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Der Spion, den wir lieben Warum die Deutschen Google und Amazon ins Wohnzimmer lassen

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Die eigenen vier Wände als Rückzugsort beibehalten

Mit dem Einzug der digitalen Sprachassistenten in deutsche Wohnzimmer wurde erst die Tür für ein ganzes Arsenal von vernetzten Geräten aufgestoßen. Bis Ende dieses Jahres etwa sollen weltweit geschätzt über acht Milliarden Gadgets ans Internet angeschlossen sein. Tendenz steigend. Je mehr Daten die Echo-Box, die Zahnbürste mit Digitalanschluss oder die aus der Ferne gesteuerte Heizung erfassen, desto genauer lassen sich die Bedürfnisse, aber auch die schwachen Momente derer erahnen, die diese Geräte nutzen.

Das steht im Kleingedruckten bei Amazon, Facebook und Co.
Amazon Quelle: REUTERS
Apple Quelle: REUTERS
Deezer Quelle: dpa
Ebay Quelle: REUTERS
Facebook Quelle: dpa
Google Quelle: dpa
Microsoft Quelle: dpa

Dabei ist das eigene Zuhause kein Ort wie jeder andere. „Es gibt aus gutem Grund ein Recht darauf, die Tür hinter sich zuzuschlagen und allein zu sein“, sagt der Wissenschaftler Grafenstein. Nirgendwo sonst geben wir uns so unbeschwert, nirgendwo sonst sind wir so verletzlich. „Wenn die Menschen diesen Rückzugsort verlieren, dann verlieren sie ihre Freiheiten“, warnt der Jurist.

Damit die Sprachassistenten Auskunft geben können, müssen sie stetig mithören, was in ihrer Umgebung gesprochen wird. Sobald Biermann „Alexa“ sagt, überträgt die Box den dann folgenden Auftrag übers Internet an den Server von Amazon. Dieser versucht, den Inhalt zu entschlüsseln und eine Lösung zu finden. Dann schickt er die Antwort zurück an die Box in der Düsseldorfer Wohnung. Anschließend verfällt Alexa wieder in den Lauscher-Modus und wartet auf den nächsten Befehl. Genauso läuft es bei den Boxen, die Apple oder Google anbieten.

Was die Hersteller eint, ist die Hoffnung, dass ihnen die Kunden bei ihrem Vorstoß ins Innerste ihres Privatlebens voll vertrauen. Denn natürlich kann niemand nachprüfen, ob die Boxen tatsächlich nur das an die Server übermitteln, was nach dem Stichwort gesprochen wird. Zumal die Software im Gerät kontinuierlich auswertet, was im Raum so geredet wird, um den entscheidenden Befehl nicht zu verpassen.

Die zehn besten Sprachbefehle
Sprechen statt Tippen Quelle: Fotolia
„Alexa, leiser!“ Quelle: dpa
„Alexa, was steht in meinem Kalender?“ Quelle: dpa
Für diejenigen, die Filmdienste wir Netflix oder Amazon Prima abonniert und Fire TV haben, durchsucht Alexa alles gleichzeitig nach beispielsweise Bruce Willis. Die Wiedergebe lässt sich mit Befehlen wie „Pause!“ oder „Nächste Episode“ steuern. Quelle: AFP
„Alexa, wie ist das Wetter in Rom?“ Quelle: dpa
„Alexa, was gibt es Neues?“ Quelle: Handelsblatt
„Alexa, wie hat Schalke 04 gespielt?“ Quelle: dpa

Alles außerhalb des Auftrags, versichern alle Hersteller, werde nach wenigen Sekunden wieder vom Gerät gelöscht. Und selbst das Gesprochene, das an die Server übertragen wird, könne jeder anschließend wieder über sein eigenes Profil löschen, heißt es auf Nachfrage bei Amazon, Google und Microsoft. Ebenso betonen die Anbieter, dass sie die Daten sowohl bei der Übertragung als auch bei der Verarbeitung auf den eigenen Servern gut schützen. Jeder neue Hackerangriff und jede Affäre um allzu neugierige Geheimdienste lassen aber erahnen, wie begründet die Sorgen der Skeptiker sind.

Neulich hat Biermann mit Alexa eine ganz neue Erfahrung gemacht, erzählt sie. Alexa hatte irgendeine Antwort nicht parat. „Du bist echt dumm“, rutschte es Biermann raus. „Das ist aber nicht nett“, antwortete Alexa.

Und Biermann bat um Verzeihung.

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