Fire Phone Amazon verpasst den großen Wurf

Das Amazon Fire Phone ist auf dem Markt. Der Preis ist marktüblich - die Funktionen bleiben allerdings hinter den Erwartungen zurück.

Das kann das Fire Phone von Amazon
Amazon-CEO Jeff Bezos hat das neue Smartphone Fire Phone vorgestellt. Das Besondere an dem Gerät: Eine Erkennungsfunktion namens "Firefly" (zu deutsch: Glühwürmchen). Quelle: AP
Innerhalb von einer Sekunde soll die Funktion so ziemlich alles erkennen - vom Buch über Fernsehsendungen bis zu Wein - und den Kunden natürlich gleich mit einem Link zu Amazon versorgen, wo er das entsprechende Produkt kaufen kann. Quelle: AP
Die Funktion kann bis auf die einzelne Serienfolge erkennen, welche Sendung gerade im Fernsehen läuft. Als "Second Screen" kann man sich über das Handy direkt mit Infos zu Schauspielern und dergleichen versorgen lassen. Sie funktioniert auch für Musik, Texte, Telefonnummern oder Kunstwerke. Quelle: AP
Sowohl bei „Firefly“ als auch bei der Display-Technik gibt es Schnittstellen für App-Entwickler. Das soll die Integration in verschiedene Anwendungen ermöglichen - so wird es eine App geben, die Informationen über Weine nach einem Foto des Etiketts anzeigt. Quelle: AP
Wenn man alles mögliche um sich herum zum shoppen abfotografiert, braucht das ziemlich viel Speicherplatz - doch auch dafür hat Amazon eine Lösung: Nutzern wird uneingeschränkter Online-Speicherplatz für Fotos geboten. Quelle: AP
Ein System aus vier Kameras rund um den Bildschirm verfolgt permanent die Kopf-Position des Nutzers und passt die Darstellung auf dem Display entsprechend an. Das soll eine nahezu dreidimensionale Optik ermöglichen. Infrarot-Sensoren folgen den Bewegungen auch in der Dunkelheit. An der Funktion sei vier Jahre lang gearbeitet worden, sagte Bezos. Quelle: AP
Das kommt zum Beispiel in der Karten-App zum Einsatz. Sie kann Häuser perspektivisch anzeigen, wenn man das Gerät zur Seite neigt. Quelle: AP
Als Service-orientiertes Unternehmen hat Amazon auf seinem Smartphone auch direkt einen Kontakt zum technischen Support eingebaut. Über die App "Mayday" kann man sich live per Videochat verbinden lassen. Quelle: AP
Im Vergleich zu anderen Spitzen-Smartphones ist das Fire Phone etwas dicker, verfügt über einen schwächeren Prozessor und ist mit einem weniger leistungsstarken Akku ausgestattet. Das Telefon hat einen 4,7 Zoll großen Bildschirm und eine 13-Megapixel-Kamera. Das Smartphone läuft wie schon die Kindle-Fire-Tablets mit einer abgenabelten Version des Google-Betriebssystems Android. Quelle: AP
Während Amazon bisher dafür bekannt war, seine Geräte deutlich günstiger als die Konkurrenz zu verkaufen und sich das Geld später über den Verkauf von Inhalten zurückzuholen, läuft es beim Fire Phone anders. Das Gerät kostet in den USA 199 Dollar mit einem Vertrag beim Mobilfunk-Anbieter AT&T und liegt damit auf dem Niveau anderer Premium-Smartphones. Ohne Vertrag ist es ab 649 Dollar zu haben. Quelle: AP
Das Fire Phone kommt Ende Juli aber zunächst nur in den USA auf den Markt. Amazon äußert sich nicht zu einem möglichen Start in Deutschland. Quelle: AP

Vor einem Monat hat Amazon das Fire Phone vorgestellt, am Freitag ging es offiziell in den Verkauf. Amazon-Chef Jeff Bezos war sich bei der Vorstellung des Geräts seiner Sache sicher: "Können wir ein besseres Smartphone für unsere treuesten Kunden bauen? Ich bin begeistert, Ihnen zu sagen, dass die Antwort ja lautet." Die Wahrheit ist leider ernüchternd: Die Verkäufe laufen schleppend. Und Smartphone-Experten sind sich einig, dass das Gerät nicht so gut ist wie anfangs versprochen.

Die Leistungsversprechen von Amazon klingen vielversprechend: Ein schneller 2,2 Gigahertz-Prozessor, 13-Megapixel-Kamera mit Bildstabilisator, lange Akkulaufzeit und HD-Videoaufnahmefunktion sollten für ein System stehen, das seinen hohen Verkaufspreis von bis zu 649 Dollar rechtfertigt. Zudem wirbt Amazon mit allerlei Eigenentwicklungen.

Der "Firefly"-Knopf, mit dessen Hilfe man Filme, Musik und Produkte erkennen lassen kann. Die Displaytechnologie "Dynamic Perspective", bei der das Gerät auf Bewegungen automatisch reagiert und sogar die Kopfbewegungen mit einbezieht. Das angepasste FireOS, das die Nutzung angenehmer machen soll. Die integrierte Anbindung an alle Amazon-Dienste, unter anderem ein kostenloser Zugang zum Prime-System inklusive Gratis-Videostreaming.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Die Tatsachen sehen allerdings anders aus. Ein Problem ist die App-Verwaltung. Das von Amazon entwickelte FireOS basiert zwar auf dem mobilen Betriebssystem Android, hat aber schlussendlich nicht mehr viel davon übrig. Die Folge: Apps aus dem Android App Store lassen sich größtenteils nicht installieren. Das war bereits vom Fire-Tablet bekannt, ist aber durchaus vermeidbar. In der Folge ist der Nutzer auf das von Amazon eingerichtete Ökosystem angewiesen. Angesichts der Vielzahl vorhandener Android-Apps ein echtes Manko - und für Freunde der Privatsphäre nicht tragbar.

Die beiden Schlüsselfunktionen Dynamic Perspective und Firefly werden von den meisten Testern lediglich als nette, aber letztlich unnötige Spielerei angesehen. So sorgt Dynamic Perspective mit seiner über Sensoren gesteuerten Bildanzeige bei empfindlichen Testern offenbar für eine leichte Reisekrankheit, ihnen wurde angesichts der Bildbewegung übel. Zudem fehlen aktuell passende Anwendungsbereiche: Außer einer Handvoll Spiele und der Karten-Anwendung wird die Technologie bisher nicht genutzt.

Firefly soll laut Herstellerangaben sowohl Musik und Filme als auch Produkte und QR-Codes erkennen, die Erfolgsquote ist mit 75 Prozent aber noch ausbaufähig. Moniert wird von den meisten Testern die geringe Geschwindigkeit der Funktion und die fehlende Korrektheit der Ergebnisse.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für viele Nutzer die Akkulaufzeit. Laut den technischen Spezifikationen soll das Gerät bis zu 22 Stunden im Telefonie-Modus durchhalten. Die Werte werden allerdings nur erreicht, wenn man einen großen Teil der Funktionen deaktiviert – dies jedenfalls hat der Test von Engadget ergeben. Waren Dynamic Perspective und Firefly aktiviert, musste das Gerät dort zweimal am Tag an die Stromversorgung.

Zu guter Letzt hat Amazons Smartphone einen Marktnachteil: Das Fire Phone wird in den USA nur in Verbindung mit einem AT&T-Vertrag angeboten, Kunden anderer Anbieter müssen das Gerät zum vollen Preis erwerben. Dafür bekommen Kunden ein vergleichbares Samsung Galaxy S5 ohne diese Nachteile – mit deutlich höherer Displayauflösung und besserem Akku.

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Aktuell müssen sich deutsche Kunden keine Gedanken darüber machen, ob sich der Kauf für sie lohnen könnte: Das Smartphone wird vorerst nicht auf den deutschen Markt kommen. Wenn sich Amazon beim Fire Phone ähnlich viel Zeit lässt wie seinerzeit beim Kindle Fire-Tablet, wird es noch bis zum kommenden Jahr dauern, bis es offiziell angeboten wird.

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