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Fairphone Fair ist schwer

Es ist nicht nur ein Smartphone, sondern auch ein Statement: Das Fairphone soll zu fairen Bedingungen hergestellt werden. Das gelingt nicht ganz, das Gerät ist nur ein Anfang – aber das ist schon eine ganze Menge.

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Grüne Gadgets für den Alltag
FairphoneDer niederländische Mobiltelefonhersteller Fairphone hat seine Pre-Order-Kampagne für "faire Handys" gestartet. Quelle: Fairphone.com Quelle: Presse
Solar-AkkuMit Changers können die Nutzer ihren Strom ganz einfach selber machen. Die ersten beiden Geräte des Starter-Kits sind der Solar-Akku „Kalhuofummi“ und das Solarmodul „Maroshi“. Das Solarmodul lässt sich einfach an einem Rucksack anbringen. Die Sonnenenergie wird in Strom umgewandelt und direkt in dem Akku gespeichert. Das kleine Gerät misst auch den Wert der eignen Energieproduktion und die damit verbundenen CO2-Speicherung. Er speichert die Daten und ordnet sie einer User-ID zu. Die Werte lassen sich dann im Changers-Account oder auf Facebook und Twitter hochladen.  Quelle: changers.com Quelle: Screenshot
Solar-Hülle für den KindleElektronische Lesegeräte sind enorm sparsam, aber nach ein paar tausend geblätterten Seiten geht auch dem Kindle von Amazon die Batterie leer. Wer sich den Gang zur Steckdose sparen möchte, kann seinen eigenen grünen Strom für den E-Reader herstellen: Das Solar Lighted Cover des US-Anbieters SolarFocus lädt tagsüber Sonnenstrom in eine eingebaute Batterie, die wiederum nicht nur den Kindle mit Strom versorgt, sondern auch eine eingebaute LED-Leselampe für die Nacht. Quelle: Solarmio.com
Solar-SteckdoseDie Idee, über eine Solarzelle das eigene Smartphone zu laden, haben die Designer KyuhoSong und Boa Oh ganz neu verpackt. Ihre Idee basiert auf einer runden Solarzelle, die unter einem Saugnapf angebracht ist. Mit dem lässt sich das Gerät einfach an ein Fenster anbringen. Die Rückseite des kreisrunden Geräts in den Farben weiß/grün bietet lediglich zwei Löcher, eben wie eine Steckdose. Dort hinein kann man dann auch jeden handelsüblichen Stecker schieben. Die Solarzelle auf der Rückseite versorgt dann den Verbraucher am anderen Ende, vorausgesetzt die Sonne hinter dem Fenster scheint. Im Inneren der Fenster-Steckdose steckt eine Batterie mit 1000 Milliampere Leistung. Genug also, um das Handy mal ein wenig aufzuladen, für größere Stromfresser wie den Laptop reicht das Gerät allerdings nicht. Dazu ist auch die Solarzelle viel zu klein. Dennoch ist das Konzept beeindruckend: Zum einen sieht es wirklich gut aus, zum anderen ist es sehr einfach zu bedienen. Wann die kabellose Solarsteckdose allerdings auf den Markt kommt, ist bisher nicht bekannt, ebenso wie der Preis. Quelle: yankodesign.com Quelle: Presse
Solar-LadegerätNie wieder Akku leer: Mit dem Solar Changer Kit des US-Anbieter Voltaic haben Nutzer elektronischer Geräte immer ihr eigenes Kraftwerk dabei. Das Solarpanel speist einen Akku, der genug Leistung für Laptops, Tablets und Handys bereitstellen kann. Quelle: Voltaic Systems Quelle: Presse
Tado - HeizungsreglerHeizen leicht gemacht: Die App Tado auf dem Smartphone erkennt ohne Zutun ob deren Besitzer als Letzter das Haus verlässt. Daraufhin sendet die App ein Signal an das Heizungsthermostat, worauf die Temperatur nach unten geregelt wird. Macht sich der Tado-Besitzer wieder auf den Weg nach Hause, wärmt sich die Wohnung auf die Wunschtemperatur auf. Auch nachts reagiert die App und reguliert die Temperatur wieder nach unten. Besonders charmant: Tado ist schlau. So lernt die Technik in den ersten Tagen wie schnell sich die Wohnung abkühlt und wie sich die Sonneneinstrahlung auf die Innenraumtemperatur auswirkt. Quelle: tado.com Quelle: Presse
Sunrocket -ThermosflascheDas Sunrocket ist ein tragbarer Heißwasser-Kessel und eine 500 ml fassende Thermosflasche. Mit Hilfe einer Vakuum-Röhre, an der Solar-Panels angebracht sind, wird Sonnenenergie gebündelt. Diese erwärmt das Wasser in der Flasche. Die perfekte Alternative für Camper. Quelle: sunkettle.com Quelle: Screenshot

Starte eine Bewegung! Nicht weniger verlangt mein neues Handy jedes Mal von mir, wenn ich es einschalte. Glücklicherweise teilt es mir gleichzeitig mit, diese Aufgabe schon erfüllt zu haben – indem ich eben jenes Gerät gekauft habe. Es ist ein Fairphone.

Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Handy, unter dessen Herstellung niemand leiden soll. Die Umwelt nicht, die Menschen nicht, die es zusammenbauen und auch die nicht, die die Rohstoffe aus der Erde holen, aus denen es besteht. Das gleichnamige Unternehmen aus Amsterdam hat das Fairphone entwickelt und per Crowdfunding finanziert. Seit Anfang Januar werden die 25.000 Geräte an die Käufer ausgeliefert. Vorweg: Es handelt es sich um ein völlig normales Handy, technisch unterer Durchschnitt. Und es rettet auch nicht die Welt. Es ist noch nicht einmal so fair, wie der Name es suggeriert. Aber ich bin trotzdem froh, 325 Euro dafür bezahlt zu haben und es jetzt statt meines iPhones 4S zu verwenden.

Die beiden Geräte sind durchaus vergleichbar. Das Fairphone ist ein Handy der Mittelklasse, es läuft mit dem Betriebssystem Android 4.2, hat eine Auflösung von 960 x 540 Pixeln bei einer Bildschirmgröße von 4,3 Zoll  und einen 1,2 Gigahertz–Prozessor. Das Technik-Magazin Golem.de hat das Gerät ausführlich getestet und kommt zu einem durchwachsenen, aber nicht niederschmetterndem Ergebnis. Gefühlt ist das Fairphone jedenfalls auf einem Level mit dem iPhone 4S. Es ist so schnell, wie ich es gewöhnt bin, der Akku hält solange, wie ich es gewöhnt bin, ich kann damit Musik hören und in der Straßenbahn Quizduell spielen. Von den Unterschieden zwischen iOS und Android einmal abgesehen hat sich für mich nichts geändert. Nur die Kamera ist ziemlich enttäuschend, aber die soll in einigen Tagen per Software-Update verbessert werden. Außerdem ist das Gerät etwas schwerer (ca. 160 Gramm bei einer Größe von 126,1 x 63,3 mm) und etwas dicker als die meisten aktuellen Smartphones.

Auch das Fairphone ist nicht 100%ig fair

Wieso freue ich mich also so über das Handy? Wieso zahle ich ein halbes Jahr im Voraus für ein Gerät, das ich so ähnlich auch sofort hätte haben können – und auch noch deutlich günstiger? Weil es ein Versprechen ist. Ich und 24.999 andere sind Teil einer Bewegung, wir machen die Welt besser – zumindest hat man uns das gesagt. Die Arbeiter, die das Handy in China bauen, sollen Löhne bekommen, die zum Leben reichen. Die afrikanischen Minen, aus denen die seltenen Metalle für die Bauteile stammen, sollen nicht von Warlords kontrolliert sein. Das Handy soll lange halten, damit weniger Müll entsteht. Wenn das Glas doch bricht oder der Akku schwächelt soll es repariert werden können. Und am Ende soll die Elektronik per Kreislaufwirtschaft wiederverwertet werden. Das sind – in Kürze – die Ideen, mit denen das niederländische Unternehmen startete.

Diese Versprechen hält das Fairphone nicht alle. Deshalb kritisieren einige Blogs und andere Medien das Produkt. Vor allem die Metalle stehen dabei im Mittelpunkt: Gerade mal zwei Metalle – Zinn und Tantal – kommen aus sogenannten konfliktfreien Minen. Dafür arbeitet Fairphone mit Initiativen wie Solutions for Hope zusammen. Aber auch Gold und Wolfram zählen zu den sogenannten Konfliktrohstoffen, deren Gewinnung häufig in Zusammenhang mit Kriegen und Menschenrechtsverletzungen steht. Für diese beiden Stoffe hat Fairphone keine konfliktfreien Anbieter gefunden – in den Geräten ist also das gleiche Gold wie in anderen Handys auch. 

„Es ist sehr schwierig, konfliktfreie Quellen für diese Materialien zu finden“, sagt Roos van  de Weerd von Fairphone im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Es gibt erste Ansätze, fair gehandeltes Gold in unseren Smartphones zu haben.“ Für zukünftige Modelle sollen Gold und Wolfram aus ethisch korrekten Quellen stammen. „Das ist weit oben auf unserer Wunschliste.“

Aber selbst dann ist bei weitem noch nicht alles fair: „Ein Telefon besteht buchstäblich aus tausenden von Teilen.“ Die Lieferketten komplett zu verfolgen, sei oft kaum möglich. Dazu kommt: „Was genau sind faire Bedingungen?“ Metalle aus Australien werden unter besseren Bedingungen geschürft als im Kongo. Aber wenn niemand mehr die aus dem Kongo kauft, würde man das Problem nicht lösen sondern sich nur davon abwenden. „Es ist eine komplexe Geschichte“, sagt van de Weerd.


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