Das Auf und Ab bei Apple Rekord beim iPhone 5-Verkauf in China

Apple hat mit seinem iPhone 5 in China einen Verkaufsrekord aufgestellt. In nur drei Tagen seien mehr als zwei Millionen Geräte im Reich der Mitte verkauft worden, berichtete das Unternehmen am Montag. Dabei kam es allerdings nicht zum üblichen Tumult vor den Apple-Stores. Ein Widerspruch?

So sieht das neue iPhone aus
Apple-CEO Tim Cook betrat pünktlich um 19 Uhr die Bühne. Quelle: REUTERS
Entgegen aller Erwartungen leitete er schon nach wenigen Minuten die Präsentation des iPhone ein. Quelle: REUTERS
Marketingchef Phil Schiller stellte die Leistung des neuen iPhone5-Akkus vor. Quelle: REUTERS
Wie erwartet, wird es beim iPhone 5 einen neuen Stecker geben. Apple will entsprechende Adapter anbieten. Quelle: REUTERS
Von größter Relevanz beim neuen iPhone hat sicherlich die Möglichkeit, via LTE zu surfen. Quelle: REUTERS
Dank neuer Kamera-Technik lassen sich Panorama-Bilder qualitativ hochwertiger schießen. Quelle: dapd
Scott Forstall stellt die Software iOS 6 anhand eigener Apple-Karten und dazugehörigen Features vor. Damit hat sich das Unternehmen von Google-Maps verabschiedet. Quelle: dapd
Das iPhone 5 ist das dünnste Apple-Smartphone aller Zeiten. Quelle: REUTERS
Der Metallrücken soll das Smartphone stabiler machen als seinen Vorgänger. Quelle: REUTERS
Ab 21. September wird das iPhone 5 auch in deutschen Geschäften zu kaufen sein. Quelle: dapd
Zum Abschluss des großen Events in San Francisco spielte die Rock-Band Foo Fighters mit Frontmann Dave Grohl. Quelle: REUTERS

Lange Schlangen, viel Getümmel, jubelnde Massen und Volksfestatmosphäre vor den Stores – so sieht normalerweise ein Verkaufsstart bei Apple aus. In China lief dieser am Freitag hingegen relativ verhalten an. So schien es zumindest. Doch dahinter steckt Methode.

Laut Börsenguru Gene Munster vertreibt Apple seine neuen Geräte in China zum Verkaufsstart vor allem über ein Reservierungssystem im Internet. Dadurch bleiben die Stores auch bei der Einführung neuer Produkte relativ leer. Das Unternehmen aus Cupertino hat sich für diese Methode entschieden, nachdem es beim Start des iPhone 4 und 4S zur Unruhen unter den wartenden Fans gekommen war. Erstmals probierte Apple das neue System beim Verkaufsstart des iPad 3 aus. Um Ausschreitungen zu vermeiden, verzichtet das Unternehmen in China auf die werbewirksamen Pressebilder der jubelnden Apple-Jünger.

"Die Reaktion der chinesischen Kunden war unglaublich"

Trotzdem geisterten am Wochenende einige Gerücht durch die Medien, dass der Start eher schleppend angelaufen sei. Apple-Chef Tim Cook trat diesen Meldungen am Montag selbstbewusst entgegen: „Die Reaktion der chinesischen Kunden auf das iPhone 5 war unglaublich, so dass ein Rekord für das beste Verkaufswochenende in China aufgestellt wurde“, sagte er. Schon bei den Vorbestellungen hatte sich ein Erfolg abgezeichnet. Laut China Unicom seien 300.000 Vorbestellungen für das iPhone 5 eingegangen. Beim iPhone 4S waren es 100.000 weniger gewesen.

Dieser Erfolg war wichtig, denn auf dem schwierigen chinesischen Smartphone-Markt war Apples Marktanteil im dritten Quartal dieses Jahres vom vierten auf den sechsten Platz abgerutscht. Nicht zuletzt durch die starke Konkurrenz von Samsung. China ist der zweitgrößte Markt für Apple, hier zu punkten entsprechend wichtig.

Wie das iPhone entstanden ist
Der Patentstreit zwischen Apple und Samsung führte dazu, dass Apple Prototypen und Skizzen aus der Entstehungsgeschichte des iPad und iPhones bekannt gegeben hatte. In der Entstehungsgeschichte dieser Geräte hatte Apple deutlich innovativere und bessere Zeiten erlebt. Quelle: dpa
Der südkoreanische Konkurrent habe die bewusste Entscheidung getroffen, die Apple-Geräte im Detail zu kopieren, sagte Anwalt Harold McElhinny in der Eröffnungs-Erklärung. Als Beleg demonstrierte er den Geschworenen Fotos von Samsung-Geräten vor und nach der Vorstellung des iPhone.
Die Südkoreaner konterten, Apple habe iPhone und iPad auf fremden Ideen aufgebaut und das Design sei gar nicht so innovativ gewesen. Als Beispiele nennen die Südkoreaner unter anderem das zeitgleich vorgestellte „Prada“-Handy von LG und haben sich zuletzt besonders auf eine angebliche Sony-Spur eingeschossen. Im Februar 2006 soll Apple Manager Tony Fadell Steve Jobs und Apple-Chefdesigner Jonathan Ive auf Sonys Designsprache aufmerksam gemacht haben, in der Folge sei der japanische Designer Shin Nishibori mit der Gestaltung von Entwürfen beauftragt worden.
Im Prozess wurden auch viele Prototypen von Apple gezeigt - ein interessantes Detail ist der iPod-Schriftzug darauf.
Als erster Zeuge erzählte Apple-Designer Christopher Stringer, der Kern des Design-Teams sei nur etwa 15 Personen stark und entwickele neue Ideen gemeinsam an einem großen „Küchentisch“.
Das iPhone zu konstruieren und zu bauen sei eine erhebliche technische Herausforderung gewesen, sagte er. Dabei seien viele Ideen verworfen worden, bis schließlich eine „perfekte“ Form gefunden worden sei.
Ein besonders stark abweichender Entwurf ist dieser achteckige Prototyp.
Viele Entwürfe wurden im Laufe des Entwicklungsprozesses auch verworfen: So auch dieses Modell mit der markanten Aussparung.
Laut Apple-Zeuge Stringer sei auch Apple-Gründer Steve Jobs nervös gewesen, ob es angesichts des damals ungewöhnlichen Designs von den Nutzern angenommen werde.
Die Verhandlung förderte erstmals den Anteil von Samsung-Bauteilen an Apple-Geräten zutage: Laut Samsung-Anwalt Verhoeven machen Komponenten der Südkoreaner 26 Prozent vom Preis der Bauteile eines iPhone aus.
Auch Skizzen des iPad wurden in San José gezeigt.
Hier sieht man frühe Computerentwürfe von Apples Tablet-PC.
In diesem CAD-Programm ist die Ausgestaltung schon detaillierter. Apple hat sich auch das sehr allgemein gehaltene Design schützen lassen. Das führt zu diversen Streitigkeiten, bis hin zur Frage des Krümmungsgrades der Ecken. In Deutschland musste Samsung die Gestaltung seines Tablets Galaxy 10.1. etwas abändern, damit es unter dem Namen 10.1.n weiter verkauft werden darf.
Auch in Kalifornien schimpfte Samsung-Anwalt Charles Verhoeven, Apple könne sich „keine Rechtecke patentieren“. Interessanterweise trägt auch das erst deutlich nach dem iPhone auf den Markt gekommene iPad noch den Schriftzug von Apples Musikspieler.

Doch obwohl das neue Smartphone mit größerem Display und LTE-Turbo-Internetzugang von den Kunden anscheinend gut angenommen wurde, hagelt es seitens der chinesischen Medien Kritik für das Apple-Gerät. Bemängelt werden der vergleichsweise hohe Preis und wenig überzeugende Verbesserungen bei Design und Funktion. Auch in Online-Foren machen User ihrem Ärger Luft. Sie zeigen sich verärgert darüber, dass das iPhone 5 in China gut 20 Prozent teurer ist als in den USA und über zehn Prozent mehr kostet als in Hongkong.

Es ist das erste Mal, dass Apple gesondert Zahlen für die Volksrepublik veröffentlicht hat. Allerdings sind sich Analysten einig, dass der gute Verkaufsstart nicht über den härteren Wettbewerb bei Smartphones hinwegtäuschen könne. Wie sensibel der Markt reagiert, zeigt sich an der Börse. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete am Wochenende, dass der taiwanesische Zulieferer Hon Hai Precision Industries zum Wochenschluss unter Druck geraten sei, nachdem mehrere Analysten die Aktie herabgestuft hatten. Sorgen, dass die Nachfrage nach dem iPhone 5 im nächsten Quartal unter den Erwartungen liegen könnte, belasteten den Kurs von beiden Unternehmen. Auch die Apple-Aktie büßte 3,8 Prozent ein und fiel den dritten Tag in Folge.

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Tatsächlich gerät Apple immer mehr unter Druck. Die Konkurrenz für den Marktführer im Bereich Tablets und Smartphones steigt spürbar. Zwar ist das Unternehmen im Bereich der Smartphones immernoch sehr gut aufgestellt. Das neue Windows Phone macht Apple keine ernstzunehmende Konkurrenz. Samsung hingegen mit seiner Galaxy-Reihe findet immer mehr Anhänger.

Es bleibt die Frage, wie Apple sich angesichts der wachsenden Konkurrenz für das neue Jahr aufstellt. Ein Trend ist klar: Das iTV – ein Fernseher aus dem Hause Apple wird kommen. Bleibt die Frage: Wird es dem Unternehmen gelingen mit diesem Gerät in einen neuen Markt einzudringen und ihn zu revolutionieren?

Mit Material von dpa und Reuters

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