Fotografie Knipsen kann jeder, aber der Profi macht die Bilder

Am Dienstag startet Europas wichtigste Fotomesse Photokina in Köln. Im Vorfeld spricht Star-Fotograf Thomas Hoepker über die Konkurrenz durch Handyfotos und das perfekte Bild.

Thomas Hoepker Quelle: dpa/dpaweb

WirtschaftsWoche: Herr Hoepker, in dieser Woche feiert die Branche in Köln wieder High-Tech-Kameras und Pixelrekorde. Zugleich aber knipsen immer mehr Menschen sogar Urlaubsbilder mit dem Fotohandy. Interessiert sich überhaupt noch jemand für Profibilder, wie Sie sie machen?

Thomas Hoepker: In jedem Fall. Das Interesse an Fotografie ist sogar unglaublich gestiegen. Der Boom der Smartphones mit ihren immer besseren Kameras lässt auch Menschen das Foto wiederentdecken, die vorher gar nicht mehr oder vielleicht nur noch im Urlaub ein paar Bilder gemacht haben. Heute haben sie permanent ein Fotogerät in der Tasche – und nutzen es auch. Das verändert die Sicht auf die Fotografie.

Bleibt nicht die Masse der Handyfotos ewig im Kameraspeicher gefangen und wird nie mehr angesehen?

In vielen Fällen stimmt das. Trotzdem ist Fotografie heute viel mehr ein Massenphänomen, als sie es früher je war. Denn aus den Milliarden neuer Gelegenheitsfotografen bleiben eben auch Millionen von Menschen übrig, die sich tatsächlich neu begeistern für gute, ausdrucksstarke Bilder.

Drücken Sie gelegentlich auch selbst auf den Handyauslöser?

Natürlich. Wenn ich unterwegs bin und nur das Handy dabeihabe, mache ich auch damit mal ein Foto. Die technische Qualität der Handykameras hat in den vergangenen Jahren einen enormen Leistungssprung gemacht. Dass das vielen Leuten reicht, ist völlig okay.

Schwer vorzustellen, dass ein Profi mit Fotos aus dem Telefon zufrieden ist.

Als Souvenir oder um jemandem zu zeigen, wo ich stehe oder wie mein Hund aussieht, da sind Handyfotos auch für mich völlig in Ordnung. Nur für die professionelle Verwendung reicht die Qualität, ob beim Rauschverhalten oder der Lichtempfindlichkeit, noch nicht. Ein Druck für eine Ausstellung oder ein Aufmacherbild in einem Magazin, das geht damit nicht.

Mancher Fotopurist moniert ganz grundsätzlich, dass digitale Bilder noch immer nicht an analoge Aufnahmen heranreichen. Ähnlich wie Fans der Langspielplatte mit der CD nicht wirklich glücklich werden. Können Sie das nachvollziehen?

Es ist schon was dran. Ich habe Kollegen, die nach wie vor analog mit Schwarz-Weiß- oder Farbfilm arbeiten. Nur gibt es ja leider Kodaks Kodachrome-Farbfilm nicht mehr. Der war für uns Bildreporter der Spitzenfilm im Kleinbildformat. Er hatte – bei aller Schärfe – eine ganz besondere Sanftheit. Dieser analoge Schmelz fehlt manchem Fotografen heute.

Einige Hersteller versprechen immerhin, dass die Belichtungsprofile der Kameras die Eigenschaften unterschiedlicher Farbfilme imitieren können. Reicht das nicht?

Das sieht gut aus, aber perfekt ist es noch nicht. Ich kann schon verstehen, wenn Kollegen beim analogen Film bleiben. Auch hier werden beide Welten nebeneinander existieren. Trotz Fernsehen gibt es noch Radio, trotz CD und MP3 auch noch Langspielplatten. Mit dem analogen Bild wird es ähnlich sein. Es bleibt, aber es bleibt in einer Nische.

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