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Fotografie Knipsen kann jeder, aber der Profi macht die Bilder

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Mit der Entwicklerdose im Kleiderschrank

Vernetzte Fotografie
Samsung Galaxy Camera Quelle: Presse
Polaroid SC1630 Quelle: Presse
Sony NEX-5R Quelle: Presse
Panasonic Lumix SZ5 Quelle: Presse
Nikon Coolpix S8000C Quelle: Presse
Fujifilm Finepix XP170 Quelle: Presse

Was bevorzugen Sie, analog oder digital?

Die meiste Zeit habe ich natürlich analog gearbeitet. Viele Filme habe ich unterwegs unter ganz einfachen Verhältnissen selbst entwickelt. Da bin ich oft genug mit der Entwicklerdose zum Umspulen im Hotelzimmer in den Kleiderschrank gestiegen. Wenn man sich an den Aufwand erinnert, ist es echt beeindruckend, was die Elektronik heute so en passant erledigt. Ich bin vor etwa zehn, zwölf Jahren umgestiegen, als die Auflösung der professionellen Kameras gut genug war.

Gut genug, wofür?

So hoch aufgelöst, dass es für den Druck in Zeitschriften reicht oder für zwei bis drei Meter große Drucke in Ausstellungen. Das geht jetzt digital. Soll es noch größer sein, dann ist der Analogfilm immer noch feiner. Kompaktkameras und erst recht Smartphones kommen da nicht mit. Die Qualität digitaler Profikameras aber reicht heute für meinen Bedarf – Reportagen und Ausstellungen – vollauf aus. Abgesehen davon hängt die Qualität eines Bildes ohnehin vom Blick und Gespür des Fotografen ab und nicht von der Aufnahmetechnik, analog oder digital.

Womit machen Sie heute Ihre Bilder?

Ich habe zwei digitale Canon 5D Mark II und natürlich eine Leica M9. Früher waren wir Reporter fast alle Leica-Fotografen. Deswegen mag ich die M9. Das hast du im Blut, wie die funktioniert. Sie hat den Charme der alten Kameras, aber die Technologie ist hochmodern. Und die alten, hervorragenden Objektive kann ich auch weiter benutzen.

Was ist das Objektiv Ihrer Wahl?

35 Millimeter, das ist seit jeher Standard. Ich wechsele ungern und schleppe auch nicht gerne elend viel herum. Mit so einem handlichen Weitwinkel kann man 80 Prozent aller Bilder machen.

Früher gab’s den ersten Fotoapparat zur Kommunion oder Konfirmation. Heute bekommen viele Kinder ihr erstes Fotohandy zur Einschulung. Mit Bildgestaltungs-Apps wie Instagram & Co. können sie die Fotos verändern. Weckt das auch das Interesse an professioneller Fotografie?

Ganz sicher und nicht bloß bei Kindern und Jugendlichen. Unter den Besuchern meiner Ausstellungen sind viele Menschen, die über die eigenen Fotoerfahrungen auch das gute Bild schätzen gelernt haben. Vielen Kollegen geht das ähnlich. Das ist natürlich auch für uns Fotografen enorm wichtig, denn wir brauchen als Profis ja auch ein Publikum.

Wer früher kreativ fotografieren wollte, musste Tiefen- und Bewegungsunschärfe beherrschen oder die Belichtung der Abzüge optimieren. Heute erledigt das die Foto-App. Frustriert es den Profi, wenn jeder Laie Fotos per Fingerstreich einen kreativen Touch verleiht?

Gar nicht. Ich freue mich über jeden, der die Liebe zum Bild entdeckt – und sei es mithilfe einer Foto-App. Andererseits ist es aber auch nicht so, dass ein Bild nur deshalb zu einem guten Bild wird, weil ich einen tollen Filter darüberlege.

Höre ich da leichten Spott?

Man kann niemandem verbieten, Fotos umzubauen. Nur bin ich kein Freund übertriebener Effekte. Ich verstehe mich in erster Linie als Dokumentar des Geschehens. Farbe in Schwarz-Weiß umzuwandeln, das mag ja noch gehen. Aber nachträglich per Software einen Sonnenuntergang ins Bild zu zaubern oder einen wolkengrauen Himmel blau zu verfärben, das ist nicht mein Ding. Ich will nichts verändern. Ich will wiedergeben, was im Original da war – nichts anderes.

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