Dial und AneedA Will.i.am will die Smartwatch revolutionieren

Black-Eyed-Peas-Star will.i.am präsentiert beim MWC seine neue Computeruhr "Dial". Die funktioniert nicht nur ohne Smartphone, sondern kommt auch mit dem cleveren Assistenten "AneedA".

Sänger Will.i.am präsentiert in Barcelona seine neue Smartwatch

William Adams würde es kaum mögen, wenn man seine neue Uhr ganz profan als gewöhnliche "Smartwatch" bezeichnet. "Dial" heißt der breite Klotz, der sein Handgelenk umfasst. Auf den ersten Blick erinnert er an die Lederbänder, mit denen sich Kraftsportler die Handgelenke schützen. Aber nur so lange bis Adams, der unter seinem Künstlernamen Will.i.am und als Mitglied der Band Black Eyed Peas bekannt ist, mit dem Zeigefinger aufs Display tippt und beginnt, sich mit dem digitalen Armreif zu unterhalten.

Die neue Smartwatch des Black Eyed Peas-Sängers will.iam. Quelle: dpa

Was der Hip-Hop-Künstler, Musikproduzent und High-Tech-Unternehmer beim Mobile World Congress (MWC) gemeinsam der Deutschen Telekom präsentiert, ist ein digitaler Assistent namens "AneedA". Der versteht nicht bloß natürliche Sätze. Er antwortet auch bemerkenswert angemessen und sogar mit Spuren von digitalem Witz. Auf die Frage nach dem schnellsten Weg zu einem Restaurant in Barcelona nennt das Gerät nicht nur die Routen mit Bahn oder Taxi. Es empfiehlt dem 40-Jährigen auch den Fußweg, um "trotz seines fortgeschrittenen Alters" in Schwung zu bleiben.

Das System - gesprochen "Anita" - überwacht für seinen Nutzer E-Mails, behält den Kalender im Blick, managt die Musiksammlung und recherchiert auf Wunsch Bahnverbindungen.

Adams' Unternehmen i.am+ hat "AneedA" entwickelt. Die Computeruhr "Dial" ist das erste Produkt, in dem der Assistent zum Einsatz kommt. Gesteuert wird die Uhr primär über natürliche Sprachbefehle, alternativ auch per Fingerbedienung auf dem 2-Zoll-Display. Im Gehäuse, das über einen Magnetverschluss mit dem Akku in der unteren Hälfte des Armreifs verbunden ist, stecken neben einem Qualcomm-Prozessor auch ein 2-Gigabyte-Speicher, ein GPS-Empfänger und ein Bewegungssensor.

Noch in diesem Jahr - wahrscheinlich im Laufe des Sommers - will die Telekom die Uhr in mehreren europäischen Ländern auf den Markt bringen, Deutschland eingeschlossen. Das sagt Claudia Nemat, im Telekom-Vorstand für das Europageschäft und für Technologiethemen verantwortlich.

Fitnesstracker und Handyersatz: Was Smartwatches können

Was Adams beim MWC gemeinsam mit i.am+-Mitgründer Chandra Rathakrishnan vorführt, ähnelt zunächst der Kommunikation, wie sie etablierte Assistenten vom Schlage Apple Siri, Google Now oder Microsoft Cortana bieten. Doch das Konzept reicht weiter als die genannten digitalen Dienstleister.

Die "Dial" ist - anders als herkömmliche Smartwatches - primär als eigenständiges Gerät angelegt. Was immer "AneedA" für den Nutzer der "Dial" erledigt, macht sie - dank eines integrierten Funkmoduls mit eigener SIM-Karte - ohne Anbindung an ein Smartphone.

Den zugehörigen Mobilfunkvertrag liefert, kein Wunder, die Deutsche Telekom. Daneben, verrät Nemat, laufen einige der digitalen Dienste, mit deren Hilfe der Assistent im Armband für seinen Nutzer recherchiert, zumindest für die kommenden europäischen Geräte in den Rechenzentren der Telekom. Nutzerdaten, Suchaufträge oder E-Mails, versprechen die Telekom-Managerin und Unternehmer Adams, würde "AneedA" weder speichern noch auswerten. "Glaubwürdigkeit ist für uns extrem wichtig", sagt Nemat.



Dennoch merkt sich die "Dial" einiges über ihren Nutzer. Informationen wie Name, Alter, Hobbies, Musikgeschmack werden benötigt, um auf Anfragen angemessen reagieren zu können. Vor allem aber lernt das System auch die Aussprache und den Dialekt des Nutzers kennen - und verbessert die Spracherkennung zunehmend.

Wie weit das reicht, zeigt sich, als Adams und Rathakrishnan bei der Präsentation die Uhr tauschen. Da bekommt der auf den starken indischen Akzent des einen i.am+-Gründers geeichte Assistent plötzlich merkliche Schwierigkeiten, den US-Slang des Hip-Hoppers zu verstehen. Dass es ähnliche Schwierigkeiten geben könnte, wenn "AneedA" mit der "Dial" demnächst auch deutschen Zungenschlag fehlerfrei interpretieren soll, bestreiten alle Beteiligten.

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Das Sprachmodul - sowohl für die Erfassung als auch für die Wiedergabe von Sprache - stammt vom Spezialanbieter Nuance. Die vom i.am+-Team entwickelte Technik und Intelligenz der Plattform, ist davon komplett unabhängig.

Das bedeutet, dass "AneedA" nicht nur auf Englisch funktioniert, sondern auch in anderen Sprachen. Der Service lässt sich auch auf unterschiedlichen Geräte nutzen. Bei der Vorabpräsentation demonstrierten Adams und Rathakrishnan, dass der Sprachdialog mittels einer "AneedA"-Anwendung beispielsweise auf einem Apple TV steuern lässt. Sogar die Wiedergabe von Urlaubsfotos an einem Desktop-PC kann von der "Dial"-Uhr aus gesteuert werden.

Wann genau ihr Vertrieb in Deutschland startet, dazu wollten sich die Partner auf dem MWC noch nicht äußern. Und auch nicht, was der vernetzte Assistent fürs Handgelenk kosten soll. Zeitnah, so drückte sich Telekom-Managerin Nemat um konkretere Aussagen, werde man das bekannt geben. In Barcelona jedenfalls wird erst einmal gefeiert. Die Telekom hat den lokalen In-Club Barts an der Avenida Paral-lel zur magentafarbenen Partylokation umgebaut. Und vermutlich wird der IT-Unternehmer Adams, es dann erst mal wieder als Will.i.am musikalisch krachen lassen.

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