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3D-Drucker Wie 3D-Drucker unsere Wirtschaft verändern

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3D-Drucker sind eine Entwicklung voller sozialer Sprengkraft

Genauso könnte Bangladeschs Position als Schneiderei der Welt in Gefahr geraten, die sich das Land mit miesen Löhnen und einsturzgefährdeten Fabriken erkauft hat. Jedenfalls wenn eine jüngste Erfindung aus San Francisco markttauglich wird. Dort ist den Gründern von Electroloom eine sensationelle Weiterentwicklung des mechanischen Webstuhls gelungen: Sie spritzen Baumwoll- und Polyesterfasern auf eine T-Shirt-Form aus Aluminium. Ein elektrisches Feld zieht die Fasern an. Die verkleben unter Wärmezufuhr – fertig ist das nahtlose Hemd.

Produzieren wir erst einmal unsere Kleidung selber – preiswert, die Entwürfe ganz der eigenen Fantasie überlassen –, verlieren Hunderttausende Näherinnen in dem Armenhaus Südasiens den Job. Das verdeutlicht die Sprengkraft der additiven Fertigung. Experten der Beratung McKinsey zählen den 3D-Druck daher zu den zwölf Technologien, die die Welt verändern werden.

Was alles aus dem 3D-Drucker kommt
3D-gedrucktes Kleid
Obst muss nicht zwangsläufig auf Bäumen wachsen: Das britische Unternehmen "Dovetailed" hat nun einen 3-D-Drucker entwickelt, der auch Obst druckt. Das Gerät kombiniert dabei "Tröpfchen mit verschieden Geschmäckern", die dann mit Hilfe von Molekularküche zu einer Frucht geformt werden. Das bedeutet: Dem Fruchtmus wird Natriumalginat beigemischt. Am Wochenende wurde der 3D-Drucker im Rahmen der Tech Food Hack in Cambridge vorgestellt. Quelle: dpa
Hedwig Heinsmann, Architekt aus Amsterdam, will die Baubranche revolutionieren und vor allem umweltfreundlicher machen. Er arbeitet bei Dus Architects, einem Architekturbüro, das das erste Haus aus dem 3D-Drucker zu bauen versucht. Bisher stehen nur einige, 180 Kilogramm schwere Bauteile des Hauses. Innerhalb von drei Jahren soll daraus im Lego-Verfahren ein Haus mit 13 Räumen entstehen. Quelle: obs
In Wales haben Chirurgen ein Gesicht mit Teilen aus dem 3-D-Drucker repariert. Stephen Power hatte sich nach einem Motorradunfall den Oberkiefer, die Nase und die Wangenknochen gebrochen. Um die neue Gesichtsform möglichst realistisch darzustellen, haben die Ärzte einen CT-Scan von Powers Schädel gemacht, um daraus ein Modell zu drucken, auf dessen Grundlage Anleitungen und Platten gedruckt wurden. Durch diese Methode konnten die Knochen im Gesicht wieder an die richtigen Stellen gebracht und durch Platten zusammengesetzt werden. Seit dem Unfall war der 29-jährige so entstellt, dass er nur noch mit Sonnenbrille und Hut das Haus verlassen hat. Die Ergebnisse seien "vollkommen lebensverändernd", sagte Power dem Rundfunksender BBC. "An dem Tag, an dem ich aufwachte, konnte ich den Unterschied sofort sehen." - Die ganze Geschichte auf bbc.com Quelle: Screenshot
Das 3D-Drucker sogar Organe drucken können, ist nicht neu. Doch nun zeigt ein konkreter Fall, wie 3D-Druck leben retten kann. Der 14 Monate alte Roland Lian Bawi litt an einem schweren Herzfehler. Der kleine Junge hatte Löcher in der Herzwand, die sich nicht von alleine schließen wollten. Um die komplizierte Operation üben zu können, erstellte der Arzt Erle Austin ein perfektes Modell des erkrankten Organs. So konnte das Operationsteam vor dem schwierigen Eingriff die Abläufe trainieren. Die Behandlung verlief erfolgreich. Quelle: 3dprint.com Quelle: dpa
Gestatten: Das ist Toothless, der kleine blaue Drache. Sie kann zwar kein Feuer spucken, dafür aber ein kleines Mädchen sehr glücklich machen. Die siebenjährige Sophie hatte von ihrem Vater von all den wundersamen Sachen gehört, die schon mit 3D-Druckern hergestellt werden können, und schickte kurzerhand einen Brief an die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) mit der Bitte, einen Drachen für sie zu erschaffen. Die Forscher ließen sich nicht lange bitten und erschufen diesen kleinen blauen Drachen aus Titan für Sophie - sie war völlig aus dem Häuschen und möchte nun Wissenschaftlerin werden, wenn sie groß ist.
Zu Weihnachten wird gebastelt. Der Siemens Forscher Olaf Rehme hat dafür nicht Schere und Papier in die Hand genommen, sondern seinen 3D-Drucker angeworfen. Als private Spielerei druckt er Weihnachtsbäume aus superhartem Spezialstahl. Siemens stellt aus diesem Material Brenner für Gasturbinen her. Das Unternehmen nutzt die Technologie, um sich die komplexe Ersatzteil-Lagerung zu sparen. Außerdem lassen sich Formen drucken, die mit anderen Fertigungsmethoden unmöglich sind. Quelle: PR

Frische Zahlen der US-Analysten von Wohlers Associates bestätigen die Einschätzung. Die revolutionäre Drucktechnik verlässt das Experimentierstadium und wird zum boomenden Geschäft. Seit 2009 haben sich die Umsätze vervierfacht – auf mehr als vier Milliarden Dollar. Unternehmenschef Terry Wohlers ist sicher: „Der Durchbruch ist geschafft.“ Die Technologieexperten der Marktforschung IDTechEx sagen für 2025 Einnahmen von weltweit 20 Milliarden Dollar mit 3D-Druckern, dazugehöriger Software und dem Service voraus. Am stärksten zeigt sich der Umbruch im Konsumgüterbereich, wo 3D-Drucker den Wohlers-Zahlen zufolge nach dem Maschinenbau schon am zweithäufigsten eingesetzt werden. Auch Anwendungen in der Medizin legen stark zu.

Händler werden zu Fabrikanten

Allen voran den Händlern eröffnen sich neue Geschäftschancen. Sie können ihre Ware auf einmal im eigenen Laden herstellen: Optiker Brillengestelle, Juweliere Schmuck, Telefonläden Smartphonehüllen, Einrichtungshäuser Lampen oder Stühle und Tische. Auf der Möbelmesse Interzum in Köln waren solche Produkte Anfang Mai schon zu bestaunen.

3-D-Drucker Einsatzorte

Das New Yorker Start-up Normal hat in seinem Kopfhörer-Laden in Manhattan die eigene Fabrik schon integriert. Kunden vermessen per Handykamera ihre Ohrmuscheln und senden die Daten ins Geschäft. Oder sie fotografieren diese direkt dort. Ein 3-D-Drucker fertigt daraus passgenaue Ohrstöpsel. Lautsprecher und Elektronik setzen die Mitarbeiter per Hand ein; 48 Stunden nach der Bestellung können die Kunden ihre Kopfhörer abholen. Sie kosten nur 100 bis 200 Dollar statt der üblichen 2000 Dollar für vergleichbare Spitzengeräte. „Unsere Produkte kann sich jeder leisten“, schwärmt Gründerin Nikki Kaufman. „Und sie sitzen perfekt.“

Im Vergleich zu dem, was in den USA passiert, nehmen sich die Ansätze hierzulande bescheiden aus – zumindest bei Alltagsprodukten. Immerhin: Ein Selfie der besonderen Art bietet das Düsseldorfer Start-up Doob. Der Kunde lässt sich mithilfe eines speziellen Geräts rundum scannen. Nach zwei Wochen liefert die Firma eine lebensechte Figur nach Hause, ab zehn Zentimeter, bis lebensgroß. Ähnliche Angebote gibt es in vielen deutschen Großstädten.

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