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Design und Klang Die Schönheit der Hi-Fi-Geräte

Design in der Hi-Fi-Branche: Elegant geschwungene Lautsprecher, Verstärker mit Chromfronten und futuristische Netzwerk-Player sollen Sehnsüchte wecken und Käufer locken. Was hinter dem Trend steckt.

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Lautsprecher, Plattenspieler und Co.: Die schönsten Hi-Fi-Geräte. Quelle: Pressebild, Montage

Ein Mann und eine Frau betreten ein Hi-Fi-Geschäft. Sie wollen Lautsprecher kaufen. Er hat den Testbericht einer Fachzeitschrift in der Hand und mustert das Anschlussterminal eines mannshohen Lautsprechers. Ihr missfällt die Riesenkiste, sie findet eher Gefallen an einem weiß lackierten Lautsprecher mit Aluminium-Fuß und geschwungenen Seitenteilen. Am Ende kauft das Paar den Design-Lautsprecher.

Zugegeben, die Szene klingt nach muffigen Rollenklischees. Sie scheint aber der Realität beim Kauf von Hi-Fi-Gerätschaften nahe zu kommen. Das glaubt etwa Frank Hagemann, Geschäftsführer des renommierten Lautsprecherherstellers Dali. Er sagt: "Heute müssen gute Lautsprecher auch gut aussehen, denn obwohl der Mann den Lautsprecher will, fällt die Frau im Haus die letzte Entscheidung."

Das Phänomen wird von männlichen Hi-Fi-Liebhabern schmunzelnd als WAF bezeichnet. Das steht für "Woman Acceptance Faktor". Für die Produktmanager bei den Herstellern der Unterhaltungselektronik stehen deshalb gutes Aussehen und Wohnzimmer-Tauglichkeit im Pflichtenheft.

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    Die schönsten Hi-Fi-Geräte
    Bowers & Wilkins Zeppelin Wireless Quelle: PR
    Dali Fazon F5 Quelle: PR
    Dali Epicon 6Die Epicon 6 ist das Flaggschiff aus Dalis Epicon-Serie. Die Standbox ist in Schwarz, Weiß, Walnuss oder Ruby Makassar erhältlich. Das hochglänzende Gehäusefinish und das relativ schmale geschwungene Gehäuseform lassen vergessen, dass es sich hier um einen Highend-Lautsprecher für audiophile Musikliebhaber handelt - die allerdings 9.000 Euro pro Paar in der Brieftasche haben sollten. Wen der Preis nicht schreckt, sollte sich die Epicon 8 ansehen, die ist genauso schön und klingt nach Meinung der Fachpresse noch besser – für 14.000 Euro. Quelle: PR
    Bang & Olufsen Beolab 90 Quelle: PR
    Bang & Olufsen Beolab 5 Quelle: PR
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    Heco Direkt Quelle: PR

    Dass WAF kein Hirngespinst technikverliebter Altherren-Runden ist, meint auch Branko Glisovic. Der muss es eigentlich wissen. Glisovic hat "50 Jahre Hi-Fi auf dem Buckel". Er war Hi-Fi-Händler und ist Mitgründer und Geschäftsführer der High End Society, dem Interessenverband für hochwertige Unterhaltungselektronik.

    Burmester Quelle: PR

    "Den Woman-Acceptance-Faktor, den gibt es definitiv. Im Geschäft entscheidet letztlich die Frau, was gekauft wird. Es geht dabei aber nicht nur um das schöne Aussehen der Geräte. Männer sind sehr stark auf die technischen Daten fixiert. Die Frauen hingegen interessieren sich möglicherweise weniger für die Technik, hören aber genau hin, welche Anlage am besten klingt."

    Dass die Hersteller auf das Design ihrer Geräte achten, ist aber nicht allein dem weiblichen Einfluss geschuldet.

    Design und Wiedererkennung

    Die Produzenten nutzen die Optik ihrer Verstärker, Netzwerk-Player oder Lautsprecher, um sich ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. Hi-Fi-Fans erkennen die Geräte von Burmester am massiven Metallgehäuse und der verchromten Front. Robert Horbach, Head of Design beim Berliner Highend-Spezialisten sagt: "Unumstrittener Faktor ist, dass das charakteristische Design der Burmester-Komponenten ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu Mitbewerbern bietet."

    Nach dem Prinzip Wiedererkennung durch Design arbeiten viele Hersteller. Jeder Hi-Fi-Liebhaber erkennt Marken wie Accuphase, Bowers & Wilkins oder Naim auf Anhieb. Dabei geht es gar nicht um Schönheit allein. Die Geräte von Naim sehen mit ihren mattschwarzen Gehäusen ein bisschen aus wie Kohlebriketts.

    Bang & Olufsen Beolab 5 Quelle: PR

    Das dänische Unternehmen Bang & Olufsen hat die optische Extravaganz auf die Spitze getrieben. "Design ist ein Teil unserer DNA und wer ein Produkt kauft, entscheidet sich genau dafür, nämlich unsere DNA", meint Marie Kristine Schmidt, Vice President für Brand, Design and Marketing.

    Nicht alle Hi-Fi-Liebhaber sind Fans der Marke, doch dass hier Hightech, guter Klang und extravagante Gestaltung zu einem (sündteuren) Vergnügen verschmelzen, bestreitet niemand. Über Jahrzehnte sind die Geräte von Bang & Olufsen so zu Ikonen der Design-Geschichte geworden.

    Gutes Design ist wenig Design

    Zu den bekannten Namen beim Thema Industriedesign gehört auch Dieter Rams. Mit seinen betont reduzierten, nüchternen Entwürfen steht er für eine radikale Abkehr von den Stereoanlagen der 60er Jahre, die alle noch aussehen wollten wie Wohnzimmermöbel mit Holzfurnier.

    Seine Entwürfe für die Hi-Fi-Komponenten von Braun aus den 60er- und 70er-Jahren sind legendär. "Gutes Design ist so wenig Design wie möglich", lautet eines der Grundprinzipien von Dieter Rams. Rams ist einer der wenigen, bei denen die sonst so inflationär benutzten Begriffe wie "Design-Philosophie" oder "Formensprache" ihre Berechtigung haben.

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      Dali Opticon Quelle: PR

      Diese Design-Philosophie wirkt bis heute nach. So hat angeblich Apple-Designer Sir Jonathan Ive, sich vom puristischen Design Rams` inspirieren lassen. Auch bei den Komponenten des Herforder Nobelherstellers T+A oder den Verstärkern und Receivern von NAD wirkt das Rams-Design nach.

      Extravagant und futuristisch

      Doch die puristischen Formen à la Rams sind nicht jedermanns Sache. Viele Hersteller bevorzugen futuristische oder extravagante Formen. Vor allem kleineren Herstellern und Newcomern der Unterhaltungselektronik-Branche bleibt oft gar nichts anders übrig, als mit ausgefallenen Formen auf ihre Produkte aufmerksam zu machen.

      Hier haben oftmals auch italienische oder französische Marken die Nase vorn. Zu nennen wäre hier beispielsweise die italienische Highend-Schmiede Pathos aus Vicenza oder der französische Hersteller Devialet aus Paris. Anders ausgedrückt: Das Ding muss nicht nur gut klingen, es muss auch so aussehen, als ob es gut klingt.

      Klang und Design

      Aber klingen die Designer-Stücke auch wirklich so gut? In der Regel ja, denn fast immer verbauen die Hersteller hochwertige Elektronik und nutzen das Know-how ambitionierter Konstrukteure, um höchste Klangqualität zu erzielen. Dass Spitzenklang und edle Optik in den meisten Fällen Hand in Hand gehen, hat seinen Grund. Die Branche hat gelernt, dass es keine gute Idee ist, billige Elektronik mit edlem Design aufzuhübschen. Solche Tricks können nämlich den Ruf bei Highend-Liebhabern, die ein langes Gedächtnis haben, auf lange Zeit gründlich ruinieren.

      Tannoy Westminster Royal GoldDie Lautsprecher von Tannoy würden auch gut in die Kulissen der TV-Serie

      Wer als Musikliebhaber weder zur Puristen-Fraktion gehört noch die gewagte Formensprache liebt, sondern einfach nur eine schöne Anlage haben möchte, wird ebenfalls fündig. Und zwar bei den modernen Klassikern wie Pioneer, Onkyo, Marantz, Technics, Denon, Yamaha oder auch bei teuren Highend-Marken wie Luxman und Accuphase. Deren Komponenten zählen mit Kippschaltern, geheimnisvoll leuchtenden Anzeigeinstrumenten oder champagnerfarbenen Gehäusefronten zu den klassischen Schönheiten der Highend-Branche. Die genannten Hersteller sind allesamt seit Jahrzehnten im Geschäft, das Aussehen ihrer Vollverstärker, CD-Player oder Tuner hat sich über die Jahrzehnte nur wenig verändert.

      Dazu passt ein Trend aus dem Lautsprecherbau. Während bis vor einigen Jahren noch Boxen im Klavierlack-Finish den Markt dominierten, stehen nun die Boxen mit klassischen Holzfurnier wieder hoch im Kurs. Lautsprecher mit Walnuss- oder Mahagoni-Furnier sehen edel aus und klingen in der Regel auch edel.

      Gadgets



      Nicht vergessen sollte man schließlich die Hersteller, die seit Jahrzehnten ihr eigenes Ding machen. So etwa der britische Audiopionier Tannoy mit seinen herrlich verschrobenen Lautsprecherkisten, die allesamt aussehen, als stünden sie in einem alten englischen Herrenhaus. Oder die exklusiven Komponenten des US-amerikanischen Herstellers Macintosh mit ihren blau leuchtenden VU-Metern. Oder die ultrapräzisen Hi-Fi-Maschinen des Schweizer Herstellers Nagra. Einen Schönheitspreis gewinnen die Nagra-Geräte nicht, doch die zumeist männlichen Highend-Freunde finden bekanntlich alles schön, was Schalter, Drehregler und Knöpfe hat.

      Wer sich einen Überblick verschaffen will, was die Highend-Branche an raffinierter Elektronik und schicken Design-Ideen zu bieten hat, sollte die Highend 2016 Anfang Mai in München besuchen. Dort trifft man Branko Glisovic, den umtriebigen Geschäftsführer der Highend Society. Der wünscht sich übrigens, dass mehr Frauen die Messe besuchen. Meistens sind es aber doch nur die Männer, die hier Technik und Traumgeräte bewundern. Sollen sie ihren Spaß haben. Die Kaufentscheidung im Hi-Fi-Laden treffen dann am Ende eh´ die Frauen.

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