Apple-Event Tim Cooks große Parade

Neue iPhones, ein gigantisches iPad und ein überholtes Apple TV: Apple fährt eine Menge fürs Weihnachtsgeschäft auf. Anleger beeindruckte das Feuerwerk nicht. Denn das wichtigste Produkt hebt sich nicht stark genug ab.

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Auf das „one more thing“ – die Überraschung am Ende von Apples Produktshow - verzichtete Tim Cook diesmal. Den Schluss der knapp zweistündigen Vorstellung in San Franciscos Bill Graham Konzerthalle überließ der Apple-Chef der Band „One Republic“. Um sich dann persönlich um die Ehrengäste Spencer Stone und Anthony Sadler zu kümmern. Die beiden US-Soldaten hatten kürzlich einen Terroranschlag auf einen französischen Zug vereitelt und waren zur Produktpremiere geladen worden.

Cook und seine Führungscrew präsentierten eine Menge Produkte - allerdings keine Überraschungen. Was nicht ohnehin offensichtlich war, wie die neue Generation von iPhones mit verbesserter Kamera und druckempfindlicherem Bildschirm, war bereits vorher durchgesickert.

Ebenso das iPad Pro, das auf seinem 12,9 Zoll Display soviel darstellen kann, wie zwei iPads in Normalgröße. Oder die Neuauflage der Apple TV Box, die nun nicht nur Filme und Fernsehserien streamen kann, sondern dank leistungsfähigerem Prozessor und verbesserter Fernbedienung auch als Spielekonsole fungiert. Die im April gestartete Apple Watch wird nur modisch mit neuen Farbversionen und einem Lederarmband vom Luxuslabel Hermes aufgefrischt. Weiterentwicklungen von bestehenden Produkten also, Hausmannskost statt Delikatessen.

Apple startet ohne Frage mit einem soliden Produktportfolio ins Weihnachtsquartal, das vermutlich im Oktober mit neuen iMacs verstärkt werden wird. Trotzdem fiel die Aktie nachbörslich um zwei Prozent. Denn im Apple-Konzern dreht sich alles ums iPhone. Zwangsläufig, denn es steuert 70 Prozent des Konzernumsatzes bei und etwas über die Hälfte des Profites.

Wie stark diese iPhone-Sonne strahlt, ist entscheidend in Apples Universum. Und da stellte sich bei der Präsentation am Mittwoch einfach keine rechte Leuchtkraft ein. Das iPhone 6s ist zwar mit neuer Technik und Funktionen ausgestattet, laut Cook „völlig neu erfunden“. Es ist ab 12. September bestellbar und soll ab 25. September verkauft werden.

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Doch es ist rein äußerlich von seinen Vorgängern nicht zu unterscheiden. Mit der Ausnahme einer Version in der Trendfarbe roségold vielleicht. Doch der Kontrast zu den Vorjahresmodellen, die mit ihren größeren Displays einen offensichtlichen Grund zum Upgraden offerierten, ist diesmal ungewöhnlich klein.  Zumindest vom Antlitz her.

Das ist ein Dilemma. Zumal Apple die S-Reihe tatsächlich mit neuen und nützlichen Fähigkeiten ausgestattet hat. Da Smartphones immer mehr zu Digitalkameras mit Telefoniefunktion mutieren, ist die wichtigste Neuerung eine 12-Megapixel-Kamera, die nun auch 4K Videos aufnehmen kann und deren neuer Sensor realistischere Bilder verspricht. Mit „LivePhotos“ lassen sich Aufnahmen animieren, indem vor und nach dem Auslösen weitere Bilder aufgezeichnet werden. Ein netter Effekt, der allerdings die Größe der Bilddatei verdoppelt.

Wie gut die Kamera ist, konnte ich am Mittwoch nicht testen. Dafür aber das sogenannte 3D Touch, ehemals Force Touch, das auch in der Apple Watch eingesetzt wird. Das Display erkennt dabei, wie stark der Finger drückt. Wird länger gepresst, öffnet sich ein Kontextmenü. Ein stärkerer Fingerdruck zeigte mir E-Mails in einer Vorschau an, ohne diese öffnen und dabei wieder zurück ins Postfach navigieren zu müssen. Ähnliches funktionierte bei Kurznachrichten, wo ich direkt aus einer Nachricht Termine anlegen oder zu einem Treffpunkt navigieren konnte. Die meisten Apple-Apps unterstützen diese Zusatzfunktion, die auch Entwicklern offensteht. Facebook hat sie bereits umgesetzt.

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Was ich erst als Spielerei abtun wollte, spart tatsächlich Zeit. Vor allem aber wird man die Funktion tatsächlich nutzen, da sie einer rechten Maustaste ähnelt und damit vertraut ist. Bei Apples Notebooks hatte ich schon nach der ersten Einführung vergessen, was das Streichen von drei Fingern übers Touchpad bewirkt.

Reichen eine verbesserte Kamera, schnellerer Prozessor und 3D Touch aber wirklich aus, um vom Kauf eines Neugeräts zu überzeugen? Zumal der Nachfolger in zwölf Monaten sich optisch wahrscheinlich wieder stärker absetzt? Zweifel sind angebracht. Zumindest in den USA hilft Apple vorsorglich mit einem Leasing-Programm nach. Für 32 Dollar im Monat garantiert es den Tausch des Gerätes auf ein Exemplar der neuesten Generation.

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