3D-Drucker Wie 3D-Drucker unsere Wirtschaft verändern

Schuhe, T-Shirts und Handys aus dem 3D-Drucker: Verbraucher stellen ihre Wunsch-Produkte künftig einfach vor Ort selbst her. Welche Wirtschaftsprozesse das infrage stellt, wo es Geschäftschancen gibt.

3D-Drucker für den Hausgebrauch
Ein 3D-Drucker für 220 Euro: Der Micro 3D Printer wurde bereits im Februar 2014 vorgestellt, nun bietet das US-Unternehmen den M3D auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter an. Das Finanzierungsziel des kleinen, würfelförmigen 3D-Druckers lag bei 50.000 US-Dollar - es wurde innerhalb von elf Minuten erreicht. Mittlerweile wurden über 840.000 US-Dollar zugesagt. Die Finanzierungskampagne läuft noch bis zum 7. Mai 2014. Der 3D-Drucker wiegt rund 1 Kilogramm und kann per USB mit dem Computer verbunden werden. Er verarbeitet ABS, Nylon und PLA. Im Schmelzschichtungsverfahren und bei einem Bauraum von 11 x 11 x 12 cm wird nur der Druck von sehr kleinen Gegenständen ermöglicht. M3D will dabei unterschiedliche Kunststofffarben anbieten. Der Kunststoffdraht hat einen Durchmesser von 1,75 mm und wird von einer kleinen Spindel abgerollt, die sich im Gerät befindet. Eine Rolle mit 225 Gramm Druckmaterial soll etwa 12 US-Dollar kosten. Voraussichtlich wird der erste Druckerwürfel im November 2014 ausgeliefert. Quelle: Golem Quelle: Screenshot
140 Euro soll dieser winzige Freihand-3-D-Drucker in der Form eines Stiftes kosten. Damit können besonders feine Strukturen aus erhitztem Kunststoffdraht gemalt werden, dessen Ausgabe-Geschwindigkeit über zwei Tasten gesteuert werden kann. Die Herausforderung für die Entwicklung: Der Lix Pen soll über Kickstarter finanziert werden. Der Stift ist 16,4 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 1,4 Zentimeter - er wiegt 35 Gramm. Gefüllt wird der Stift mit einem Filament, also Fasern, die rund zehn Zentimeter lang ist und für zwei Minuten zeichnen ausreichen. Die Stromversorgung läuft über USB. Quelle: Golem.de Quelle: PR
Fertig montiert und flott einsatzbereit ist das Modell FreeSculpt von Pearl. Der Drucker kostet 800 Euro. Kompakte Formen lassen sich mit dem Gerät gut erstellen, bei feineren Gegenständen franst das Ergebnis häufig aus. Außerdem sind die einzelnen Schichten deutlich zu erkennen. Für den Preis verdient der Drucker trotzdem das Prädikat CHIP-Preistipp. Quelle: Presse
Ab 1000 Euro ist der iRapid zu haben. Das Modell produziert sämtliche Druckaufträge bis zu einem Volumen von 25 Zentimeter Breite, 15 Zentimeter Tiefe und 12 Zentimeter Höhe. Laut Hersteller ist das Gerät nahezu pannen- und wartungsfrei und hat ein nettes Extra eingebaut: Beim Drucken ist das Innenleben des Geräts beleuchtet, so dass man den Vorgang gut beobachten kann. Quelle: Presse
Für den Fabbster der Firma Sintermask blättern Käufer rund 1500 Euro hin. Dafür können Kunden das Gerät leicht in Betrieb nehmen. Die Grundfläche, auf der das Objekt entsteht, lässt sich leicht justieren. Allerdings ist das Druckmaterial komplizierter einzulegen als bei den Konkurrenzmodellen. Quelle: Presse
Der Ultimaker kostet etwas mehr als 2000 Euro und wirkt mit seiner Holzoptik rustikal. Wer Spaß daran hat, kann sich seinen Drucker selbst zusammenbauen. Ein CHIP-Redakteur braucht dafür etwa 16 Stunden. Für andere Bausätze braucht man schon mal 24 Stunden. Wer darauf keine Lust hat, kann sich seinen Drucker auch vormontiert bestellen. Im Test zeigten sich zwei Nachteile des Ultimaker: Zum Einen muss die Grundfläche häufig justiert werden. Zum anderen sind die Führungsstangen ein wenig zu lang. Foto: Mirko Tobias Schaefer/ Flickr Quelle: Presse
Testsieger ist der Replicator 2 der Firma Makerbot. Er kostet zwar 2350 Euro. Laut CHIP lohnt sich das Geld allerdings. Zwar wackelt die Kontrolleinheit, das Druckergebnis leidet aber nicht darunter. Besonders praktisch: Die Kalibrierung fällt leicht, weil das Gerät nicht mehr als die drei nötigen Einstellschrauben hat. Außerdem fährt der Druckkopf automatisch in die richtige Position. Ein Display zeigt an, welcher Schritt als nächstes folgt. Quelle: Presse

Schuhe zu kaufen kann ziemlich nerven. Man rennt von Geschäft zu Geschäft und findet am Ende doch nur ein Paar, das drückt, schlappt – und nicht so cool aussieht wie gedacht. So gesehen haben es Kunden der US-Start-ups Feetz und 3D Shoes besser. Sie vermessen ihre Füße daheim mit ihrer Smartphone-Kamera-App und schicken die Daten an die Hersteller. Zudem wählen sie Design, Farbe, Material und Sohle aus. Wenige Tage später erreicht sie ein Päckchen, darin die Schuhe, maßangefertigt in einem 3D-Drucker. Und mit Preisen von umgerechnet 50 bis 180 Euro je nach Modell nicht mal teuer.

Die neue Technologie hinter dem Service kann noch viel mehr: Mittlerweile lässt sich mit ihr fast jeder denkbare Gegenstand Schicht für Schicht aus Pulvern, Fasern oder geschmolzenen Kunststoffen herstellen: Fahrradrahmen, Nudeln, Gitarren, Turbinenschaufeln, Häuser, ja sogar Blutgefäße. Fachleute sprechen von additiver Fertigung. Der 3D-Druck erreicht damit ein neues Stadium. Jeder kann die Technik nun nutzen.

Umsätze vom 3-D-Druck boomen

Dahinter steckt ein zweifacher Zeitensprung. Das Verfahren führt zurück in die vorindustrielle Epoche, als Handwerker jedes Produkt individuell herstellten. Und es katapultiert den Replikator aus der Zukunft ins Jetzt. Das Gerät produziert in der Science-Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise“ fast alles aus dem Nichts – von der Tasse Tee bis zum Ersatzteil.

Maßgeschneiderte Schuhe aus dem Drucker

Nicht nur Start-ups, auch etablierte Konzerne stellen sich auf die disruptive neue Produktionstechnik ein. Denn das Zusammenwachsen von Herstellung und Verkauf bricht Branchenstrukturen auf und erzwingt neue Geschäftsmodelle. Zum Beispiel werden die Sportartikelhersteller Adidas und Nike, so die Pläne, 3D-Drucker in ihren eigenen Läden installieren. An einem Touchscreen bauen sich dort die Kunden einen Laufschuh zusammen, wählen ihre Lieblingsfarbe für das Obermaterial, entscheiden sich für eine Sohle und Schnürsenkel in schrägem Grün. Zwei Stunden später können sie das gute Stück abholen.

Was sich da bei Schuhen quasi auf leisen Sohlen anschleicht, hat das Potenzial zum Big Bang. Wenn Unternehmen und Konsumenten sich künftig ihre Produkte vor Ort ausdrucken können, dreht das die Globalisierung zurück.

Auswahl von 3D-Druck-Verfahren

Noch wird es etliche Jahre ein Nebeneinander traditioneller Massenproduktion und additiver Einzelfertigung geben, bevor sich die neue Technik komplett durchsetzt. Doch der Trend wird schon bald etwa Chinas heutige Rolle als billige Werkbank der Welt infrage stellen. Da ist sich Richard D’Aveni sicher, renommierter Wirtschaftsprofessor an der Business School des Dartmouth College in den USA. „Viele Produktionen wandern dann wieder zurück vor Ort, ob Schuhe, Spielzeug oder Elektronik.“

Selbst der Kauf des Smartphones könnte ganz anders ablaufen. Die Kunden erwerben bei Apple, Samsung und Co. nur noch Rechenchips und Software – das Gehäuse samt Display gestalten sie selbst und drucken es im 3D-Laden um die Ecke aus. Die riesigen Fabriken des umstrittenen Apple-Zulieferers Foxconn wären dann größtenteils überflüssig.

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