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100 Jahre IBM Wie IBM zum globalen IT-Riesen wurde

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Marktführer mit Hollerith

Sein Talent als Verkäufer und Manager setzte Watson später auch bei IBM ein. Die Hollerith-Lochkarten-Maschinen machten IBM zum unangefochtenen Marktführer in den USA. Das Stichwort "Hollerith" weckt bei Historikern aber auch ungute Erinnerungen. Sie berichten, dass IBM über das deutsche Tochterunternehmen Dehomag die Nazis mit Lochkarten und Hollerith-Maschinen versorgte, mit denen in Deutschland Juden, Roma und Sinti registriert, und für den Transport in die Konzentrationslager aussortiert wurden. Wie viel die IBM-Führung davon wusste, ist unklar. Auf einer IBM-Webseite, die die Geschichte des Computerkonzerns chronologisch nacherzählt, wird das Thema nicht erwähnt.

Der erste programmierbare Computer

Den Übergang ins elektronische Computerzeitalter meisterte das Unternehmen mit Bravour. Kunden, denen man bisher Lochkarten-Maschinen verkauft hatte, wurden nun Kunden für die ersten elektronischen Rechner. 1955 kam der IBM 650, ein mit Elektronenröhren ausgestatteter Magnettrommelrechner auf den Markt. Der 650 galt als erster programmierbarer Computer. Aus dieser Zeit datiert auch die Entwicklung der Programmiersprache Fortran, die IBM den Kunden zur Verfügung stellte.Zwei Jahre später wurde RAMAC 305 vorgestellt, der erste Computer mit einer Festplatte, damals noch Magnetplattenspeicher genannt. Die "350 Disk Storage Unit" war so groß wie zwei Kühlschränke und arbeitete mit insgesamt 24 rotierenden Platten. Diese rotierten mit 1200 Umdrehungen pro Minute und konnten etwa ein Megabyte speichern.

Auch mit den Computern war IBM sofort Marktführer und dominierte die Branche nach Belieben. Allerdings ruhte sich das Management nie auf den Lorbeeren aus. Das ist eines der Geheimnisse von IBMs andauerndem Erfolg hinweg. Selten haben sich Produktpolitik, Marketing, Verkaufstalent und technisches Know-how in einem Unternehmen so wirksam verbunden. Statt den Erfolg von Produkten möglichst lange auszuschlachten und dann zu sehen, was man als nächstes machen kann, dachten die IBM-Manager langfristig. Zugleich beobachteten sie die Konkurrenz misstrauisch und hielten Mitbewerber klein. Der Satz des ehemaligen Intel-Chefs Andy Grove "Nur die Paranoiden überleben" galt für IBM von Anfang an. So blieb der Konzern reaktionsschnell und am Puls der Zeit.

Nobelpreisträger und Forschungslabors

Dass der Büromaschinen-Konzern auch technisch vorne dran blieb, ist auch der Tatsache zu verdanken, dass das Unternehmen gewaltige Summen in die Forschung steckte. Entwicklungen wie die Festplatte, die Magnetkarte, der Barcode oder später die Floppy-Disk kommen aus den IBM-Labors und haben den Alltag der Menschen geprägt. So ist es kein Zufall, dass der Technikriese allein sechs Nobelpreisträger hervorgebracht hat, darunter den Deutschen Gerd Binnig und den Schweizer Heinrich Rohrer, die 1981 das Rastertunnel-Mikroskop im IBM-Forschungslabor in der Schweiz entwickelt hatten. Seit 18 Jahren in Folge ist IBM Weltmeister bei der Zahl der Patente. Im vergangenen Jahr waren es allein 5896 Patente, mehr als Microsoft, Hewlett-Packard, Oracle, EMC und Google zusammen. Nicht schlecht für eine Firma, die seit nahezu 100 Jahren im Geschäft ist. Und vor allem gut fürs Image als innovative und zukunftsorientierte Firma.

Heute investiert das Unternehmen aus Armonk im US-Bundesstaat New York nach eigenen Angaben mehr als sechs Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung – pro Jahr, wohlgemerkt.

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