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Gesundheits-Apps Das große Geschäft mit Wearables

Apple, Google und Hersteller von Fitnessarmbändern bringen Bewegung in den Gesundheitsmarkt. Doch welche Gefahren bestehen für private Daten und die eigene Gesundheit?

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Asus stellt ZenWatch 2 vor
ZenWatch 2Asus hat die nächste Generation der ZenWatch vorgestellt. Die Uhr funktioniert mit dem Android-Wear-Betriebssystem, Asus hat wie beim Vorgängermodell aber auch einige eigene Funktionen wie eine Fitness-App eingebaut. Über eine bessere Remote-Camera-Verbindung soll das Sucherbild der Smartphone-Kamera auf der Smartwatch dargestellt werden. Die Smartwatch besteht aus Edelstahl und kommt in verschiedenen Farb- und Armbandvarianten auf den Markt, die laut Asus individuell zu 18 verschiedenen Varianten kombiniert werden können. Neben klassischem Leder- oder Gummiarmband ist auch ein Armband mit geprägtem Diamantenmuster und Swarovski-Steinen zu haben. Um auch an kleinere Handgelenke zu passen, gibt es die ZenWatch 2 in zwei Größen: 49 mal 41 Millimeter und 45 mal 37 Millimeter. Wann sie in den Handel kommt und was sie kosten soll, wurde noch nicht verraten. Quelle: REUTERS
Apple WatchApple hat den Start seines ersten völlig neuen Geräts seit fünf Jahren ungewöhnlich still eingeleitet. Nur in wenigen Luxusgeschäften sind seit Ende April die Uhren zu haben. Die Apple Watch gibt es in drei Varianten: Sportler-, Standard- und Luxusmodell. Damit sie an kleinen Handgelenken nicht klotzig wirkt, ist die Apple Watch in zwei Größen erhältlich: 38 und 42 Millimeter. In einem ersten Test hat unser Redakteur Thorsten Firlus die Apple Watch unter die Lupe genommen. Quelle: AP
Vector Luna und Meridian Quelle: Screenshot
Withings Activité PopWer mit bunten Armbändern und klobigen Smartwatches nichts anfangen kann, sollte einen Blick auf die Withings Activité werfen. Es handelt sich um eine analoge Uhr in schlichtem, elegantem Design, in die auch ein Fitnesstracker eingebaut ist. Die Edel-Variante der Schweizer Uhr mit Lederarmband und Saphirglas schlägt mit fast 400 Euro zu Buche - für schmalere Geldbeutel hat Withings nun eine erschwinglichere Variante präsentiert. Die Variante Pop ist mit Kunststoffarmband und Mineralglasabdeckung etwas einfacher gehalten. Sie kommt in drei Farben daher und kostet 149,95 Euro. Neben der Zeitanzeige läuft in der rechten Ecke eine Prozentanzeige ab, die nachhält wie viel des selbstgesteckten Aktivitätsziels man bereits erreicht hat. Die Uhr ist über die Health-Mate-App via Bluetooth mit dem iPhone verbunden und kann Lauf- und Schwimmbewegungen erfassen. Eine Android-Variante ist laut Hersteller derzeit noch in Arbeit. Quelle: obs
Jabra Sport Pulse WirelessWarum noch ein weiteres Wearable mit sich herumtragen, wenn man beim Joggen gern Musik hört? Das dachte sich wohl der Headset-Spezialist Jabra und bringt nun In-Ear-Kopfhörer samt Mikrofon heraus, die den Puls messen können. Der sportliche Begleiter misst per Infrarottechnologie die Herzfrequenz und sendet die Daten an eine Smartphone-App. Das funktioniert über Bluetooth oder NFC sowohl bei iOS- als auch bei Androidgeräten. Ein virtueller Fitnesscoach kann die Daten auch gleich durchsagen und durch Work-Outs leiten. Die Kopfhörer kommen mit vier verschiedenen Haltebügeln und In-Ear-Stöpselformen, aus denen man individuell wählen kann, was am bequemsten zu tragen ist. Die Stöpsel sind schnurlos, so dass man sich beim Training nicht verhededdert, und nur 16 Gramm schwer. Über die Kopfhörer können auch Musikwiedergabe und Anrufe geregelt werden. Laut Hersteller hält der Akku bis zu fünf Stunden Musik oder Gesprächszeit durch. Preis: 199,99 Euro Quelle: Presse
Microsoft BandDas schwarze Armband „Microsoft Band“ mit langgezogenem Display soll unter anderem Herzschlag und Stress messen sowie die UV-Strahlung, der ein Träger ausgesetzt ist. Der Cloud-Service soll auch Daten von Fitness-Accessoires anderer Anbieter aufnehmen, wie Microsoft-Manager Yusuf Mehdi dem Technologieblog „The Verge“ am späten Mittwoch erläuterte. Preis: 199 Dollar Quelle: Microsoft
Fitbit ChargeDas Fitness-Tracker-Armband ist das Einsteigermodell. Es kann Fitnessstatistiken und Anrufe anzeigen - auch ein stummer Vibrationsalarm und eine Weckfunktion sind eingebaut. Das Armband misst Schrittzahl, zurückgelegte Distanzen, den Kalorienverbrauch und auch die bewältigten Stockwerke. Neu ist eine automatische Schlaferkennung, die anhand der Bewegungen Auskunft über die Qualität des Schlafes geben soll. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit bis zu sieben Tagen an. Charge löst das Vorgängermodell Force ab, dass die Firma wegen allergischer Reaktionen vom Markt nehmen musste. Die neuen Materialien sind laut Hersteller nun von Dermatologen geprüft. Preis: 129,95 Euro. Ab dem 17. November soll Charge im Online-Store und bei ausgewählten Partnern erhältlich sein. Farblich gibt es das Band zunächst in Schwarz und Schiefergrau, Burgunderrot (im Bild) und Blau sollen folgen. Quelle: Presse

Ein ganz normaler Morgen in Wuppertal. Jonas Jahnke stellt sich am Morgen auf die Waage, zückt sein Smartphone und gibt die gemessenen Daten in eine App ein. Auf dem Weg zur Arbeit lässt er seine Schritte zählen, jede Mahlzeit wird genau vermerkt, inklusive durchschnittlicher Kalorienzahl. Geht er zum Sport, trägt er die genauen Daten ebenfalls ein. Abends vor dem Schlafengehen schaut er dann nochmal auf sein Handy: Hat er seine selbst gesteckten Ziele für diesen Tag erreicht?

Mittlerweile hat Jahnke 46 Kilo abgenommen – ein großer Teil davon geht auf das Konto der Apps, die er benutzt. „Das motiviert, wenn man genau sehen kann, dass das Gewicht kontinuierlich fällt und man seine übliche Laufrunde immer schneller abschließt.“

Der Markt für derartige Gesundheits-Apps boomt. Neben Spielen, die die Bewegung des Nutzers mit einbeziehen, gibt es allerhand Anwendungen, um Laufstrecken, verbrauchte Kalorien oder Gewichtsverluste nachzuverfolgen. Viele davon müssen manuell mit Daten gefüttert werden, in Zukunft werden Fitnessbänder und Sensoren einen Teil der Arbeit übernehmen. Der Trend hinter dem Boom derartiger Apps heißt „Quantified Self“: Das vermessene Ich. Die hinter dem Begriff stehende Nutzerbasis verwendet Hard- und Softwarelösungen, mit Hilfe derer umwelt- und personenbezogene Daten erfasst, analysiert und ausgewertet werden, mit der Zielsetzung Gewohnheiten, Ernährung und Bewegung in Einklang zu bringen und zu optimieren.

Was Smartphones alles messen können
KalorienEin paar Pfunde verlieren oder den Cholesterinspiegel in den Griff bekommen - wer wirklich gesund leben will, muss sich gut ernähren. MyFitnessPal (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone)MyFitnessPal ist nicht nur eine App sondern eine ganze Community, die sich rund um das Thema Abnehmen dreht. Hier kann man sich ein Profil erstellen und darin abspeichern, was, wann wo gegessen wurde. Der Vorteil an der Gruppe: Der User kann sich mit anderen vergleichen und wird so extra angespornt. In die App integriert ist auch ein Sport-Tool, dass einem je nach Länge der Aktivität anzeigt, wie viele Kalorien man wieder verbaucht hat. Kaloriencheck (iOS)Die App zeigt mit einem Mouse-Klick an, wie viele Kalorien in dem Essen stecken. FoodNavi (iOS)FoodNavi hilft dabei den Überblick über die eigenen Ernährung zu behalten und zeigt in Diagrammen an, wie viele Milchprodukte, wie viel Obst und wie viele Kohlenhydrate der User schon zu sich genommen hat. Quelle: REUTERS
Blutdruck und PulsWenn der Blutdruck Achterbahn fährt, gilt es Ruhe bewahren und vor allem den eigenen Körper genau im Auge behalten. Dabei helfen etliche Tools. Blutdruck Daten (iOS, Android)Der digitale Blutdruck-Pass erfasst alle Blutwerte, die mit einem extra Gerät gemessen werden müssen. Das Tool ist kostenlos. Blutdruck+Puls Grapher (iOS und Android)Ganz ähnlich funktioniert der Grapher. Hier können nicht nur die Blutdruckwerte, sondern auch die Ernährung des Tages sowie die jeweiligen Tagesaktivitäten eingetragen werden. Zum Beispiel "Fußball auf dem Sofa mit einer Tüte Chips". Ithlete (iOS, Android)Der Brustgurt Ithlete misst den Puls beim Sport machen: Ganz gleich ob beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Die Ergebnisse der Messung werden direkt auf die App überspielt. Quelle: dpa
SchrittzählerWer den ganzen Tag im Büro sitzt, kennt das Problem: Man bewegt sich viel zu wenig. Wie schlimm es um einen wirklich bestellt ist, zeigen Schrittzähler an. Diese dokumentieren wie viele Schritte der einzelne pro Tag absolviert. Pedometer (iOS und Android)Von Runtastic stammt der Pedometer. Die App nutzt den Beschleunigungssensor des Smartphones, um die Anzahl der Schritte zu ermitteln. Die Distanz und die Zeit der Aktivität werden am Ende übersichtlich angezeigt. Das Smartphone kann überall am Körper getragen werden. Ultimate (iOS)Apple-User können auch Ultimate nutzen. Der Schrittzähler misst die Bewegung via GPS. Quelle: dpa
JoggenWie die Schrittzähler funktionieren auch andere Tools für das Laufen - vom leichten Joggen bis zum Marathontraining. Hinter den beiden Apps steht jeweils eine Community mit Personen, die sich zum Thema austauschen und auch gegenseitig anfeuern. Runtastic (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone, Bada)Eine der beliebtesten Trainings-Apps ist Runtastic. Via GPS wird der Verlauf der Jogging-, Fahrrad- oder Skaterstrecke gespeichert und innerhalb der Plattform hochgeladen. Wer möchte, kann nach dem Lauf auch sein Ergebnis bei Facebook oder Twitter hochladen. Außerdem bietet das Tool die Möglichkeit gegen die eigenen Leistung oder die anderer anzutreten. Auch einfache Gymnastik-Trainings oder Yoga-Übungen lassen sich manuell hinterlegen. Runkeeper (iOS und Android)Ganz ähnlich funktioniert Runkeeper. 17 Millionen Menschen nutzen nach Anbieter-Angaben die App weltweit. Quelle: dpa
SchlafSo verrückt es klingt, immer mehr Menschen verfolgen ihren Schlaf genau. Wie oft wird man wach? Wie viele Stunden Schlaf bekomme ich in der Woche. Sleep101 (iOS)Die App des Anbieters Zeo verfolgt genau wie lange und wie gut ein User schläft. Ein integrierter Wecker weckt genau in dem Moment, in dem eine Tiefschlafphase vorbei ist. ElectricSleep (Android)Eine Alternative für Android-Nutzer ist die App ElectricSleep, die ebenfalls von Zeo auf den Markt gebracht wurde. Quelle: dpa
StimmungEinfach mal messen, wie es einem so geht. Auf dem Markt gibt es zig Tools, die einem dabei helfen. Eine Empfehlung: Mood Panda (iOS und Android)Ein kleiner Panda ist der Begleiter durch den Tag. In der ansprechend gestalteten App können Stimmungsschwankungen genau festgehalten und visualisiert werden. Einzelne Ereignisse lassen sich auch auf Twitter oder Facebook verbreiten. Quelle: dpa
ZeitWie gerne würde man einmal die Zeit zurückdrehen können - viel zu schnell scheint sie an manch Tagen zu vergehen. Dabei müsste man sich viel häufiger die Frage stellen, was man eigentlich den ganzen Tag tut, was einem so sehr die Zeit raubt. Dabei hilft der: Rescue Time (Android)Wie lange habe ich E-Mails gelesen, wie lange im Internet gesurft und wie lange telefoniert. Den eigenen Tagesablauf genau zu messen, kann sinnvoll sein. So lässt sich ganz einfach herausfinden, an welchen Stellen des Tages Zeit vergeudet wurde. Das tolle daran: Das Programm läuft im Hintergrund des Smartphones und speichert so alle Verhaltensweisen. Quelle: dpa

Die Industrie hat dies erkannt und präsentiert in immer kürzeren Abständen Fitnessbänder, Sensoren und Anwendungen, die die Grenzen zwischen dem realen und dem digitalen Menschen verschwimmen lassen. Hersteller wie Samsung machen daraus bereits ein Geschäft mit so genannten Wearables - also tragbaren Messgeräten. Den Anfang machte der Sportartikelhersteller Nike, der unter dem Begriff Nike+ spezielle Schuhsensoren anbot, mit denen Läufer ihre Aktivitäten erfassen können. Die Entwicklung von Hardware will Nike allerdings einstellen – und sich ganz auf die Softwareentwicklung spezialisieren.

Wie Google Health scheiterte

Wenn es nach Apple und Google geht, könnten die erfassten Daten bald Teil eines großen Netzwerks sein. Im Juni stellte Apple das so genannte Health Kit vor, eine Sammlung von Schnittstellen, die von Entwicklern, mit denen externe Geräte mit iOS-Geräten wie iPhone und iPad gekoppelt werden können. Der Nutzer sieht die Daten dann in der Health-App. Ab Herbst sollen die Anwender davon profitieren können - dann erscheint iOS 8, das Health beinhaltet. Einen ähnlichen Ansatz bietet Google mit dem Programm Google Fit, das laut eigenen Angaben als offene Plattform gestaltet werden soll. Die ersten Partner wurden bereits angekündigt: Neben Hardwarepartnern wie HTC, LG und Intel sind Adidas, Nike und der Sportuhrenhersteller Polar mit von der Partie.

Aktuell ist der Markt vor allem auf die junge Generation ausgerichtet. Für das Gesundheitswesen könnten die neuen Ansätze eine kleine Revolution darstellen, sobald die integrierten Systeme den Massenmarkt erreichen - und genau das können die großen Anbieter schaffen, wenn die Umsetzung stimmt. Die Hardware ist dafür bereit: Smartphones verfügen über Bewegungssensoren und sind in der Lage, die erfassten Daten direkt zu verarbeiten So haben die meisten potentiellen Nutzer ihr Erfassungsgerät bereits in der Hosentasche und müssen für die meisten Anwendungsbereiche keine zusätzliche Hardware kaufen - das senkt die Einstiegshürde. Klaus Reinhardt, Vorstandsvorsitzender des Hartmannbundes, dem größten freuen Ärzteverband in Deutschland, sieht die technischen Möglichkeiten als eine willkommene Ergänzung zur medizinischen Versorgung: "Die erfassten Vitaldaten können dabei helfen, genauere Diagnosen zu stellen." Er räumt allerdings ein, dass solche Daten nur eine Ergänzung, keine Behandlungsgrundlage darstellen dürfen. So können zu Hause durchgeführte Blutdruckmessungen Anhaltspunkte für Gefäßkrankheiten geben, die über die normale ärztliche Versorgung nicht ohne Weiteres erkannt worden wären.

Wie der Mensch in kleinen Schritten zum Cyborg wird
Brillen-SchlangeGoogles Datenbrille Glass verwandelt Models auf einer Modenschau in New York in Cyber-Wesen. Wer die Brille haben will, muss sich bewerben. Preis: ca. 1.100 Euro. Quelle: dapd
Kinder-ÜberwachungDas Sensorhemd Mimo Baby Monitor vom US-Anbieter Rest Devices erfasst Atemfrequenz, Temperatur, Liegeposition und Aktivität des Kindes. Preis: ca. 145 Euro Quelle: Presse
Bewegungs-MelderDas Konzept-Sportshirt Move der amerikanischen Modedesigner von Electricfoxy korrigiert mit Vibrationen die Körperhaltung von Golfern oder Yoga-Schülern. Preis: unbekannt Quelle: Presse
Quassel-KastenDer Anstecker von Sigmo übersetzt Gesprochenes via Smartphone in 25 Fremdsprachen. Preis: ca. 47 Euro Quelle: Presse
Schlaf-VermesserDas Armband Flex vom US-Startup Fitbit misst die Schlafdauer, zählt Schritte, die zurückgelegte Strecke und verbrannte Kalorien. Preis: ca. 100 Euro Quelle: Presse
Finger-FernbedienungDer Daumenring Fin des indischen Herstellers RHLvision verwandelt die Hand in eine Steuerkonsole für Smartphones, Fernseher und mehr. Preis: ca. 87 Euro Quelle: Presse
Karten-KlunkerDer Funkchip-Ring des Startups The Ring Theory dient in Bostons U-Bahn als Fahrkarte. Quelle: Presse

Unternehmen, die mittelfristig mit seinen Fitness- und Gesundheitsanwendungen im Markt bleiben wollen, müssen einen Nerv treffen und außergewöhnliche Ansätze finden. Ein Ansatzpunkt ist das Angebot von Communities. Klassische Beispiele sind die Anwendungen Runtastic und Runkeeper, bei der sportliche Aktivitäten per GPS aufgezeichnet und auf Wunsch live ins Netz gestellt werden können. Andere Nutzer können dort den Sportler unterwegs motivieren - fast so als wären sie mit auf der Strecke. Das motiviert und ist gut für das Ego. Ähnliche Ansätze gibt es im Ernährungsbereich: Die App Noom bringt Abnehmwillige zusammen und hilft ihnen dabei, sich gegenseitig zu regelmäßigen Mahlzeiten zu motivieren. Jahnke nutzt beispielsweise die Trainingsapp Endomondo: „Wenn ich ein wirklich gutes Training hingelegt habe, poste ich hin und wieder Screenshots von Endomondo in den sozialen Netzwerken.“

Doch was genau stellen die Appanbieter mit den Daten an? Die meisten nutzen sie, um Ernährungs- oder Trainingsempfehlungen zu erstellen - ohne Daten gibt es allerdings auch keine Tipps. So kommen nur jene Nutzer in den Genuss des vollen Funktionsumfangs, die bereit sind, ihre Daten einem Unternehmen offenzulegen. Bisher fehlt allen Apps aber etwas Wichtiges für den kompletten Überblick: medizinische Fachdaten, die zumindest in der EU aus datenschutzrechtlichen Gründen bei den Ärzten verbleiben. Für einen durchschnittlich gesunden Menschen wäre die Auflistung solcher Daten weniger gefährlich als für solche mit chronischen Krankheiten. Das Stichwort hier ist Big Data: Versicherungen und große Arbeitgeber könnten solche Daten von Händlern kaufen, um zu erfahren, welche Krankheiten und Risikofaktoren ein Kunde oder Mitarbeiter mit sich bringt.

An fehlenden Daten scheiterte 2008 das erste Projekt von Google, Google Health. Dabei sollte Nutzern ermöglicht werden, Daten verschiedener Anbieter an einem Ort zu sammeln. Im Januar 2012 wurde das Projekt eingestellt – mangels vorhandener Nutzerbasis. Googles neues Angebot Google Fit verzichtet jetzt auf den Ansatz, echte medizinische Daten zu nutzen, stattdessen will man sich auf Sport und Ernährung konzentrieren. Apple hingegen will gezielt in den Medizinmarkt einsteigen und hat hierfür auch schon starke Partner gefunden. Der mit Abstand wichtigste ist Epic Systems, ein Privatunternehmen, das etwa die Hälfte aller Patientendaten in den USA verwaltet. Ein Nachteil für die Mediziner ist die Menge der Daten. Nicht alle sind relevant für eine Diagnose, einige sind veraltet – und was passiert, wenn dem behandelnden Arzt anhand der Daten ein Behandlungsfehler geschieht, ist ebenfalls nicht klar. Reinhardt vom Hartmannbund sieht das weniger kritisch: "Ein Arzt sollte die Daten hinterfragen und sie nicht als Grundlage für eine Diagnose nutzen. Sie können lediglich einen Hinweis geben."


Patientendaten in Deutschland unter Verschluss


In Deutschland wäre so etwas derzeit ohnehin undenkbar: Patientendaten werden von Ärzten und Kliniken unter Verschluss gehalten. Ein Vorstoß in Richtung Digitalisierung und Öffnung der Systeme sollte die Elektronische Gesundheitsakte sein, die in Deutschland bislang aber noch nicht eingeführt wurde. Als Zugangsschlüssel sollte die neu eingeführte Elektronische Gesundheitskarte genutzt werden. Reinhardt begrüßt die Einführung eines elektronischen Patientendatensystems: "Aktuell werden Medizindaten oft noch direkt weitergegeben, zum Beispiel per Fax, ohne spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Wünschenswert wäre die digitale Weitergabe über sichere VPN-Verbindungen, auf die nur die Praxen zugreifen können."

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Der Datenschutz ist auch für Nils Schröder, den Sprecher des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen, ein wichtiges Thema. „Gesundheitsdaten sind nach europäischem und deutschem Recht besondere Datenarten, die nur mit besonderer Rechtsgrundlage und in der Regel nur mit besonderen technisch-organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen verarbeitet werden dürfen.“ Offen ist, wie diese Sicherheitsvorkehrungen aussehen sollen und an welcher Stelle sie greifen müssen. Ein Test der Rheinischen Post ergab im Juni, dass die Barrieren bei den Krankenkassen leicht zu umgehen sind – und so Unbefugten Zugang zu sensiblen Patientendaten wie Diagnosen, verordneten Medikamenten und anderen Details gegeben wurde.

Wichtig ist auch, welchen Einfluss der Patient auf die Weitergabe der Daten hat. „Entscheidend für das informationelle Selbstbestimmungsrecht ist, dass man grundsätzlich selbst frei entscheiden kann, wer etwas über einen weiß“, so Schröder. „Mittelfristig ist allerdings die Europäische Datenschutzgrundverordnung geplant, die entweder unmittelbar geltendes Recht auch für Deutschland schafft oder einen neuen Rahmen für die deutsche Gesetzgebung setzt.“  Einige Nutzer würden dies begrüßen und könnten sich sogar vorstellen, die selbst erfassten Daten freizugeben. So sieht das auch der Freizeitsportler Jonas Jahnke: „Wenn es Vorteile bringen würde, klar.“ Ein Vorteil könnte die engere Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt sein. Anhand aktueller Vitalwerte könnte dieser zum Beispiel erkennen, wie es um den Verlauf einer Diät steckt - und bei Bedarf eingreifend Tipps geben. Klaus Reinhardt nutzt solche Daten in seiner Bielefelder Praxis immer häufiger: "Oft kommen Patienten zu mir, die mir aktuell gemessene Werte auf ihren Smartphones vorlegen." Die Daten helfen dem Arzt bei der genaueren Erörterung von gesundheitlichen Problemen - und am Ende auch oft auch bei der Diagnose.

Mit Hilfe der sogenannten Telemedizin können Untersuchungen wie Blutdruckmessung oder Blutzuckerspiegel von zu Hause aus direkt an den behandelnden Mediziner übertragen werden – ein Besuch in der Praxis entfällt. Auch Reinhardt sieht hier einen Vorteil: "Die neuen technologischen Möglichkeiten fördern die Selbstbeobachtung des Patienten - und sorgen dafür, dass Patienten aufgeklärter in die Praxis kommen." Er sieht die Entwicklungen als Gewinn für die Medizin an und hält die Selbstbeobachtung für eine sinnvolle Ergänzung der üblichen medizinischen Versorgung.

Was allerdings die Verquickung von Sport- und Vitaldaten mit medizinischen Diagnosen angeht, gilt es skeptisch zu bleiben. Vor allem weil die Anbieter der meisten Fitnessapps in den USA sitzen - dort gelten andere Regeln für die Weitergabe von Daten. Schröder warnt: "In Profilen können Informationen aus verschiedenen Quellen verknüpft werden, die ein recht genaues Persönlichkeitsbild zeichnen, das der Einzelne nicht kontrollieren kann." Interessant sind solche Daten unter anderem für den Marketingbereich, Anbieter von Fitnessprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln und Medizinprodukten hätten so direkten Zugriff auf ihre potentielle Kundschaft. Viele Apps und intelligente Sportgeräte lassen sich allerdings ohne Netzverbindung gar nicht benutzen. Wer nicht möchte, dass seine Daten an die Hersteller weitergegeben werden, der muss auf die kleinen Helferlein verzichten.

Apple und Google halten sich bisher noch zurück, was konkrete Aussagen zu Health Kit, Google Fit und den Datenschutz angeht. Mit der Vorstellung von Apples Smartwatch iTime wird sich dies vermutlich ändern und der Nutzer weiß, was mit seinen Daten genau passiert.

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