WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Apple Watch gegen Pebble So schlägt sich der Smartwatch-Underdog

Smartwatch im WiWo-Test: Die vernetzten Pebble-Uhren pflegen ein Underdog-Image. Doch der Vergleich mit der Apple Watch zeigt: Weniger ist mitunter mehr.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Quelle: PR

Von solch einem Marktstart träumt jeder Gründer: Die Computeruhren des kalifornischen Startups Pebble hatten schon Kult-Status, da kursierten von Apples Smartwatch nicht mal Gerüchte.

100.000 Dollar wollte Pebble-Günder Eric Migicovsky vor gut drei Jahren auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter für den Produktionsanlauf seiner vernetzten Uhren einwerben – und fand binnen Tagen Investoren für die bis dato unerreichte Rekordsumme von 10,3 Millionen Dollar. Und auch die zweite Auflage des smarten Zeiteisens, das im Februar dieses Jahres präsentierte Modell Pebble Time, markierte mit 20,3 Millionen Dollar erneut Kickstarter-Rekord.

Fitnesstracker und Handyersatz: Was Smartwatches können

Dabei ist die Pebble ihr Alleinstellungsmerkmal mittlerweile los: Seit diesem Frühjahr flutet der Elektronik-Gigant Apple den Markt mit seiner eigenen Computeruhr, und mit der Vertriebspower eines Milliardenkonzerns. Bis Jahresende dürften sich „gut 15 Millionen Stück der Apple Watch verkaufen“, kalkuliert Annette Zimmermann, Expertin für Mobilgeräte beim Marktforscher Gartner.

Und betrachtet man nur die Verkaufszahlen so ist das Ergebnis mehr als eindeutig: 10 zu 1 – für Apple. Migicovsky, so die Schätzungen, wird es mit seinen Pebbles bis dahin auf vielleicht ein Zehntel der Stückzahlen bringen. Was trotzdem ein respektables Resultat ist. Schließlich hat Migicovsky seine  Pebble, zu deusch „Kieselstein“, ohne Konzern im Rücken auf den Markt gebracht.

Und was überhaupt, sagt Apples Dominanz aus? Ist der Durchmarsch tatsächlich Ausdruck technischer Überlegenheit oder doch nur der Stärke von Marke und Vertrieb? Ist die aktuelle Pebble-Generation (noch) konkurrenzfähig? Oder ist sie womöglich gar die bessere Wahl?

Der Vergleich

Ich habe beide Uhren in mehrwöchigen Trageversuchen auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Zum einen das aktuelle Topmodell von Pebble, die in ein Edelstahlgehäuse gepackte Time Steel für knapp 300 Euro. Zum anderen die (jedenfalls in Grundzügen) vergleichbare Apple Watch, das Modell Sport aus Aluminium in der Version mit 42-Millimeter-Gehäuse für 450 Euro. Daneben gibt es die Pebble Time auch noch in einer Version mit Kunststoffgehäuse für 250 Euro.

Apples Uhren beginnen in der Edelstahl-Version bei 650 Euro und steigern sich preislich in den Edition-Versionen auf bis zu 13.000 Euro – im einen wie im anderen Falle unterscheiden sich die Einsteiger- funktional allerdings nicht von den Luxus-Varianten.

Akku-Test und Display-Check

Keine Frage, die technischen Eckdaten sprechen für den eleganten Handschmeichler von Apple. Dessen Display etwa löst Bilder fünfmal feiner auf. Dazu misst die iUhr Luftdruck und Puls oder gibt auf Wunsch Musik drahtlos über Kopfhörer wieder. Mit derlei Finessen kann die Pebble nicht aufwarten, selbst wenn auch darin beispielsweise diverse Bewegungssensoren verbaut sind, die die Uhr in Kombination mit entsprechenden Apps beispielsweise in einen elektronischen Schrittzähler verwanden. Dennoch, an die – zumindest zeitweilige – Leistungsfähigkeit der Apple-Uhr reicht die Pebble nicht heran.

Die Faszination der iUhr allerdings verblasst schlagartig, wenn die Uhr nach einem Tag den Dienst quittiert, weil der Akku leer ist. Selbst wenn Apple mit der Neuauflage des WatchOS genannten Betriebssystems seiner Uhr erkennbar am Energiemanagement gefeilt hat, nach spätestens einem Tag Gebrauch bleibt das Display ohne Nachladen dunkel.

Die Pebble Steel in Silber. Quelle: Presse

Die Pebble dagegen hielt – einmal mit dem eigenen Smartphone per Funk gekoppelt – stets mehr als eine Woche durch. Und das, obwohl ich mir jede am Handy eingehende SMS, jeden Tweet und jeden Facebook-Kommentar auf dem Uhren-Bildschirm habe anzeigen lassen und Apps wie den Tankstellenfinder oder die Fußball- und Nachrichtenticker eifrig genutzt habe.

Ein Schlenker bringt Erleuchtung

Und was hilft das schärfste Apple-Display, auf dem ich Tweets, Zeitungsmeldungen oder Fotos zwar auch nur im Briefmarkenformat, dafür aber beeindruckend hochauflösend und in 16,7 Millionen Farbabstufungen ansehen kann, wenn der Mikrobildschirm im strahlenden Sonnenlicht verblasst?

Das Display der Pebble stellt mit seiner e-Ink-Bildschirmtechnologie gerade einmal 64 Farben dar, Schriften und Symbole wirken zudem merklich pixeliger. Dafür kann ich es das Display umso besser ablesen, je heller es draußen ist. Im Dunklen reicht ein Schlenker mit dem Handgelenk, damit die Beleuchtung den Bildschirm erstrahlen lässt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Die Limitationen verschmerze ich gern, denn dafür ermöglicht das stromsparende Display mit elektronischer Tinte eine unschlagbar gute Nutzungsdauer. Und um Informationen wie die Abfahrtszeit meines Zuges zu erkennen oder den Namen von Anrufern zu lesen, auf die mich die Uhr am Handgelenk mit Vibrationen und blinkendem Bildschirm aufmerksam macht, dafür reichen Auflösung und Farbenvielfalt der Pebble allemal aus.

Rund 150 Euro beträgt der Preisunterschied der beiden getesteten Uhren. Gemessen an der technischen Ausstattung mag der Aufschlag von 50 Prozent für die Apple Watch sicher gerechtfertigt sein. Für mich aber ist die Pebble trotzdem die bessere Wahl, nicht nur wegen Preis und Akkulaufzeit. Denn sie funktioniert nicht nur mit iPhones, sondern auch mit jedem Handy auf dem – wie bei mir – Googles Android-Software läuft. Damit nämlich lässt sich Apples Watch nicht mal für viel Geld koppeln.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%