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eSIM Das kann der neue Super-Chip

Die neuen eSIM werden nicht nur drastisch kleiner, sondern – vor allem – viel smarter als herkömmliche SIM-Karten.

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Evolution im Mobilfunk: Die eSIM kommt. Quelle: Giesecke & Devrient

Es ist alles eine Frage der Perspektive. Gemessen an jenen Plastikkarten, die zum Start der digitalen Telefonnetze in den frühen 1990er-Jahren als Träger der SIM-Chips dienten, sind schon die heute üblichen Nano-SIMs winzig: Denn als damals zunächst das D1-Netz der Telekom und das D2-Netz von Mannesmann Mobilfunk (heute Vodafone), später dann die Netze von e-Plus und Viag Interkom (beide heute o2) in Betrieb gingen, waren die „Subscriber Identity Module“ genannten Identitäts-Chips noch mehr als 40 Mal so groß wie heutige SIMs.

Rund 20 Jahre später ist die einst scheckkartengroße SIM auf Quadratzentimeter-Format geschrumpft. Doch selbst diese Winzlinge aus Metall und Plastik, die wir in unsere Smartphones stecken müssen, um damit telefonieren oder surfen zu können, sind für den Mobilfunk der nächsten Generation noch zu groß.

Um in Zukunft nicht mehr nur Mobiltelefonen sondern fast beliebigen Alltagsgeräten – von Armbanduhren über Kaffeemaschinen bis zu Straßenlaternen – digitale Identitäten verleihen und damit den Weg in eines der Mobilfunknetze öffnen zu können, braucht es nochmals eine drastische Miniaturisierung.

Und deshalb ist der Nachfolger der traditionellen SIM, ein eSIM genannter Mikrobaustein, nochmals 75 Prozent kleiner als die kleinste SIM heutiger Bauart. Er wird künftig direkt auf die Hauptplatine des Geräts gelötet und hat nur noch eine Grundfläche von fünf mal sechs Millimetern. Berücksichtigt man den gesamten Platzbedarf bisheriger Systeme – einschließlich Einschub, Halteschlitten und Lesekontakten – spart der neue Baustein sogar bis zu 90 Prozent Platz.

Hoffnung auf längere Akkulaufzeit

Aus gutem Grund. Denn obwohl die Handyhersteller konstant gegen den Energiehunger ihrer Telefone ankämpfen, sorgt schon die anhaltend wachsende Bildschirmgröße dafür, dass die Geräte immer höhere Akkuleistung brauchen. Eine kleinere eSIM im Gehäuse schafft so dringend benötigten Platz für einen stärkeren Stromspeicher.

Noch viel wichtiger aber ist das Winz-Format für den Einbau der Identitäts-Chips in ganz andere Geräte, jenseits von Smartphones und Tablets. Samsungs Smartwatch Gear S2 3G beispielsweise ist – auch dank der erstmals eingebauten eSIM – merklich kleiner und rund ein Drittel leichter als ihre Vorgängerin. In der steckte noch eine herkömmliche SIM.

Die Analysten des Marktforschers Canalys prognostizieren dem Geschäft mit (mobil-) funkenden Computeruhren geradezu explosionsartiges Wachstum. Ein wichtiger Grund: „Die eSIM macht die Vernetzung von Uhren viel benutzerfreudlicher“, sagt Canalys-Experte Daniel Matte. Sollen es im laufenden Jahr weltweit etwa 7,5 Millionen Mobilfunkuhren sein, so rechnet Canalys schon für das nächste Jahr mit einem Absatz von an die 28 Millionen Stück. 2020 dürften es sogar knapp 54 Millionen Uhren sein.

Türöffner fürs Internet der Dinge

Dabei sind Uhren nur eines von vielen Nutzungsszenarien für die eSIM. Geht es nach Netzbetreibern und Industriekunden aller Arten, werden die winzigen Chips künftig in (fast) jeder Form von elektronischen Geräten stecken. Soviel ist klar: Das viel beschworene Internet der Dinge bekommt erst durch Technik wie die eSIM seinen Anschluss an die Mobilfunkwelt.

Das eröffnet zugleich ganz neue Nutzungsszenarien:
• Straßenlaternen etwa, die per Kurznachricht an den Bauhof oder die Straßenmeisterei den Ausfall ihrer Leuchtstofflampe melden, senken den Kontrollaufwand drastisch, der dadurch entsteht, dass bisher alle Lampenstandorte regelmäßig kontrolliert werden mussten – völlig egal, ob die Lampe intakt ist oder nicht.
• Haushaltsgeräte, von der Café- bis zur Waschmaschine, die – ohne aufwändige Konfiguration beim Einbinden ins heimische WLAN – direkt übers Funknetz neue Bohnen ordern können, beziehungsweise den Techniker aktivieren und Ersatzteile bestellen, wenn die Trommel unrund läuft oder der Motor zu heiß wird.

Ungewöhnliche Fitnesstracker
Bling Bling fürs Herz - das Armband enthält Swarovskis "Active Crystal". Mit dem Schmuckstück, das seine Funktion vollends verbirgt, können Schritte, verbrauchte Kalorien und Schlafqualität verfolgt werden. Quelle: Presse
Die Withings Activité mit Stahlgehäuse und analogem Zifferblatt. Der kleine Kreis zeigt die zurückgelegten Schritte an. Quelle: Presse
Die Helvetica von Mondaine gehört mit ihren klaren Linien zu den bekanntesten Designs im Uhrenbau. In der Smartwatch steckt ein Bewegungssensor, die Daten werden mit einer App am Telefon ausgelesen. Quelle: Presse
Die Käufer einer mechanischen Uhr von Montblanc müssen dennoch nicht auf einen unscheinbaren Activity Tracker am Arm verzichten. Der E-Strap wird am Armband befestigt und kommuniziert mit der eigenen App im Smartphone. Quelle: Presse

• Langlebige, extrem energiesparende Sensoren, die – geht es nach den Plänen der Entwickler – beispielsweise auf Parkplätzen viele Jahre lang ohne Verkabelungsaufwand und Stromanschluss erfassen und melden, welche Stellplätze gerade belegt sind und welche nicht.
Der Clou bei all dem, und zugleich der entscheidende Unterschied zu bisherigen Funkmodulen für die Mobilfunk-Vernetzung von Maschinen (M2M – Maschine-zu-Maschine-Kommunikation genannt), ist dass sich die eSIM flexibel nutzen lassen.

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