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Cédric Hutchings "Die Gesundheit steuern"

Gewicht und Blutdruck im Internet posten? Der Chef von Withings meint Ja und will so die Medizin umkrempeln.

Der Chef von Withings im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Kmeron for LeWeb12 Conference, Paris

Herr Hutchings, die Blutdruckmesser und Waagen von Withings übertragen ihre Daten ins Internet. Warum soll jemand diese Werte ins Netz stellen?

Wenn wir Gesundheitsdaten online verfügbar machen, müssen wir auch sicherstellen, dass die Werte die richtigen Personen erreichen – diejenigen, die dem Nutzer helfen. Immer wieder sterben Menschen, weil Gesundheitsdaten nicht geteilt werden. Das wollen wir ändern. Natürlich müssen wir vorsichtig sein. In Europa und den USA kann es passieren, dass eine Versicherung einen potenziellen Kunden ablehnt, weil er ein bestimmtes Verhaltensprofil nicht erfüllt.

Wie verändern solch vernetzte Geräte unser Leben?

Sie sind ein erster Schritt in Richtung einer profunden Revolution im Gesundheitswesen. Sie werden die Art verändern, wie wir mit unserem Arzt interagieren. Er wird nicht mehr der sein, zu dem wir gehen, wenn wir krank sind. Er wird derjenige sein, der unsere Gesundheit steuert und dafür sorgt, dass wir gesund bleiben.

Wie der Mensch in kleinen Schritten zum Cyborg wird
Brillen-SchlangeGoogles Datenbrille Glass verwandelt Models auf einer Modenschau in New York in Cyber-Wesen. Wer die Brille haben will, muss sich bewerben. Preis: ca. 1.100 Euro. Quelle: dapd
Kinder-ÜberwachungDas Sensorhemd Mimo Baby Monitor vom US-Anbieter Rest Devices erfasst Atemfrequenz, Temperatur, Liegeposition und Aktivität des Kindes. Preis: ca. 145 Euro Quelle: Presse
Bewegungs-MelderDas Konzept-Sportshirt Move der amerikanischen Modedesigner von Electricfoxy korrigiert mit Vibrationen die Körperhaltung von Golfern oder Yoga-Schülern. Preis: unbekannt Quelle: Presse
Quassel-KastenDer Anstecker von Sigmo übersetzt Gesprochenes via Smartphone in 25 Fremdsprachen. Preis: ca. 47 Euro Quelle: Presse
Schlaf-VermesserDas Armband Flex vom US-Startup Fitbit misst die Schlafdauer, zählt Schritte, die zurückgelegte Strecke und verbrannte Kalorien. Preis: ca. 100 Euro Quelle: Presse
Finger-FernbedienungDer Daumenring Fin des indischen Herstellers RHLvision verwandelt die Hand in eine Steuerkonsole für Smartphones, Fernseher und mehr. Preis: ca. 87 Euro Quelle: Presse
Karten-KlunkerDer Funkchip-Ring des Startups The Ring Theory dient in Bostons U-Bahn als Fahrkarte. Quelle: Presse

Wie macht er das?

Blicken wir in ein paar Jahren etwa auf heute übliche Blutdruckmessgeräte und Waagen zurück, werden wir uns fragen, wozu sie eigentlich gut waren, wenn sie nicht mit dem Internet verbunden waren. Es wird für uns bei einem Arztbesuch selbstverständlich sein, dass der Mediziner Daten über einen längeren Zeitraum vor sich hat, um zu erkennen, wie sich unser Zustand verändert hat. Arzt und Patient müssen die frühen Signale einer Krankheit erkennen können, weit bevor sich jemand schlecht fühlt.

Was tun Sie, damit Ihr Kunde nicht nach zwei Wochen die Lust am neuen Gerät verliert?

Es gibt viele Wege, Menschen zu motivieren. Wir machen das in Form eines spielerischen Wettbewerbs. Die Nutzer treiben sich gegenseitig an. Das funktioniert aber nicht bei jedem. Andere wollen die Differenz zwischen dem gewünschten und dem tatsächlichen Gewicht der Öffentlichkeit twittern. Manche würden das nie tun, aber für einige ist der soziale Druck motivierend, der so entsteht. Elektronik aus dem Konsumbereich wird so relevant im Gesundheitswesen. Patienten zeigen ihren Ärzten die Technik, früher empfahl der Arzt dem Patienten ein Gerät.

In Arbeit
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Speichern Sie die Daten Ihrer Kunden?

Wir besitzen die wahrscheinlich größte Datenbasis weltweit, die Informationen zum Gewicht mit denen zum Blutdruck verbindet. Wir verarbeiten diese Informationen und finden sehr interessante Dinge heraus. Es gibt etwa eine klare Korrelation zwischen der Angabe, wie oft ein Nutzer die Geräte einsetzt, und der Chance, sein Zielgewicht zu erreichen.

Sie verkaufen Ihre Produkte nur im Internet, etwa im Apple Store und bei Amazon, warum nicht in Apotheken oder Drogerien?

Zurzeit konzentrieren wir uns auf technikaffine Kunden. In den nächsten zwei Jahren allerdings wollen wir richtig in den Massenmarkt einsteigen. Es wird dann eine breite Palette an Produkten mit sehr verschiedenen Preisen geben.

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