Amazon-Smartphone Warum das Fire Phone scheitern wird

Amazon bringt sein Fire Phone Ende September auch auf den deutschen Markt. In den USA ist das Gerät unbeliebt. Auch in Deutschland wird der Erfolg ausbleiben.

Das kann das Fire Phone von Amazon
Amazon-CEO Jeff Bezos hat das neue Smartphone Fire Phone vorgestellt. Das Besondere an dem Gerät: Eine Erkennungsfunktion namens "Firefly" (zu deutsch: Glühwürmchen). Quelle: AP
Innerhalb von einer Sekunde soll die Funktion so ziemlich alles erkennen - vom Buch über Fernsehsendungen bis zu Wein - und den Kunden natürlich gleich mit einem Link zu Amazon versorgen, wo er das entsprechende Produkt kaufen kann. Quelle: AP
Die Funktion kann bis auf die einzelne Serienfolge erkennen, welche Sendung gerade im Fernsehen läuft. Als "Second Screen" kann man sich über das Handy direkt mit Infos zu Schauspielern und dergleichen versorgen lassen. Sie funktioniert auch für Musik, Texte, Telefonnummern oder Kunstwerke. Quelle: AP
Sowohl bei „Firefly“ als auch bei der Display-Technik gibt es Schnittstellen für App-Entwickler. Das soll die Integration in verschiedene Anwendungen ermöglichen - so wird es eine App geben, die Informationen über Weine nach einem Foto des Etiketts anzeigt. Quelle: AP
Wenn man alles mögliche um sich herum zum shoppen abfotografiert, braucht das ziemlich viel Speicherplatz - doch auch dafür hat Amazon eine Lösung: Nutzern wird uneingeschränkter Online-Speicherplatz für Fotos geboten. Quelle: AP
Ein System aus vier Kameras rund um den Bildschirm verfolgt permanent die Kopf-Position des Nutzers und passt die Darstellung auf dem Display entsprechend an. Das soll eine nahezu dreidimensionale Optik ermöglichen. Infrarot-Sensoren folgen den Bewegungen auch in der Dunkelheit. An der Funktion sei vier Jahre lang gearbeitet worden, sagte Bezos. Quelle: AP
Das kommt zum Beispiel in der Karten-App zum Einsatz. Sie kann Häuser perspektivisch anzeigen, wenn man das Gerät zur Seite neigt. Quelle: AP
Als Service-orientiertes Unternehmen hat Amazon auf seinem Smartphone auch direkt einen Kontakt zum technischen Support eingebaut. Über die App "Mayday" kann man sich live per Videochat verbinden lassen. Quelle: AP
Im Vergleich zu anderen Spitzen-Smartphones ist das Fire Phone etwas dicker, verfügt über einen schwächeren Prozessor und ist mit einem weniger leistungsstarken Akku ausgestattet. Das Telefon hat einen 4,7 Zoll großen Bildschirm und eine 13-Megapixel-Kamera. Das Smartphone läuft wie schon die Kindle-Fire-Tablets mit einer abgenabelten Version des Google-Betriebssystems Android. Quelle: AP
Während Amazon bisher dafür bekannt war, seine Geräte deutlich günstiger als die Konkurrenz zu verkaufen und sich das Geld später über den Verkauf von Inhalten zurückzuholen, läuft es beim Fire Phone anders. Das Gerät kostet in den USA 199 Dollar mit einem Vertrag beim Mobilfunk-Anbieter AT&T und liegt damit auf dem Niveau anderer Premium-Smartphones. Ohne Vertrag ist es ab 649 Dollar zu haben. Quelle: AP
Das Fire Phone kommt Ende Juli aber zunächst nur in den USA auf den Markt. Amazon äußert sich nicht zu einem möglichen Start in Deutschland. Quelle: AP

Ab dem 30. September wird Amazon sein Fire Phone auch in Deutschland verkaufen. Vor rund zweieinhalb Monaten ging das Gerät in den USA an den Start - und  konnte dort bisher nur wenige Käufer an sich binden. Wird es nun in Deutschland besser laufen? Vermutlich nicht.

Eine Hürde hat sich Amazon selbst in den Weg gestellt: Das Fire Phone wird ausschließlich über die Telekom vertrieben, und das voraussichtlich für ein ganzes Jahr. Zudem sind die Geräte dann mit einem SIM-Lock versehen und lassen sich in anderen Netzen nicht verwenden. Je nach Tarif kostet das Gerät zwischen einem bis zu 59 Euro – Vertragskosten nicht eingerechnet. Dafür gibt es ein Jahr Mitgliedschaft beim Amazon-Prime-Dienst kostenlos dazu.

Vollmundige Versprechen

Die Leistungsversprechen von Amazon klingen vielversprechend: Ein schneller 2,2 Gigahertz-Prozessor, 13-Megapixel-Kamera mit Bildstabilisator, lange Akkulaufzeit und HD-Videoaufnahmefunktion sollten für ein System stehen, das seinen hohen Verkaufspreis von bis zu 649 Dollar rechtfertigt. Zudem wirbt Amazon mit allerlei Eigenentwicklungen.

Das können die aktuellen Smartphones
LG G4LG Electronics hat am 28. April sein neues Flaggschiff G4 vorgestellt. Punkten wollen die Koreaner etwa mit einer innovativen Kamera, die 80 Prozent mehr Licht auf den Bildsensor leitet als beim Vorgänger-Modell. 16 Megapixel Auflösung und ein weiterentwickelter Bildstabilisator sollen für hochwertige Fotos sorgen. Für gute Selfies ist eine acht MP Frontkamera verbaut. Damit dafür auch genügend Speicherplatz zur Verfügung steht, kommt das LG 4 mit 32 GB internem Speicher daher, der durch eine MicroSD-Karte auf bis zu zwei Terabyte erweitert werden kann. Der Bildschirm ist 5,5 Zoll groß und soll deutlich heller und kontraststärker sein, als das Vorgängermodell, zudem bietet er laut LG eine bessere Farbtreue und Berührungsempfindlichkeit. Pluspunkt: Der Akku ist austauschbar, er bringt 3000 mAh Leistung. Als Prozessor ist ein 808 Snapdragon an Bord. Das Gerät wird in verschiedenen Materialien erhältlich sein: Es gibt eine Leder-Variante und eine Ceramic-Version (hier im Bild) jeweils in mehreren Farben. Ein Preis wurde noch nicht bekannt gegeben. Quelle: Presse
Sony Xperia Z4 Quelle: REUTERS
Huawei P8Ein neues Design und eine leistungsstarke Kamera - mit diesen Features kann das neue P8 von Huawei die Kritiker überzeigen. Es ist billiger als die Konkurrenz von Apple und verspricht in etwa die gleiche Leistung. Das Smartphone gibt es in Grau, Champagner, Weiß und Gold. Jedes zweite Smartphone in Deutschland ist aktuell ein Samsung-Gerät. Nur jedes vierte Smartphone in Deutschland ist derzeit ein iPhone. Geräte der Hersteller Sony, Nokia, HTC, LG und Huawei hingegen spielen unter deutschen Smartphone-Nutzern kaum eine Rolle. Quelle: Presse
Xiaomi Mi Notes Der chinesische Smartphonehersteller Xiaomi hat am 15. Januar die Oberklasse-Smartphones Mi Note und Mi Note Pro vorgestellt, die dem iPhone 6 in den USA Konkurrenz machen sollen. Das Display des Mi Note schlägt das iPhone 6 mit 5,7 Zoll zu 5,5 Zoll, der Bildschirm hat eine Pixeldichte von 386 ppi und ein LCD-Panel für einen höheren Kontrast. Die Kamera an der Rückseite verfügt über 13 Megapixel, die an der Vorderseite über vier Megapixel. Der interne Speicher fasst 16 GByte und lässt sich nicht per microSD-Karte erweitern. Der Preis liegt bei umgerechnet rund 319 Euro. o Das Mi Note Pro kostet 458 Euro, ist aber auch noch etwas besser ausgestattet: Die Pixeldichte beträgt 515 ppi, das Speichervolumen 64-GByte. Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy A7Samsung hat mit dem A7 ein superflaches und nur 141 Gramm schweres Smartphone in Alu-Gehäuse vorgestellt. Mit 6,3 Millimetern ist es noch dünner als das aktuelle iPhone 6 mit 6,9 Millimetern. Es sei eines der flachsten Samsung-Smartphones aller Zeiten, teilte der Hersteller in seinem Blog mit. Das Handy hat ein 5,5 Zoll großes Super Amoled Display. Als Betriebssystem ist Android KitKat (4.4) an Bord. Samsung verspricht mit acht leistungsstarken Prozessoren flüssiges Surfen und Nutzen von Apps, vor allem für den Austausch in den Sozialen Medien. Eine 5-Megapixel-Frontkamera sorgt für Selfies in ordentlicher Qualität, deutlich stärker ist die Kamera an der Rückseite mit 13 Megapixeln. Für bessere Selfies ist der "Auto Selfie"-Modus da, mit dem per Sprachbefehl oder einem Wink mit der Hand die Kamera ausgelöst werden kann. Ein 2600 mAh starker Akku soll für Ausdauer sorgen. Wie bei Samsung üblich, wurde sich über Preis und Marktstart noch ausgeschwiegen. Händler und IT-Portale vermuten, dass das Smartphone gegen Ende des ersten Quartals für um die 500 Euro in die Läden kommen wird. Quelle: Samsung
Samsung Galaxy Note 4 LTE-A Quelle: AP
Samsung Galaxy A5 und A3Samsung hat die neue A-Serie vorgestellt. Die Smartphones haben ein Metallgehäuse; beide sind mit einer 5-Megapixel-Frontkamera ausgerüstet, um gute Selfies machen zu können. Passend dazu ist die neueste Kamera-Software an Bord, die mit dem Galaxy Note 4 eingeführt wurde und verschiedene spezielle Selfie-Einstellungen ermöglicht. Das A5 (im Bild) ist das größere, es kommt einem 5-Zoll-Display, 2 GB Arbeitsspeicher, einer 13-Megapixel-Kamera an der Rückseite und einem 2300 mAh starken Akku in den Handel. Der kleine Bruder A3 ist die abgespeckte Version mit einem 4,5-Zoll-Display, 1 GB Arbeitsspeicher, 6-Megapixel-Rückkamera und einem nur 1900 mAh starken Akku. Beide Smartphones laufen auf Android KitKat (4.4) und bringen NFC und LTE mit. Preis: noch unbekannt. Ab November sollen die Smartphones in Weiß, Schwarz, Silber, Pink und Blau verfügbar sein. Quelle: Samsung
Huawei Ascend Mate 7Huawei hat auf der Internationalen Funkausstellung Berlin das Ascend Mate7 präsentiert. Das Smartphone hat einen 6-Zoll-Bildschirm mit Full-HD-Display, einen leistungsstärkeren Octa-Core-Chipsatz und einen langlebigeren Akku mit 4100 mAh. Das Ascend Mate7 hat einen Huawei Kirin 925-Prozessor, der sich aus vier großen A15 1,8 GHz- und vier kleineren A7 1,3 GHz-Chipsätzen zusammensetzt. Diese werden in verschiedenen Konfigurationen aktiviert, abhängig vom Energiebedarf einer bestimmten App oder Funktion, damit das Smartphone sein eigenes Energiemanagement intelligenter meistern kann. Das spart bis zu 50 Prozent der Akku-Energie. Entsperrt wird das Smartphone per Fingerabdruck über einen Leser auf der Rückseite des Geräts. Preis: 499 Euro Quelle: REUTERS
Lumia 830 Quelle: PR
Lumia 730 Dual SIM und Lumia 735 Quelle: PR
Sony Xperia E3Zusätzlich zu seinen Hochleistungshandys liefert Sony in Kürze das Xperia E3, ein LTE-fähiges Smartphone mit kleinem Funktionsumfang. Das Gerät mit 4,5-Zoll-Display wurde mit einem 1,2-Gigahertz-Prozessor, einem Gigabyte Arbeitsspeicher, Fünf-Megapixel-Kamera sowie gerade einmal zwei Gigabyte internem Speicher ergänzt. Dieser lässt sich bei Bedarf allerdings mit Hilfe von Speicherkarten erweitern. Zudem sind NFC, LTE, Bluetooth und Wlan mit an Bord. Ein deutlicher Pluspunkt des E3 ist der geringe Preis. Preis: 179 Euro Quelle: PR
Sony Xperia Z3 Quelle: PR
Galaxy Note Edge Quelle: PR
Samsung Galaxy Note 4 Quelle: PR

Der "Firefly"-Knopf, mit dessen Hilfe man Filme, Musik und Produkte erkennen lassen kann. Die Displaytechnologie "Dynamic Perspective", bei der das Gerät auf Bewegungen automatisch reagiert und sogar die Kopfbewegungen mit einbezieht. Das angepasste FireOS, das die Nutzung angenehmer machen soll. Die integrierte Anbindung an alle Amazon-Dienste, unter anderem ein kostenloser Zugang zum Prime-System inklusive Gratis-Videostreaming.

Neben der Anbieterbindung gibt noch einige andere Punkte, die die Popularität des Geräts schmälern werden. Zwar setzt Amazon beim Betriebssystem auf Android, dieses lässt sich in der von Amazon genutzten und angepassten Variante Fire OS nicht mehr spüren: Apps aus dem Google Play sind beispielweise nicht nutzbar, der Nutzer ist auf die von Amazon und einigen Drittanbietern angebotenen Anwendungen angewiesen.

Unnötige Spielereien

Die beiden Schlüsselfunktionen Dynamic Perspective und Firefly werden von den meisten Testern lediglich als nette, aber letztlich unnötige Spielerei angesehen. So sorgt Dynamic Perspective mit seiner über Sensoren gesteuerten Bildanzeige bei empfindlichen Testern offenbar für eine leichte Reisekrankheit, ihnen wurde angesichts der Bildbewegung übel.

Zudem fehlen aktuell passende Anwendungsbereiche: Außer einer Handvoll Spiele und der Karten-Anwendung wird die Technologie bisher nicht genutzt. Firefly soll laut Herstellerangaben sowohl Musik und Filme als auch Produkte und QR-Codes erkennen. Die Erfolgsquote ist mit 75 Prozent aber noch ausbaufähig. Moniert wird von den meisten Testern die geringe Geschwindigkeit der Funktion und die fehlende Korrektheit der Ergebnisse.

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Zudem soll die Akkulaufzeit des Amazon-Smartphones nicht besonders gut sein. Angeblich soll es bis zu 22 Stunden im Telefoniemodus erreichen, dies geht aber laut diverser Tester nur dann, wenn ein Großteil der anderen Funktionen deaktiviert wird.

Auch in Deutschland wird es Amazon sicher nicht einfach haben, den Markt mit dem Fire Phone zu begeistern - zumindest so lange sie bewusst auf einen Provider setzen und das System so geschlossen halten, wie es derzeit der Fall ist.

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