WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Gadgets Canon entdeckt das Internet

Seite 2/2

Canons Irista spricht bisher wenig an

Fotografieren in Zeiten des iPhones
Wie reagiert die Fotobranche auf den Trend zum Mobile Imaging, zum Fotografieren mit Smartphones und Tablets? Das ist eine der Kernfragen auf der Photokina in Köln. Wir zeigen einige Antworten. Quelle: dpa
Leistungsstarke Mini-Kameras wie die Pentax Q10 liegen voll im Trend. 10,2 Zentimeter breit, 5,8 Zentimeter hoch und 3,3 Zentimeter tief ist die laut Hersteller kleinste Systemkamera der Welt - bei gerade einmal180 Gramm Gewicht. Quelle: Presse
Noch winziger ist die Nikon Coolpix S01, die kleiner als eine Scheckkarte ausfällt. Quelle: Presse
Ein anderer Trend: Sofortbilder. Die „Instax mini 8“ von Fuji sieht auf den ersten Blick aus wie buntes Spielzeug, entpuppt sich aber als Sofortbildkamera, die Bilder im Sekundentakt ausspuckt. Quelle: rtr
Mit der Z2300 knüpft Polaroid an seine lange Tradition der Sofortbildkameras an. Quelle: Presse
Wer für seine Kamera den Preis eines Mittelklasseautos ausgeben möchte, ist mit der Leica S gut bedient. Die Mittelformat-Spiegelreflexkamera, die das Modell S2 ablösen soll, ist für stolze 19.000 Euro zu haben. Quelle: rtr
Nikon D600 Quelle: Presse

Die attraktivste Online-Plattform, die coolste App auf dem Smartphone oder der per Software erweiterbaren Kamera wird darüber entscheiden, welche Marken in der Bilderbranche Zukunft haben. Bei den Verantwortlichen der klassischen Hersteller müssten alle Alarmsirenen tönen, wenn sie sehen, dass heute App-Anbieter wie Instagram oder Netz-Dienste wie Pinterest als Trendsetter der Fotowelt gelten. Und nicht mehr die Kameraproduzenten selbst.

In diesem sich radikal wandelnden Markt mit eigenen Cloud-Angeboten präsent zu sein, wird über kurz oder lang zur Überlebensfrage für eine Kamerabranche, die heute schon unter drastisch schrumpfenden Geräteverkäufen ächzt.

Genau deshalb ist Canons Irista zwar bisher enttäuschend wenig attraktiv, aber im Grunde alternativlos. Die Plattform ist der letzte Weckruf für die Kamera-Dinosaurier, das Zukunftsgeschäft nicht gänzlich der Online-Konkurrenz zu überlassen, die in Sachen Software und Services ohnehin viel agiler und kreativer ist, als die hardware-fokussierten Ingenieurstruppen der traditionellen Foto-Konzerne.

Ehrlich gesagt, ist das neue Angebot, wenn man das Canon zugute halten will, denn auch kaum mehr als der Wechsel von der geschlossenen zur offenen Beta-Phase, der ein rascher Ausbau von Funktionalität und Vernetzung folgen muss. Zumindest inoffiziell deuten die Verantwortlichen auch an, dass ihr entwickeltes Produkt vermutlich bereits zur Photokina im September funktional deutlich aufgewertet wird.

Und nicht bloß das: Bei Canon weiß man, dass Cloud-Dienste wie Irista auf Dauer der Anker sein müssen, um die Kunden im Web-Zeitalter an die Marke zu binden. Fotos, mit einer (Canon-) Kamera geschossen oder dereinst womöglich mit einer (Canon-) Kamera-App auf dem Smartphone aufgenommen, müssen per Auto-Upload direkt im Canon-Online-Speicher landen. Der wiederum muss die Möglichkeit bieten, die Bilder optimiert direkt auf (Canon-) Druckern auszugeben oder über einen externen Dienstleister als Fotobuch produzieren lassen.

Gadgets



Angesichts dessen fragt man sich, warum die Japaner nicht beispielsweise längst das Entwicklerteam hinter der großartigen „Camera+“-App gekauft haben? Bis heute rätsele ich, warum sie beispielsweise Flickr Xahoo überlassen haben, statt selbst zuzugreifen. Warum bietet Apple ein durchgängiges Angebot vom Bildermanagement mit der Software iPhone über den Netzspeicher iCloud bis zum professionellen Bilderdruck und nicht Canon?

Denn nur wer künftig als Kamerahersteller dieses Ökosystem beherrscht, hat in der digitalen Bilderwelt eine Überlebenschance. Einem Markt in dem die Hersteller – die Mobilfunkwelt macht‘s vor – schon bald ihren Abo-Kunden womöglich alle zwei bis drei Jahre eine neue Kamera zur Verfügung stellen, solange die nur (gut) zahlende Kunden des Online-Portals bleiben.

Von all dem ist Irista aktuell noch weit entfernt. Aber es ist der erste Schritt – und Canon ist der erste unter den klassischen Kameragiganten, der ihn macht. Bleibt zu hoffen, dass ihm rasch weitere folgen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%