden.“ Dann bricht er auf – zur heißesten Party der SXSW, einem Konzert mit Hip-Hop-Superstar Big Boi. Pepsi zahlt, Foursquare ist Kooperationspartner, 1500 Zuschauer werden kommen und sich einchecken. So bekommen sie den raren "Epic Swarm Badge". Den gibt es nur, wenn sich 1000 Menschen innerhalb einer Stunde an einem Ort anmelden.

Auf der Party verteilen Helfer kostenlose Drinks: "Hier, keine Kalorien – check it out", sagt einer der Brause-Werber. Es scheint, nur der Pepsi-Mitarbeiter hat es noch nicht begriffen: Auschecken ist out – künftig dreht sich alles ums Einchecken.

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