WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

20 Jahre Mobilfunk Als die Handys nerven lernten

Genau zwanzig Jahre ist es her, dass die digitalen Mobilfunknetze D1 und D2 an den Start gegangen sind. WirtschaftsWoche-Technik-Experte Thomas Kuhn erinnert sich an peinliche Überraschungen, ungewohnten Komfort und die ersten Vorboten einer kommunikativen Pest.

Apple und Microsoft versus Android
iOS 6 – Google muss raus Quelle: dapd
Facebook-IntegrationZu den großen Ankündigungen gehörte auch die Integration von Facebook. Das größte soziale Online-Netzwerk der Welt ist nun in zahlreiche Apple-eigene-Apps integriert. So lassen sich nun direkt aus dem Notification Center heraus Meldungen für Facebook verfassen, Safari erhält eine Funktion für das Teilen von interessanten Links mit Freunden und im Game Center ist eine Funktion zum Teilen von Spielständen hinzugekommen. Auch die Kalender-App von iPad und iPhone lässt sich nun mit den Facebook-Events synchronisieren. Quelle: dapd
Siri Quelle: REUTERS
Apple Maps und Facetime Quelle: dapd
Bitte nicht stören!Auch eine neue Funktion bekommt das iPhone in den Einstellungen mit iOS 6. Anrufe und SMS werden damit lautlos. Bekommt der Nutzer einen Anruf, den er gerade nicht beantworten kann oder will, hat er außerdem zwei neue Optionen: „Erinnere mich später“ oder „Antworte mit einer SMS“ stehen zu Auswahl. Die App stellt dabei ein paar SMS-Bausteine wie „Ich rufe dich später zurück“ zur Auswahl. Quelle: Reuters
Passbook verwaltet FlugticketsDaneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer kleinerer Neuheiten im Detail – unter anderem für die iCloud, Mail und eine neue Hörhilfe. Mit Passbook bekommt das iPhone außerdem eine neue App für das zentrale Verwalten von Flugtickets und anderen Coupons und Tickets. Aufgrund der Geo-Informationen via GPS zeigt das iPhone dabei automatisch das jeweils richtige Ticket auf dem Lockscreen zum Scannen an. Quelle: dpa
VorteileHard- und Software sind bei allen iOS-Geräten aufeinander abgestimmt – egal ob iPad, iPhone oder iPod touch. App-Programmierer kennen die Hardware für ihre Software genau und können sie gezielt darauf optimieren. Ein weiterer Vorteil ist die nach wie vor größte Auswahl an Apps: Programmierer schätzen iOS, da Apple-Nutzer für ihre Zahlungsbereitschaft bei Apps bekannt sind. Besonders groß ist der Vorsprung des iPads gegenüber den Tablets der Konkurrenz. Auf Android-Tablets optimierte Apps sind immer noch Mangelware. Die mit iOS 5 eingeführten iCloud sorgt für eine komfortable Synchronisierung aller Daten über verschiedene Geräte hinweg. Auch Backups lassen sich darüber im Internet speichern. Die Sprachsteuerung Siri ist die beste, die derzeit für Smartphones verfügbar ist - allerdings ist auch sie noch lange nicht alltagstauglich. Quelle: Reuters

Die Blamage beginnt mitten im Vortrag von Professor Mackscheidt. Plötzlich unterbricht etwas bis dato Unerhörtes die finanzwissenschaftliche Vorlesung des Kölner Universitätsprofessors. Es ist spät im Sommersemester 1992 und zum ersten Mal überhaupt erfüllt penetrantes Gedudel den Saal: Das Läuten eines Mobiltelefons. Meines Mobiltelefons. Mit ziemlicher Sicherheit bin ich der erste Handy-Störer, der je eine Vorlesung der altehrwürdigen Universität zu Köln entweiht hat. Vielleicht bin ich sogar der erste Handy-Störer in Köln überhaupt.

Es ist gerade mal ein paar Tage her, seit D1 und D2, die neuen Digitalfunknetze von Telekom und Mannesmann Mobilfunk, in Betrieb gegangen sind. Und ich – damals noch VWL-Student in Köln und angehender Journalist – teste die neue Technik für ein Kölner Wirtschaftsmagazin. Im Vertrauen darauf, dass einerseits zu diesem frühen Zeitpunkt bestenfalls ein paar Hundert D-Netz-Telefone in Betrieb sind und andererseits ohnehin niemand meine Rufnummer kennt, habe ich mein Testgerät in die morgendliche Vorlesung mitgenommen.

Tragbare Telefonzellen

An Handys oder gar Smartphones wagt damals noch niemand zu denken. Mein tragbares Telefon, ein Panasonic EB 2803, hat noch das Format einer veritablen Damenhandtasche und mit knapp zwei Kilogramm auch ein vergleichbares Gewicht. Tatsächlich füllt es meine lederne Überwurftasche, mit der ich an der Uni unterwegs bin, nahezu komplett aus. Nur ein Notizblock und eine alte Mitschrift passen noch daneben. Beides dämmt das Plärren aus dem Telefon-Lautsprecher kaum.

Aussitzen, denke ich mir. Einfach ignorieren. Schließlich kennt ja – außer mir – noch kaum niemand das Geräusch. Das inzwischen fast omnipräsente Telefon-Getöse von Hardrock bis Hundegebell kann sich Anfang der Neunzigerjahre niemand vorstellen. Und auch der Siegeszug von Nokias Standard-Klingelton, dem „Gran Vals“ des spanischen Musikers Francisco Tarrega aus dem 19. Jahrhundert, beginnt erst Jahre später. Und tatsächlich, in der Weite des Hörsaals ist die genaue Lage der Schallquelle nicht recht zu identifizieren. Alle, ich eingeschlossen, blicken (tatsächlich oder vorgeblich) suchend im Raum herum, bis – endlich – das Klingeln erstirbt. Der Anrufer hat aufgelegt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%