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Handy-Anbieter im Test Diese Mobilfunknetze lassen Sie nicht im Stich

Beste Sprachqualität, günstige Tarife, mobile Daten satt? Geschäftsleute haben die unterschiedlichsten Erwartungen an ihr Handynetz. Eine exklusive Auswertung zeigt, welcher Anbieter am besten zu welchem Nutzer passt.

Die Deutsche Telekom schneidet bei den Mobilfunk-Tests am Besten ab. Quelle: dpa

Vodafone-Chef Vittorio Colao hat geschafft, was zuvor kaum ein CEO eines Mobilfunkriesen fertiggebracht hat: mit einer einzigen Entscheidung seine Top-Manager wie auch seine Kunden in Deutschland gegen sich aufzubringen.

Denn als Colao die bis dato hoch profitable deutsche Niederlassung 2011 auf Sparkurs zwang, quittierte nicht nur Friedrich Joussen den Dienst, der langjährige lokale Statthalter des britischen Konzerns. Die roten Funker in Düsseldorf mussten auch noch das verbleibende Geld auf den Ausbau der neuen, besonders schnellen Funktechnik LTE konzentrieren – was die Qualität des bestehenden Netzes drastisch einbrechen ließ.

Die Folge: Vodafone, beim renommeeträchtigen Netztest des Stuttgarter Mobilfunkmagazins „Connect“ über Jahre auf Platz eins abonniert, fiel weit hinter die Deutsche Telekom zurück. Mehr noch, wegen sich häufender Gesprächsabbrüche, schlechterer Sprachqualität und stockender Datenverbindungen wanderten die frustrierten Kunden des einstigen Branchenprimus zur Konkurrenz ab.

Teurer Strategiefehler

Das betraf besonders die ebenso qualitätsbewussten wie profitablen Geschäftskunden. Colao musste gegensteuern und Milliarden aus dem Verkauf der US-Tochter Verizon lockermachen. Seit vergangenem Jahr darf nun Jens Schulte-Bockum, Joussens Nachfolger als Vodafone-Deutschland-Chef, die Lücken im Netz stopfen.

Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt

Durchaus erfolgreich, wie der aktuelle Netztest der Stuttgarter Mobilfunk-Experten belegt. Zwar reicht es noch nicht ganz, um der Telekom den Sieg zu nehmen. „Doch nach zwei schwachen Jahren meldet sich Vodafone wieder als Premium-Anbieter zurück“, urteilt „Connect“-Cheftester Bernd Theiss.

Doch was bedeutet dieses Urteil für Geschäftskunden? Denn ob Managerin oder Monteur, Sozialarbeiterin oder Servicetechniker – die Bedürfnisse der unterschiedlichen Berufsgruppen variieren nun einmal enorm. Der eine braucht beste Sprachqualität, die Nächste achtet auf niedrige Kosten, ein Dritter will vor allem extrem schnell Daten mobil übertragen, und der Vierte will ausgewogen hohe Leistung in allen Kategorien.

Mobilfunk-Netze im Business-Check

Die WirtschaftsWoche hat daher alle Ergebnisse des Netztests einem exklusiven Business-Check unterzogen – ausgerichtet an vier typischen Nutzungsszenarien. Die Spezialauswertung zeigt: Die Roten ziehen in einigen für Geschäftskunden relevanten Leistungsmerkmalen mit den magentafarbenen Mobilfunkern aus Bonn gleich.

Teils hängt Vodafone den Gesamtsieger sogar leicht ab: So bekommt etwa, wer in Ballungsräumen telefoniert, im Schnitt bei Vodafone einen Hauch schneller etwas stabilere Verbindungen mit etwas besserer Sprachqualität. Auf dem Land, in Kleinstädten oder auf Autobahnen liegen die Düsseldorfer wieder knapp hinter dem Branchenersten (siehe Tabelle).

Stärken- und Schwächenprofile der deutschen Netzbetreiber - in Prozent der jeweils maximal erreichbaren Versorgungsqualität bei Sprach- und Datenverbindungen

Lähmende Übernahme

Deutlich schlechter sieht es mit den kleinen Netzbetreibern aus. O2 hat zwar kräftig in den Ausbau seiner LTE-Infrastruktur investiert, patzt aber beim Rufaufbau und bei der Sprachqualität. Offenbar hat die Münchner Marke der spanischen Telefónica – wie in den Jahren zuvor Vodafone – Schwierigkeiten, neue LTE- und alte UMTS-Funktechnik feinzujustieren.

Angesichts der Übernahme des Konkurrenten E-Plus vom niederländischen KPN-Konzern und der Integration beider Netze haben die Münchner wohl nicht mehr mit letztem Eifer ihre Systeme optimiert. Die Gesprächsqualität ist bei E-Plus zwar besser. Dafür hapert es bei der Datenübertragung. Die LTE-Abdeckung liegt nur im einstelligen Prozentbereich. Ein Manko, das sich erst nach dem Zusammenschluss mit dem O2-Netz ändern dürfte.

Trotzdem – auch das zeigen die von der WirtschaftsWoche erstellten Leistungsprofile der Mobilfunknetze – kann sich für manchen Geschäftskunden der Wechsel zu einem der kleinen Anbieter rechnen, denn auch die haben ihre Stärken.

Welches Netz sich für welchen Nutzer am besten eignet, lesen Sie auf den Folgeseiten in unseren Empfehlungen. Die lauten für einzelne Kundentypen durchaus anders als das Universalurteil aus Stuttgart.

Manager: Priorität Qualität

+++ Viel reisend, stets erreichbar, höchste Sprachqualität +++

Es gibt Momente, da möchte Hans Joachim Heider am liebsten mit niemandem sprechen – zumindest nicht am Telefon. Dabei gehört der Austausch mit Kunden und Kollegen eigentlich zu den Hauptaufgaben des 40-Jährigen, der bei der Beratung Bain & Company als Practise-Leader die europäische Technologiesparte verantwortet.

Formal arbeitet Heider im Münchner Bain-Büro, praktisch aber ist er drei bis vier Tage pro Woche unterwegs. „Dann wird mein Smartphone zum mobilen Büro“, erzählt der Technologieexperte, der als Partner meist mehrere Kunden und Projekte zugleich betreut. „Da sind Erreichbarkeit und exzellente Sprachqualität am Handy entscheidend.“

Rauschen, verlorene Silben oder gar Verbindungsabbrüche sind für Kunden wie Heider nicht akzeptabel.

Ein paar Euro mehr oder weniger zählen da nicht, sondern die modernste Übertragungstechnik und die beste Funkabdeckung – auch abseits der Ballungszentren. Maximale Stabilität sowie höchstes Tempo bei Datenübertragungen und mobilen Internet-Zugriffen sind für diesen Nutzertyp nicht ganz so wichtig.

Verlässliche Verbindung

Natürlich, E-Mails und Dateianhänge müssen auf jeden Fall sicher ankommen. Entscheidender aber ist: Die Verbindung zu Team und Kunden – etwa in Telefonkonferenzen – funktioniert verlässlich.

Genau dieses Kriterium des Szenarios erfüllt auch in diesem Jahr kein anderes Mobilfunknetz so gut wie das der Deutschen Telekom. Zwar liefert Konkurrent Vodafone in Ballungsräumen bei Anrufen aus Gebäuden noch einen Hauch mehr Qualität – und deutlich bessere Werte als die kleinen Netzbetreiber. Doch in der Zusammenschau Zehntausender Testverbindungen, die auch Gespräche in Kleinstädten, auf Autobahnen und aus Zügen umfasst, liegen die Bonner klar vorn.

WirtschaftsWoche-Netz-Tipp (Priorität Qualität): Telekom vor Vodafone

Vor allem Telefonate in der Bahn bleiben der größte Schwachpunkt aller Anbieter. Selbst die Telekom als langjähriger Netzpartner der Deutschen Bahn erreicht laut „Connect“ bei Verbindungsqualität und -stabilität in ICs und ICEs nicht mal ein gut. „Telefonieren im Zug ist schwierig“, kommentiert auch Heider. „So viele Gesprächsabbrüche kann ich keinem Kunden zumuten“, ärgert sich der Berater, der auf seinen Bahnreisen am liebsten gar nicht telefoniert – oder bestenfalls mit seinem Team.

In Österreich und der Schweiz funktioniert es besser

Dabei geht es auch deutlich besser. Das beweisen die Netzbetreiber in der Schweiz und in Österreich, die „Connect“ parallel zu den deutschen Anbietern getestet hat: Ausgerechnet in den beiden funktechnisch weit anspruchsvolleren Alpenstaaten liefern fast alle Anbieter selbst bei Anrufen aus dem Zug eine Stabilität und Sprachqualität, wie sie die deutschen Netze sonst nur in den bestversorgten Großstädten erreichen.

Damit bleibt – auch für den Testsieger – hierzulande noch reichlich Luft nach oben.

Selbstständige: Priorität Preis

+++ Gute Erreichbarkeit in Städten und Umland, niedrige Kosten +++

Irgendwann im vergangenen Jahr hat sich Ralf Wittgens einmal seine ansonsten eher beiläufig abgehefteten Handyrechnungen geschnappt und nachgerechnet. Und dann hat der Sanitär- und Heizungsbauer aus dem nordrhein-westfälischen Solingen seinen Mobilfunkvertrag gekündigt.

Trotzdem hat der Handwerker sein Handy natürlich auch heute immer dabei. Denn ständige Erreichbarkeit ist für den Ein-Mann-Unternehmer existenziell. Seine Kunden sollen ihn, wenn es darauf ankommt, immer erreichen können – auch wenn das Bürotelefon daheim verwaist ist.

Nur brauchen selbst Geschäftskunden dafür nicht zwingend einen Handyvertrag mit hohen laufenden Kosten. Den hatte der 52-jährige Selbstständige in den frühen Neunzigern abgeschlossen und sich seither immer wieder vom Netzbetreiber ein paar Finessen mehr andrehen lassen.

„Für Telefon-Flatrate, SMS-Pauschale und Internet-Paket habe ich am Ende fast 80 Euro im Monat gezahlt“, sagt Wittgens. „Wirklich gebraucht habe ich davon das Wenigste.“

WirtschaftsWoche-Netz-Tipp (Priorität Preis): E-Plus vor O2

Ein günstiger Prepaid-Tarif von einem der kleineren Netzbetreiber oder gar vom Discounter tut es genauso. Denn auch die bieten, gerade in den Metropolen und im Umland, verlässliche Verbindungen für sehr viel weniger Geld als die teureren Premium-Anbieter.

Die Überlegenheit der Telekom bei Gesprächen in ländlichen Regionen der Republik mag noch so deutlich sein. Wer wie Wittgens vorwiegend rund um Metropolen telefoniert, wird auch bei der Konkurrenz sehr gut bedient.

Für ihn ist nachrangig, dass die Billigtarife Volumen und Übertragungstempo der Daten begrenzen: „Mein Handy muss staub- und wasserdicht sein“, sagt er. „Fürs Surfen genügt mir der PC daheim.“

Netzwerker: Priorität Leistung

+++ Schnelle Datenübertragung, gute Sprachqualität +++

„Ich drehe durch“, sagt Klemens Skibicki, „wenn ich mal keinen Netzzugang habe.“ Was natürlich etwas übertrieben ist, wie der Professor für Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School selbst zugibt.

Doch im Kern stimme der Spruch schon. „Ich kommuniziere inzwischen total digital“, sagt der 42-jährige Kölner, der neben seiner Lehrtätigkeit auch Partner bei Convidera ist, einer Strategieberatung für digitale Transformation.

Sprachqualität ist ein Muss

Ob Facebook, Twitter, Google+ oder Xing – was Skibicki umtreibt, das teilt und diskutiert er in sozialen Netzwerken. Fotos aus Konferenzen, ein kurzes Video – alles wandert per Fingerstreich über das Smartphone-Display drahtlos in die Online-Welt.

WirtschaftsWoche-Netz-Tipp (Priorität Leistung): Telekom vor Vodafone

Telefonate – etwa mit Kunden oder Kollegen – führt Skibicki, der sich als „totalen Netzwerker“ bezeichnet, fast nur noch nach Terminabsprache. Dann aber sei gute Sprachqualität ein Muss. Doch insgesamt verschiebe sich sein Kommunikationsverhalten von Sprache zu Daten: „Statt Termine wie früher mit mehreren Partnern in zig Anrufen abzustimmen, manage ich sie heute meist über Facebook-Rundmails oder WhatsApp-Gruppen.“

Für Geschäftskunden wie ihn zählt denn auch neben guter Sprachqualität mindestens so sehr ein zügiger und belastbarer mobiler Internet-Zugang. Ein Szenario, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, wie Erhebungen der Initiative D21 bestätigen, welche die Digitalisierung in Deutschland fördert: Danach gehen mittlerweile 54 Prozent der Deutschen mobil ins Netz. Im Vorjahr waren es noch 40 Prozent.

Onliner: Priorität Daten

+++ Maximale Geschwindigkeit und Stabilität der Datenübertragung +++

Wenn Robert Poorten abdrückt, geht es mitunter um Minuten. Denn was der Fotograf aus Düsseldorf für Unternehmen oder Magazine auf den Bildchip bannt, brauchen seine Kunden teils nur kurze Zeit später, um die Digitalfotos auf ihre Web-Seiten zu stellen oder damit die Zeitung zu komplettieren.

„Fernab von WLAN-Hotspots geht es nicht anders, als Bilder oder Videos übers Mobilfunknetz zu übertragen“, sagt der 45-jährige Rheinländer.

WirtschaftsWoche-Netz-Tipp (Priorität Daten): Telekom vor Vodafone

Je nach Auftrag lädt er, der bundesweit arbeitet, schon einmal bis zu zwei Gigabyte an Aufnahmen hoch. Verlässlich hohes Tempo, auch in abgelegeneren Regionen, ist da absolut entscheidend.

Denn wenn das Netz schwächelt, wird es für Geschäftskunden wie Poorten schnell eng: „Wer als Fotoreporter für Agenturen oder Tageszeitungen arbeitet, ist schnell aus dem Markt, wenn die Bilder nicht binnen Minuten in der Zentrale sind“, erklärt er.

Telekom liegt vorn

Auch in solch einem Nutzerszenario liegt die Telekom dank ihres gut ausgebauten LTE-Netzes vorn. Sie überträgt Daten in jede Richtung rund anderthalb- bis dreimal schneller als Konkurrent Vodafone. Und gegenüber dem Letztplatzierten, E-Plus, ist das Telekom-Funknetz sogar bis zu viereinhalbmal schneller.

In Arbeit
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Ändern wird sich das wohl erst Ende kommenden Jahres. Dann will Vodafone die aus dem Sparprogramm resultierenden Mängel ausgebügelt und sein Netz komplett modernisiert haben.

Und auch der Zusammenschluss der Netze von O2 und E-Plus könnte dann erste Früchte tragen.

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