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Fahrrad-Trend Liebe E-Biker: Wir müssen reden!

E-Bikes boomen – doch viele E-Radler übertragen ihre schlechten Manieren von der Autobahn auf den Radweg. "Mein Motor hat ordentlich Watt, ich habe Vorfahrt", scheint die Haltung zu sein. Ein offener Brief eines Radlers.

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Ein Prototyp eines E-Bikes, das ohne Kette auskommt. Quelle: REUTERS

Liebe E-Biker,

wir müssen reden.

Denn ihr werdet immer mehr. Ihr habt 2015 die Fahrradhändler glücklich gemacht. Ihr habt mit 535.000 Stück nochmal 55.000 mehr E-Bikes gekauft als schon 2014. Das sind 12,5 Prozent aller Fahrräder, die verkauft wurden.

Ihr habt die hiesigen Hersteller glücklich gemacht, denn 305.000 Pedelecs stammen aus deutscher Produktion, 140.000 wurden davon sogar exportiert, davon die allermeisten innerhalb der EU.

Wer an einem Fahrradgeschäft vorbei geht und in die Auslage schaut, der sieht, auf welche Kundschaft die Branche setzt: Den finanzkräftigen und komfortverwöhnten Kunden. Die E-Bikes verdrängen die Mountainbikes, Hollandräder, Stadträder und Crossbikes, die nur mit Pedalen, Zahnrädern und Kette von Muskelkraft allein vorangetrieben werden.

Und so kommt ihr zu immer größeren Zahlen auf die Straße – nein, auf den Radweg. Denn ihr seid Fahrradfahrer mit ein klitzeklein wenig Hilfe. So, wie ihr bestimmt auch euer Brot selber backt – mit einer Fertigmischung.

Elektro-Fahrräder: Was ist was?

Viele von euch sind stolz auf ihr neues Pedelec. Ihr habt die Wattzahlen parat und könnt unter Kollegen über Akkukapazitäten fachsimpeln. Es war ja auch nicht wenig Geld, das ihr in die Hand nehmen musstet für den „Rückenwind vom Motor“, wie es so hübsch verklausuliert wird. Eure E-Bikes sind gepflegt und gewienert. Und einige von euch fahren sie auch vorsichtig auf dem Radanhänger dorthin, wo ihr dann zwei, drei Stunden in idyllischer Landschaft zum Hofcafé rollt. Die Beine immer in Bewegung, unterstützt vom kleinen Strom-Helferlein, das ihr mehr oder minder gut getarnt unter dem Gepäcksträger oder gar in der Satteltasche mit euch führt.

Ein Pedelec mit Solarzellen

Einige von euch wollen nicht so gern mit einem E-Bike gesehen werden. Ein klein wenig klingt es eben doch nach Alter und mangelnder Fitness, wenn man nicht mehr selber tritt. Für diese Menschen gibt es nun auch schnittige Lifestyleräder, denen es nur noch ein sehr penibler Mechaniker ansieht, dass in der hinteren Nabe ein kleiner Motor steckt und die Trinkflasche gar keinen Energydrink, sondern Saft für den Elektroantrieb enthält.

Und ihr tut ja auch was für die Umwelt!  Erst recht, wenn das Standard wird, was holländische Entwickler vorgestellt haben: Ein Pedelec mit Solarzellen im Vorderrad. Ihr bräuchtet also nicht mal mehr kostbaren Strom aus der Steckdose!

Die besten Elektrofahrräder im Überblick
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Und ihr tut ja auch was für eure Gesundheit! Schließlich unterstützen Pedelecs in der Regel nur dann, wenn ihr selbst in die Pedale tretet. Einigen von euch fiel das in den letzten Jahren schwerer auf dem guten alten Hollandrad. Es blieb immer öfter im Schuppen stehen. Die Mühsal, wenn ein Wind aufzog oder ein Berg nahte, wurde immer größer. Bis ihr meintet, die Herausforderung nicht mehr zu bewältigen.

Ihr kennt den Radweg nur vom Falschparken

Und in der Tat ist es schön zu sehen, wenn ihr wieder nach draußen kommt, die Luft genießt, die Bewegung nutzt, um in Schwung zu bleiben. So kommen auf einmal Menschen auf den Radweg, die da sehr lange oder vielleicht auch noch nie waren. Außer, um dort falsch zu Parken, während ihr kurz was besorgen wart.

Und einige von euch bringen leider etwas mit: die schlechten Sitten des Autofahrens.

E-Bikes bringen neue Hackordnung auf den Radweg

Ja, es gibt genügend Radfahrer, die die Verkehrsregeln nicht beachten. Aber keiner fährt mit Lichthupe auf dem Radweg und drängelt durch dichtes Auffahren einen anderen Radfahrer, damit der endlich Platz macht.

Das machen ein paar von euch E-Bikern. Sie übertragen ihr „Achtung, Platz da“-Gehabe von der linken Spur der A1 bis A9 von Flensburg bis Konstanz auf die mehreren tausend Kilometer Radwegenetz durch die schönsten Regionen Deutschlands. "Mein Motor hat ordentlich Watt, ich will hier durch, ich habe Vorfahrt", scheint ihre Haltung zu sein. Statt "Blinker raus" heißt es "Klingel an". Und falls es nicht schnell genug geht, fallen auch mal böse Worte.

Vom Rausch der Geschwindigkeit seid ihr ganz angestachelt! Die Hackordnung auf dem Radweg wird auf den Kopf gestellt. Wer heute in Alltagskleidung auf einem normalen Fahrrad einfach nur eine gemütliche Radtour macht, darf sich nicht wundern, wenn eine Truppe fideler Radler in Funktionskleidung von Kopf von bis Fuß sich mit orchestriertem Klingeln den Weg freimachen will.

Und Speed habt ihr. Bis zu 25 Kilometer pro Stunde schaffen eigentlich alle E-Bikes, einige schaffen es mit Trittkraftunterstützung auf bis zu 45 Kilometer pro Stunde. 25 Stundenkilometer sind eine anständige Durchschnittsgeschwindigkeit für einen Hobbyrennradfahrer. 45 Stundenkilometer erreichen nur die wenigsten Amateursportler in einem Jedermann-Radrennen – schon gar nicht ohne den Windschatten einer großen Gruppe. Das sind so hohe Geschwindigkeiten, dass der ADAC sich fragte, ob die Radtechnik dazu überhaupt ausgelegt sei. Immerhin – sie lobten die zupackenden Scheibenbremsen.

Auf dem Rad gibt es keine Knautschzone

Die Technik, lieber ADAC, die kann das. Das Problem ist oft der Mensch, der sie benutzt.

Die schmucken Antriebe beschleunigen nämlich auf Geschwindigkeiten, die einige von euch entweder noch nie gefahren sind – oder zuletzt als Kinder, als ihr noch todesmutig die Hügel hinabgeschossen seid.

Ihr kennt die Geschwindigkeiten natürlich aus dem Auto. Doch auf dem Rad gibt es keine Knautschzone, keine Airbags oder Bremsassistenten. Und dann zeigt sich, dass ein wenig verpflichtender Fahrunterricht nicht nur für 18-Jährige im Auto, sondern auch für deutlich ältere Menschen auf zwei Rädern sinnvoll wäre. Wenn ihr abspringt, um das Rad so zum Stehen zu bringen, wenn ihr aus den Kurven getragen werdet – dann ist das eben auch gefährlich, zumal die Räder mit einem Gesamtgewicht von selten weniger als 20 Kilogramm auch schwieriger zu fahren sind, als ihre unmotorisierten Brüder und Schwestern.

Teuer und elegant
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Allein, um euch selbst zu schützen – ein Helm sollte Pflicht sein. Ist er auf dem Mofa schließlich auch. Und das darf nur 25 Stundenkilometer fahren.

Also, liebe E-Biker, die ihr dieses Jahr neu auf die Radwege kommt: Fahrt mit Freude, fahrt mit Rücksicht. Es ist Erholung, nicht die Tour de France. Nehmt mal das Tempo raus, wenn am Wochenende bei schönem Wetter alle raus wollen und es voll wird. Genießt die Fahrt, denn es gilt: Die Reise ist das Ziel.

Allzeit gute Fahrt,

ein Radfahrer

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