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Flüge in Deutschland Drohnen werden zur Gefahr für Linienflüge

Im Luftraum häufen sich die Beinahe-Kollisionen von Linienfliegern und Hobby-Drohnen. Nun entwickeln Unternehmen Luftkorridore für die Miniflieger - und Radarkanonen, um sie notfalls zur Landung zu zwingen.

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Drohnen werden zur Gefahr für den Flugverkehr. Quelle: dpa, Montage

Es war ein Schreckmoment für die Crew des Lufthansa-Flugs München–Warschau: Beim Landeanflug der Embraer ERJ-195 auf den Flughafen der polnischen Hauptstadt am 20. Juli entdeckten die Piloten eine Hobby-Drohne. Um gerade 100 Meter verfehlte die Maschine den Miniflieger. Was, wenn die Drohne ins Triebwerk geraten wäre?

Solche Schreckensszenarien beschäftigen die Luftfahrtbehörden mehr denn je. Immer wieder tauchen Drohnen auf, wo sie nicht erlaubt sind: In der Nähe von Flughäfen, über Atomkraftwerken, an Unfallstellen. Erst vor wenigen Tagen behinderten bei einem Waldbrand in Kalifornien fünf Hobby-Drohnen die Löschflugzeuge der Feuerwehr. Zwei Dutzend Autos auf einem nahe gelegenen Highway gingen in Flammen auf.

Fliegende Kameras für Jedermann
Zano Drohne Quelle: Presse
Drohne Nixie Quelle: Presse
Phantom 3 Drohne Quelle: Presse
Solo Drohne Quelle: Presse
Isprire Drohne Quelle: Presse
Bepob Drohne Quelle: Presse
Rolling Spider Drohne Quelle: Presse

Dabei steht der Flugverkehr über den Baumwipfeln womöglich gerade erst am Anfang. Der Forscher Bart Remes von der TU Delft prophezeite schon vor einer Weile: Jeder, der heute ein Smartphone in der Tasche habe, werde noch vor Ende des Jahrzehnts auch eine kleine Drohne besitzen. Amazon und Google wollen gar ganze Flotten von Drohnen in die Luft schicken, die dort computergesteuert Waren bis vor die Haustür liefern sollen.

"Neue Ära der Luftfahrt"

Um Ordnung ins Chaos zu bringen, haben sich die ganz großen Flugexperten in die Debatte eingeschaltet: Die US-Raumfahrtagentur Nasa hat ein Team darauf angesetzt, den Drohnenverkehr in gelenkte Bahnen zu leiten. „Wir stehen vor einer neuen Ära der Luftfahrt“, sagt Parimal Kopardekar, Leiter des NextGen Airspace Projects, in einem Videointerview der Nasa. In zehn Jahren werde es „wirklich aufregend. Viele, viele Flugobjekte werden in der Luft unterwegs sein.“ Jedes Haus werde dann zum Flughafen.

Daraus könne man nur einen Schluss ziehen: „Wir brauchen Fahrbahnen in der Luft.“ Genau die will die Raumfahrtbehörde nun entwickeln und schon 2018 bereitstellen. Auf einer Konferenz des Nasa Ames Research Center im Silicon Valley Ende Juli erklärte Kopardekar rund tausend Vertretern der Drohnenindustrie sein Konzept. Drohnen sollen künftig miteinander kommunizieren können, um einander in der Luft auszuweichen. Zudem sollen sie Daten zu einer Kontrollstation schicken, die den Drohnenverkehr überwacht.

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Technisch könnte das System ähnlich funktionieren wie die Überwachungstechnik für Passagiermaschinen. Die sind mit sogenannten ADS-B-Sendern ausgestattet: Per Funk verbreiten sie Informationen untern anderem über ihre Höhe, das Tempo und die Flugrichtung. Allein in den USA sind 650 Empfangsantennen installiert, die die Funksignale an die Luftraumüberwachung weiterleiten. Fluglotsen wissen so ganz genau, wo welches Flugzeug gerade unterwegs ist. Diese Daten lassen sich sogar im Internet in Echtzeit verfolgen.

Ein solches Flugradar will die Nasa nun auch für den Luftraum unterhalb von 150 Metern aufbauen. Dazu arbeitet sie unter anderem mit dem US-Luftfahrtunternehmen Exelis zusammen, das kürzlich vom US-Konzern Harris aufgekauft wurde. Exelis hat ein System namens Symphony RangeVue entwickelt. Dabei sollen Drohnen mit ADS-B-Sendern ausgerüstet werden, wie sie auch in großen Maschinen stecken. Kleine Antennen auf dem Erdboden, die Exelis entwickelt hat, empfangen die Signale und leiten sie Daten an die Fluglotsen weiter.

Fluglotsen warnen per Textnachricht

Die könnten dann auf ihrem Bildschirm sämtliche Flugbewegungen von Quadrocoptern genauso verfolgen wie die eines Airbus A380. Auch die Drohnenbetreiber selbst können auf einer Smartphone-App in Echtzeit verfolgen, was gerade im Himmel los ist.

Die Software könnte Drohnenbesitzern künftig Warnungen anzeigen, wenn sie ihre Miniflieger in eine Gefahrenzone steuern. Exelis will das System auch Profikunden wie dem Versandhändler Amazon anbieten, der damit künftig seine Lieferdrohnen in der Luft organisieren kann.

Störsender Blighter Quelle: Presse

Gerade erst hat Amazon seine Vision eines Drohnen-Luftraums für seinen geplanten Lieferdienst PrimeAir präsentiert. Dem Weißbuch zufolge soll es über Städten zwei Flugkorridore geben: Erstens einen Highway in Höhe von 61 bis 122 Metern, auf dem autonome Drohnen schnell unterwegs sind. Die Fluggeräte sollen miteinander kommunizieren, um sich ausweichen zu können. Zudem sollen sie mit Anti-Kollisions-Systemen ausgestattet sein, die auch Vögel und andere Hindernisse erkennen.

In einem zweiten Flugkorridor unterhalb von 61 Metern soll ein Tempolimit gelten. Hier sind Drohnen unterwegs, die Äcker überwachen, Brücken inspizieren oder Lieferungen zur Haustür bringen. In bestimmten Gefahrenzonen, etwa bei Flughäfen, gelten Amazons Plan zufolge noch einmal besondere Beschränkungen.

Neuartige Überwachungssysteme

Auch ein Google-Vertreter bekräftige auf der Nasa-Konferenz, der Konzern wolle Lieferdrohnen nicht nur auf dem Land, sondern in dicht besiedelten Gebieten einsetzen. Ob das die Luftfahrtbehörden allerdings zulassen, ist noch offen.

Gadgets



Weil sich unerwünschte Drohnenüberflüge jetzt schon häufen, entwickeln zahlreiche Startups und Unternehmen inzwischen eigene Überwachungs- und Abwehrsysteme, die Fluggeräte erfassen und zur Not vom Himmel holen. Start-ups wie DroneShield aus den USA und Dedrone aus Lohfelden bei Kassel scannen den Himmel per Mikrofon. Nimmt es das Surren einer Drohne wahr, meldet es den Eindringling via Internet an eine App.

Geht es nach dem US-Radarhersteller Blighter Surveillance Systems, können Sicherheitskräfte unerwünschte Flugobjekte künftig sogar blitzschnell stoppen. Ein Radar des Unternehmens entdeckt Drohnen in bis zu acht Kilometer Entfernung. Ein Störsender, der aussieht wie ein kleines Kanonenrohr, unterbricht die Funkverbindung zwischen Fernsteuerung und Flieger.

Der schaltet dann meist in ein Notprogramm – und kehrt zum Ausgangspunkt zurück.

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