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Gesundheits-Apps Das große Geschäft mit Wearables

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Patientendaten in Deutschland unter Verschluss


In Deutschland wäre so etwas derzeit ohnehin undenkbar: Patientendaten werden von Ärzten und Kliniken unter Verschluss gehalten. Ein Vorstoß in Richtung Digitalisierung und Öffnung der Systeme sollte die Elektronische Gesundheitsakte sein, die in Deutschland bislang aber noch nicht eingeführt wurde. Als Zugangsschlüssel sollte die neu eingeführte Elektronische Gesundheitskarte genutzt werden. Reinhardt begrüßt die Einführung eines elektronischen Patientendatensystems: "Aktuell werden Medizindaten oft noch direkt weitergegeben, zum Beispiel per Fax, ohne spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Wünschenswert wäre die digitale Weitergabe über sichere VPN-Verbindungen, auf die nur die Praxen zugreifen können."

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Der Datenschutz ist auch für Nils Schröder, den Sprecher des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen, ein wichtiges Thema. „Gesundheitsdaten sind nach europäischem und deutschem Recht besondere Datenarten, die nur mit besonderer Rechtsgrundlage und in der Regel nur mit besonderen technisch-organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen verarbeitet werden dürfen.“ Offen ist, wie diese Sicherheitsvorkehrungen aussehen sollen und an welcher Stelle sie greifen müssen. Ein Test der Rheinischen Post ergab im Juni, dass die Barrieren bei den Krankenkassen leicht zu umgehen sind – und so Unbefugten Zugang zu sensiblen Patientendaten wie Diagnosen, verordneten Medikamenten und anderen Details gegeben wurde.

Wichtig ist auch, welchen Einfluss der Patient auf die Weitergabe der Daten hat. „Entscheidend für das informationelle Selbstbestimmungsrecht ist, dass man grundsätzlich selbst frei entscheiden kann, wer etwas über einen weiß“, so Schröder. „Mittelfristig ist allerdings die Europäische Datenschutzgrundverordnung geplant, die entweder unmittelbar geltendes Recht auch für Deutschland schafft oder einen neuen Rahmen für die deutsche Gesetzgebung setzt.“  Einige Nutzer würden dies begrüßen und könnten sich sogar vorstellen, die selbst erfassten Daten freizugeben. So sieht das auch der Freizeitsportler Jonas Jahnke: „Wenn es Vorteile bringen würde, klar.“ Ein Vorteil könnte die engere Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt sein. Anhand aktueller Vitalwerte könnte dieser zum Beispiel erkennen, wie es um den Verlauf einer Diät steckt - und bei Bedarf eingreifend Tipps geben. Klaus Reinhardt nutzt solche Daten in seiner Bielefelder Praxis immer häufiger: "Oft kommen Patienten zu mir, die mir aktuell gemessene Werte auf ihren Smartphones vorlegen." Die Daten helfen dem Arzt bei der genaueren Erörterung von gesundheitlichen Problemen - und am Ende auch oft auch bei der Diagnose.

Mit Hilfe der sogenannten Telemedizin können Untersuchungen wie Blutdruckmessung oder Blutzuckerspiegel von zu Hause aus direkt an den behandelnden Mediziner übertragen werden – ein Besuch in der Praxis entfällt. Auch Reinhardt sieht hier einen Vorteil: "Die neuen technologischen Möglichkeiten fördern die Selbstbeobachtung des Patienten - und sorgen dafür, dass Patienten aufgeklärter in die Praxis kommen." Er sieht die Entwicklungen als Gewinn für die Medizin an und hält die Selbstbeobachtung für eine sinnvolle Ergänzung der üblichen medizinischen Versorgung.

Was allerdings die Verquickung von Sport- und Vitaldaten mit medizinischen Diagnosen angeht, gilt es skeptisch zu bleiben. Vor allem weil die Anbieter der meisten Fitnessapps in den USA sitzen - dort gelten andere Regeln für die Weitergabe von Daten. Schröder warnt: "In Profilen können Informationen aus verschiedenen Quellen verknüpft werden, die ein recht genaues Persönlichkeitsbild zeichnen, das der Einzelne nicht kontrollieren kann." Interessant sind solche Daten unter anderem für den Marketingbereich, Anbieter von Fitnessprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln und Medizinprodukten hätten so direkten Zugriff auf ihre potentielle Kundschaft. Viele Apps und intelligente Sportgeräte lassen sich allerdings ohne Netzverbindung gar nicht benutzen. Wer nicht möchte, dass seine Daten an die Hersteller weitergegeben werden, der muss auf die kleinen Helferlein verzichten.

Apple und Google halten sich bisher noch zurück, was konkrete Aussagen zu Health Kit, Google Fit und den Datenschutz angeht. Mit der Vorstellung von Apples Smartwatch iTime wird sich dies vermutlich ändern und der Nutzer weiß, was mit seinen Daten genau passiert.

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